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- 6 01 2003 - 18:39 - katatonik

Untermiete, Vermiete, Miete

Der Vermieter entwickelte vor einem Monat das Verlangen, die Wohnung zu erhalten und zu modernisieren. Er sandte ein Fax nach Nepal. Lieber Mieter, schrieb der Vermieter, wir erhalten und modernisieren in einem Monat Ihre Wohnung. Ziehen Sie doch mal ins Nebenhaus, wo wir bereits eine andere Wohnung erhalten und modernisiert haben. Nach drei Monaten können Sie dann wieder zurück ziehen. Schleppen müssen Sie Ihr Zeug selber. Das zahlen wir auch nicht. Von Mietkosten schrieb der Vermieter nichts. Der Mieter überbrachte seiner Untermieterin in Bangkok das Fax. Was tun, fragten sie einander, wußten keine Antwort und reisten jeweils nach Myanmar und nach Ostthailand weiter.

Eine freundliche Bodenstation am Wohnungsort telefonierte derweil mit dem Vermieter. Nein, kein Zeitaufschub. Nein, sofort raus, da. Muß sein. Wasser und Strom werden abgesperrt. Kann nicht bleiben. Der Mieter fuhr zurück nach Nepal. Die Untermieterin fuhr zurück an den Wohnort, wo es Mietervereine und Rechtsberatungen gibt und die Information tröstlich war. Die Untermieterin spazierte unter blauem Himmel durch Schnee umher und hielt innere Monologe an den Vermieter, der immer noch zu glauben schien, sie würde innert drei Tagen die Wohnung räumen. Lieber Vermieter, Du mußt das drei Monate vorher sagen, wenn Du modernisieren willst. Du mußt meinen Umzug dorthin, wo bereits erhalten und modernisiert wurde, bezahlen und organisieren. Der Mieter könnte übrigens unter Umständen mit manchen Modernisierungsschüben nicht einverstanden sein. Das muß er auch nicht. Dann kannst Du ihn auf Duldung klagen, wenn Du willst. Abgesperrt wird da nichts, übrigens, damit das klar ist. Ja, Vermieter, ruf mich doch zurück, wie Deine Bürokraft heute morgen versprach. Dann kann ich diesen inneren Monolog unter blauem Himmel durch Schnee in einen sauberen Wortschwall in wohliger Wärme verwandeln.

Auf Papier meldeten sich die Mieter, denen die Untermieterin andernorts eine Wohnung vermietet hatte. Liebe Vermieterin, schrieben die Mieter, für die Auf- und Umräumereien, die Putzereien und Schleppereien, die wir bei Einzug in Deine Wohnung hatten, schuldest Du uns eine große Anzahl Schrumpfköpfe. 56 Stunden haben wir auf- und umgeräumt, geputzt und geschleppt, damit wir in deine knapp 60 Quadrameter mit all Deinen Möbeln und Deinem Hausrat und allem hineinpassen. Damit wir uns auf Dein Sofa setzen und Deine Sessel abwetzen können und mit Deiner Küchenmaschine Karotten entsaften. Erst 22 Tage nach Mietverhältnisbeginn konnten wir einziehen in Deine knapp 60 Quadratmeter mit all ihren Entsaftern und Sofas und Sesseln. Du hättest schon die Gläser sauber lecken müssen, aus denen wir jetzt Karottensaft trinken. Jedes einzelne Buch, das wir jetzt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von zehn Zentimeter pro Stunde in die Zimmerecke getragen haben, hättest Du entstauben und selber dorthin tragen müssen. Den Boden hättest Du auch belecken müssen, nicht nur bestaubsaugen. Auch wir leben an einem Ort, wo es Mietervereine und Rechtsberatungen gibt. Auch hier ist die Information tröstlich. Konfus und absurd sind Deine Berechnungen der Miete, sagt sie uns. Wir zahlen zu viel, sagt sie. Aber darum geht es uns nicht. Wir beschweren uns nicht. Wir wollen nur die Schrumpfköpfe haben, für all das Aufräumen. Das heißt, wir haben sie ohnehin schon, weil wir Dir die entsprechende Anzahl Schrumpfköpfe zu Anfang einfach nicht gegeben haben. Wir geben sie Dir auch weiterhin nicht. Mit freundlichen Grüßen.

Am Telefon erzählt eine freundliche Bodenstation von andernorts, dass die Besitzer der Wohnung, die die heutige Untermieterin und Vermieterin einst gemietet hatte, endlich eine Anzahl Schrumpfköpfe übergeben hätten. Sie hatten fast zwei Jahre gebraucht um einzusehen, dass sie der ehemaligen Mieterin den Einbau eines karottensaftspendenden Whirlpools beschrumpfkopfen müssen. Die Information war tröstlich gewesen, auch da. Das hatte aber nicht genügt. Ein Anwalt hatte sie verstärken müssen, die Tröstlichkeit. Jetzt deponieren sie jeden Monat eine Rate. Freilich ist die Gesamtsumme noch etwas zu gering. Der Anwalt hat ihnen schon geschrieben.


Man beginnt zu verstehen, warum es Campingwagen gibt.

gHack (Jan 6, 19:26) #

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