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- 14 11 2002 - 20:42 - katatonik

Memento morum



Man erinnere mich an die TV-Duell-Berichterstattung des Standard, wenn in selbiger Zeitung unter dem Stichwort “Medienkritik” der Verfall des Politikjournalismus beklagt werden sollte. Der oder die erste Erinnerer/-in bekommt einen sockensignierten Fußball geschenkt.


Komm, die kriegen ne Playstation und dann sollen sie das bei ner Runde Mortal Kombat ausfighten. Ist visuell eh interessanter.

gHack (Nov 14, 23:08) #


Ich nehme jede Seltsamkeit in Kauf, wenn es nur keine ÖVP/FPÖ Regierung mehr gibt. Es wäre doch zu grausam, nach zwei Monaten Hoffnung wieder am Ausgangspunkt von Anfang September zu sein! Von den bisherigen "Konfrontationen" habe ich bisher noch keine gesehen*, will aber leichtgläubig dem "Standard" vertrauen.

*IMO zu unergiebig. Außerdem ließe ich mich von einem noch so rhetorisch raffinierten Wolfgang Schüssel nicht davon überzeugen, eine christliche Partei zu wählen. Ja, so voreingenommen bin ich ;-)

Franz Fuchs (Nov 14, 23:09) #


Gerade vorhin kamen so Umfragen, die zeigen, dass Rot/Grün und die Rechten genau gleichauf stehen. Deprimierend. Die FPÖ-Wähler sind halt ganz einfach zur ÖVP gewechselt. Am besten finde ich Karl-Heinz Grasser. Das nenne ich politische Professionalität. Dagegen hat sogar Gerhard Schröder noch ein angreifbares politisches Profil.

gHack (Nov 14, 23:12) #


Nun ja, jede Seltsamkeit würde ich nicht in Kauf nehmen, aber wenn die FPÖ nicht fatal absackt, gebe ich tatsächlich nichts mehr auf das österreichische Gedächtnis.

Abwesenheitsbedingt habe ich keine einzige dieser Konfrontationen gesehen, aber mich empört dieser Sekunden-Konfrontationismus im Fernsehen grundsätzlich. Noch mehr empört mich, wenn Qualitätsmedien diese Unterkomplexitätsabfeierung erst auf der Kommentarseite kritisieren und dann auf ihren eigenen Websites mit- und weiterspielen.

Grasser setzt neue Maßstäbe im Rückgratpoker. Es gibt wenige Verhaltensformen, auf die man so passend die Forderung anwenden kann, man müsse sie einfach neidlos anerkennen.

katatonik (Nov 14, 23:25) #


Es gibt ja Theorien, die besagen, daß Schüssel einer Art Masterplan folgen würde. (Letzthin war auch im "Standard" ein Kommentar in dieser Richtung, dem aber Hans Rauscher widersprochen hat.) Wenn, ja wenn das stimmen sollte, dann wäre es unter "genialisch" zu rubrizieren: Zuerst Haider neutralisieren, indem man der "liberale" Fraktion innerhalb der FPÖ schmeichelt, warten, bis die Konflikte beim Koalitionspartner virulent werden, und dann Neuwahlen. Mit einer auf fast ein Drittel zugerechtgestutzten FPÖ regiert es sich dann umso besser.
Leider ist es, wie ich mir eingestehen muß, völlig logisch, daß die ÖVP am meisten von der Erosion der FPÖ profitiert. Für wen sollten sich deren Wähler sonst entscheiden? Etwa für die Grünen?
Was mich außerdem stört: Daß viele so tun, als sei die FPÖ erst jetzt - wegen ihres erratischen Verhaltens - und nicht schon viel früher aus offensichtlichen ideologischen Gründe untragbar geworden.

Franz Fuchs (Nov 14, 23:48) #


Ne. Die FPÖ ist daran gescheitert, dass sie ihrer Wählerschaft nicht den starken Führer und damit auch die brutale Durchsetzung ihrer Politik bieten konnte, mit der sie angetreten ist. Haider war letzten Endes zu schwach und mutiert immer mehr zum Michael Jackson der österreichischen Politik: Früher Superstar, jetzt schüttelt man nur noch den Kopf über ihn.

gHack (Nov 14, 23:59) #


Man lebt ja postideologisch, da spielt die Offensichtlichkeit von ideologischen Gründen wohl keine Rolle mehr.
Dass die meisten F-Wähler zur ÖVP wandern werden, ist nur dann logisch, wenn man denen eine gewisse Homogenität, Überlegtheit und weltanschauliche Verwurzelung zugesteht, oder? Mir ist das etwas schleierhaft. Das Verhalten von FPÖ-Wählern war mir ja schon immer ein Rätsel. Ich frage mich, ob die wadelbeisserische Polarisierung in links-rechts, die in den letzten Jahren ja doch frappant zugenommen hat, auf Wählerströme irgendeine Auswirkung hat. Es gab ja früher eine nicht unbeträchtliche Beweglichkeit zwischen SPÖ und FPÖ. Ob es die wohl heute auch noch gibt?

Ob es sich mit einer "zurechtgestutzten" FPÖ besser regiert, hängt wohl davon ab, wer in dieser gestutzten FPÖ dann noch drin ist, und auf welches Maß die gestutzt wird. Ich befasse mich derzeit nicht mehr so intensiv mit österreichischen politischen Vorgängen wie noch vor einem Monat, aber die Anzeichen, dass eine FPÖ nach der Wahl weniger volatil ist als jetzt, scheinen mir doch sehr blaß zu sein.

katatonik (Nov 15, 00:04) #

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