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- 2 11 2002 - 20:44 - katatonik

Universität und Verschulung

“Die Studenten fordern von sich aus, von der verschulten Schule nichts anderes gewohnt, geradezu händeringend eine ebensolche Verschulung an den Universitäten. Das verleitet viele Hochschullehrer dazu, diesem Begehren nachzugeben und dabei das gute Gefühl zu haben, den Studenten einen Gefallen zu tun.
In Wirklichkeit wird den Studenten diejenigen Krisenerfahrung vorenthalten, welche für wissenschaftliches Handeln nun einmal konstitutiv ist und die eben auch außeruniversitär ausgesprochen stark nachgefragt wurde. Wäre es keine Krisenerfahrung, würden die Studenten auch nicht so händeringend nach Abhilfe rufen. Ein verantwortungsvoller Hochschullehrer zeigt sich m.E. darin, daß er für das Begehren der Studenten Verständnis zeigt, aber ihm nicht nachgibt … natürlich, man muß mehr pauken, allerdings in der entscheidenden Hinsicht bedeutet es ein Absenkung: man muß auch die Sache weniger an sich herankommen lassen. Das anstrengendste ist aber nicht die Paukerei, sondern die bei einem genuin wissenschaftlichen Studium aufzubrigende Unvoreingenommenheit der Sache gegenüber.”

Zitiert aus einem Mailing-List-Posting. Der Autor bringt das im Zusammenhang mit der Einführung von Bachelor-Studiengängen vor. Sein Argument: Die Umgestaltung von Grundstudien in Bachelor-Studiengängen sei fatal, weil sie ebendiesem Postulat nach Verschulung gehorche. Daher würde das wissenschaftliche Niveau gesenkt, und nicht gehoben, wie viele meinen, weil nämlich der durch Reflexion “müßiger” Fragen geprägte wissenschaftliche Habitus nicht herausgebildet wird.
Er meint auch, dass die Bachelors am Arbeitsmarkt nicht so gut unterkommen werden wie Studienabbrecher etwa in den Sozial- und Geisteswissenschaften bisher. Denn offenbar wären diese Studienabbrecher gerade wegen dieses wissenschaftlichen Habitus gut untergekommen, von wegen Offenheit für nicht unmittelbar praxisrelevante Problemstellungen und -lösungswege. Gerade das würden aber Bachelor-Studiengänge mit ihrer Betonung so genannter “berufsqualifizierender” Anteile unterminieren.
(Mal ganz unabhängig von der Beschaffenheit des Arbeitsmarkts.)
Ich finde diese Argumentation vom Prinzip her plausibel.


Ich kann aus eigener Anschauung bestätigen, dass der Bachelor zu einer Verschulung führt. In einigen Studiengängen (BWL, Jura) mag dies hilfreich sein, da es dort grosse Mengen an Stoff zu gliedern gilt und die an Universitäten üblichen Reibungsverluste die Effizienz herabsetzen. In Sozial- und Geisteswissenschaften Credit-Point-Systeme einzuführen, halte ich für kontraproduktiv.

gHack (Nov 2, 21:09) #

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