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- 3 02 2003 - 20:20 - katatonik

Geschehnisse im Dazwischen

Ich möchte die Gelegenheit eines stabilen (Laptop-)Computers kurz benutzen, der geneigten Besucherschaft einen Überblick über das zu verschaffen, was zuletzt geschah.

Also wie im Fernsehen – obwohl, eigentlich auch wieder nicht. Bei Fernsehserien wird ja immer nur gerafft gezeigt, was in der letzten Episode geschah. Hier hingegen wird nun vorgeführt, was seit der letzten katatonischen Episode geschah, also im weiten, abgründigen Offline-Dazwischen.

Vielleicht wäre so ein “was inzwischen geschah” für Fernsehserien auch ganz reizvoll. Dann könnte man unliebsam gewordene Charaktere schneller den Unfalltod sterben lassen, liebsam gewordene rascher aufbauen, usw. usf. Die Fantasie des Zusehers würde auch gewinnen. Noch bessere Idee: Fernsehserien, die nur noch aus “was inzwischen geschah”–Abschnitten von je fünf Minuten bestehen. Es wäre für uns alle besser.

Der letzten Oktober angeschaffte PC geruht seit dem Umzug vor zwei Wochen unregelmäßig, aber oft abzustürzen. Der nuschelige Support-Typ meint, es würde wohl am Netzteil liegen, da wäre vermutlich ein Kontakt locker. Diese Erkenntnis steht nun am Ende von mehreren Tagen gänzlich sinnfreier Deinstallation, Reinstallation, Deaktivierung, Rekonfigurierung und Verwünschung.

Unterdessen ist die am 3.11.2002 bestellte neue Lade- und Anschlußstation (“Cradle”) für den Palm eingetroffen. Alte Ladestationen versorgen den Palm mit zu viel elektrostatischer Ladung. Dadurch geht die Synchronisierung via USB-Schnittstelle flöten (die über Infrarot-Port gottseidank nicht). Das Phänomen ist unter dem Acronym SUDS (Sudden USB Death Syndrome) bekannt.

Palm tauscht die alten Ladestationen gratis gegen neue um. Man muß allerdings den Palm dann noch ganz entladen und alles löschen (unter einem “hard reset” geht’s nicht), um die entstandenen Schäden zu beheben.

Es gelang mir gestern erstmals, über das “Cradle” und die USB-Schnittstelle die Daten zwischen PC und Palm abzugleichen. (Ich habe das Gerät seit etwa einem Jahr.) Heute gelang es mir ferner, die am Laptop zwischengesicherten Daten (über Infrarot) auf den Palm zu übertragen. Zwei Notizen gingen verloren, aber das macht nichts. Sie werden wohl unerheblich gewesen sein. Sie müssen unerheblich gewesen sein.

Unterdessen gelang es nicht, mit Nero 800 MB fassende CDs zu brennen. Ich habe jetzt eine Serie schmucker Bierglasuntersetzer, die fatal an missbrannte CDs erinnern. Diese Bereicherung des Haushalts steht am Ende einer Serie von Update- und Reboot-Verfahren, in die sich auch der obengenannte mutmaßliche Wackelkontakt eifrig einmischte. Um diverse Daten vor PC-Reparaturgabe zu sichern, war Samstag nachmittag ein Gang in einen “Super Walmart” genannten Hypersupermarkt schräg gegenüber erforderlich, zwecks Erwerb von 700 MB fassenden CDs.

Ich will da nie wieder hin, war heute aber schon wieder da, zwecks Mehrerwerb von CDs. Eine alte Frau erzählte in der Warteschlange von dem Bademantel, den sie im Sonderangebot erstehen wollte, so einen weißen, wissen Sie. Ging aber nicht, weil die nur noch gelbe hatten, und Gelb könne sie nicht ausstehen. Dass man da auch immer so schnell sein muß mit diesen Sonderangeboten. Ich blickte nach vor. Noch acht Leute bis zur Kassa. Ich blickte nach links. Die alte Dame war entfleucht. Ich dachte an eine von Judith Hermanns Erzählungen, die ich gestern gelesen hatte, in der ein isländisches Kind die Farbe Gelb liebt. Wäre die alte Dame nicht entfleucht, hätte ich sie mit der unverwandten Frage “Waren Sie schon mal in Island?” zum Abtänzeln bewegen können.

Versuche, mit dem tragbaren MP3-Player außer Haus zu gehen, scheitern. Plötzlich mischt sich da ein unerträglich aufdringliches hohes Flirrgeräusch in Madame Nicolettes Gesang. Ach ja, habe ich bereits erwähnt, dass der über die USB-Schnittstelle anschließbare Player seit einigen Wochen nur halb ansprechbar ist und überdies Batterien frißt wie ein Batterienfresser?

Also ohne Musik ins Wartezimmer der Zahnärztin, in dem ein älterer Herr periodisch dieses kleine Zahnzwischenraumsaugflutschgeräusch macht, das mich in den hypertonischen Wahnsinn treibt. Aber er verschwindet nach fünf Minuten (der Herr, nicht der Wahnsinn), das beruhigt. Ich darf erst nach einer halben Stunde verschwinden, was weniger beruhigt.

Die Zahnärztin bestätigt den Verdacht, dass die erst letzte Woche – wegen übermäßigen Zähneknirschens im Schlaf – angepaßte Zahnschiene in ursächlichem Zusammenhang zu einer seit letzter Woche spürbaren Entzündung am Zahnfleisch innen oben steht. Sie schleift und schmilzt, paßt an und legt um, aber es hilft nichts.

Vermutlich muß eine neue, andere Art von Schiene gemacht werden, eine, die Ober- und Unterkiefer nur in einer einzigen, festgelegten Position aufeinander beißen läßt. Sei aber um einiges teurer, sagt die Zahnärztin. Früher oder später würde mir das sowieso blühen, sagt sie, denn was ich durch die Knirscherei schon an Bißhöhe verloren hätte, müsse man wohl, wenn irgendwann mal ernsthafte “Versorgung” anstünde, durch halbjähriges Schienentragen wiedergewinnen. Ich habe sie nicht gefragt, was sie mit “Versorgung” meinte. Das Wort “Bißhöhenverlust” werde ich demnächst in meinen offiziellen Lebenslauf einbauen. (1987-1994 Studium, 1988-2003 Bißhöhenverlust).

Jetzt starre ich übrigens gerade versonnen auf den Bluescreen, den der Arbeitszimmer-PC (nicht der mit dem Netzteil, ein anderer) seit dem Versuch produziert, ein bestimmtes Programm zu installieren. Ich vermute, diese weißen Zahlen- und Zeichenkolonnen von Windows-NT-Bluescreens tragen in sich jenen magischen Code, der für den Rest der Lebenszeit die Erzeugung weiterer Desaster verhindert. Ich memoriere jetzt. Ab ins Dazwischen.


An meinen Respekt vor dem ganzen Hardwaregesummse hätte auch Deine 88er-Bisshöhe nicht herangereicht, und NT und 2000, von Stylisherem zu schweigen, habe ich nie benutzt, weshalb meinerseits kein Vergleich möglich ist; möchte aber mal bemerken, dass ein registrierungsfreies XP Pro ein nahezu stabiles System abgibt. Jedenfalls gab es in drei Monaten hier noch keinen Bluescreen.
(Für Windowsverächter: Nach Diktat verreist.)

Siewissenschon (Feb 3, 20:35) #

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