Go to content Go to navigation Go to search

- 2 04 2003 - 19:34 - katatonik

Gäste und Professoren

Gestern mit dem Professor den Gastprofessor, welchselbiger als Professor in Japan meine Dissertation betreute, vom Flughafen abgeholt.
Als aus den elektronisch gesteuerten Schiebetüren nur noch übermüdete Kriechtiere kamen und die Gepäckbänder, die man durch die Schiebetüren im Hintergrund sehen konnte, definitiv stockten, wussten wir: In dem Flieger war er nicht.
Der Professor professierte ab, um an buchstäblich höher gelegenen Lufthansa-Auskunftsschaltern über den Verbleib des Gastprofessors Auskunft einzuholen. Er kam zurück und war empört. DasagtdieichsollzumSchalternebenanundderwarabergeschlossenundsoeineFrechheit.
Ich schicke mich an, meinerseits eine Lufthansa-Auskunftsschalterexkursion zu unternehmen. Ich unternehme. Nach zwei Minuten stehe ich erstmals in meinem Dasein wieselfreundlich an einem FirstClass-Schalter, über dem “Lufthansa Ticketteam” steht und überlege, ob Wiesel eigentlich freundlich sind. Die Dame hinter dem Schalter findet flugs heraus, dass der Gastprofessor im nächsten Flug aus Soundso steckt. Dankeschön.
Der Professor und ich nehmen Tee und Espresso. Wir erörtern, wie der Umstand, dass man um 17:27 auf der Tafel “erwartete Ankunftszeit: 17:25” liest, in gewissen buddhistischen Philosophiesystemen erklärt worden wäre. Ich gelange zur abschließenden Hypothese, nein, das hätten die nicht hingekriegt, die mussten ja auch nie auf Verkehrsmittel warten, die irgendwo irgendwann ankamen (Oder gab’s im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Zentralasien tatsächlich schon Tragtier-Intervallverkehr?). Er hält das für plausibel.
Der Gastprofessor kommt an. Er ist übermüdet. Wir bringen ihn zu seiner Unterkunft. Wir gehen mit ihm in den Supermarkt und kaufen Frühstücksingredienzien. Butter? Da gibt’s Rama. Ja, Rama, die kennt er, wie in Japan, wird genommen. Ich erspare mir Belehrungen über die Vierländerin am Rama-Packerl die, wie das hiesige Museum lehrte, eben typische Vierländertracht aus der hamburgischen Umgebung trägt. Für Belehrungen ist der Gast zu müde und ich zu blöde.
Trotzdem werden wir beide vom Professor zum Italiener mitgenommen. Es gibt Rotwein und Bier und Pizza und Salat und dann bringen wir den Gastprofessor nach Hause. Am nächsten Tag, also heute, soll ich ihn mittags abholen und ans Institut bringen. Der Professor zögert, ob mir denn solch Mühen zugemutet werden können. “Oh, but she owes me”, sagt der Gastprofessor leise grinsend. Ich nicke, lauter grinsend und daran denkend, wie

ich damals der Landessprache und -schrift im Alltag völlig unkundig hinter zwei freundlicherweise ihre Zeit spendenden Studentinnen durchs Einkaufszentrum bei Hiroshima herdackelte und immer nur nickte oder den Kopf schüttelte, wenn sie auf etwas zeigten, wovon sie meinten, dass ich es brauchen oder wollen könnte (Toaster? Nicken. Bügeleisen? Kopfschütteln. Kaffee? Aufundabspringen). Wie sie mit mir am Ausländeramt waren und dafür sorgten, dass ich alle Formulare richtig ausfüllte. Das mit der Unterschrift hat sie, wie auch die Beamten, schockstarr gemacht: Dass unsereiner nicht einen Stempel irgendwo hinknallt (der einem per Dekret als einmalig im Land zugewiesen ist), sondern fragil-instabile Schriftzüge, kaum als solche erkennbar, aufs Papier streicht.

Heute mittag hole ich also den Gastprofessor ab und bringe ihn ans Institut. Ich vollbringe es, innerhalb von fünf Minuten sein Powerbook voll ans Internet zu bringen. Er ist überglücklich, denn, wie sich herausstellt, war der Internetzugang seine größte Sorge. Ich bin überstolz, weil ich noch nie an einem Powerbook auch nur eine einzige Taste betätigt habe, was man vor allem daran erkennt, dass meine Handhabung des Glide-Dingens den Gastprofessor sehr amüsiert.

Er überreicht mir ein Gastgeschenk.



Ich trinke das Gastgeschenk. Prost Gastgeschenk.


Hehe. Die Flasche sieht aus wie iSake :)

gHack (Apr 2, 20:05) #

  Textile Help