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- 4 07 2003 - 14:14 - katatonik

Der Lauf der Weisheit

Eigentlich sitzt er meistens in der Ferne, aber gelegentlich durchreist er Europa, hält hier und dort Vorträge, wird immer so schön vorgestellt mit dem Titel “geistliches und weltliches Oberhaupt” eines Landes, das es nicht mehr gibt.

Wohlgesonnene Menschen machen Interviews mit ihm, übersetzen, was er zu sagen hat über Leben und Leiden, Krieg und Frieden, Eier und Kuchen. Weise sei er, heißt es. Man hört ihm gerne zu.

Manchmal machen sie auch Bücher aus den übersetzten Resultaten. Manchmal ist nicht so klar, ob er streng genommen der Autor ist, denn in Übersetzungen von Interviews, da vermischt sich schon so manches. Aber so lange es der Menschheit dient, wer kümmert sich da schon um Besitzrechte an Worten und Formulierungen?

Die Bücher werden gelegentlich weiter übersetzt, in andere Sprachen. Rücksprache mit ihm hält man selten. Rechte wandern von Verlag zu Verlag. Tantiemen kommen gelegentlich, gelegentlich auch nicht. Seine Vertretungen in diversen Ländern sind da nicht so strikt. Sollte jemand wie er sich mit Tantiemenverhandlungen abgeben? Aber sollten andere auf seine Kosten Geld machen? Ein steter Eiertanz, und die Vertretungen, nun ja, sie reden hin und her. Man weiß nicht so recht, immer noch nicht, erstaunlich, nach so vielen Jahren eigentlich. Aber, nun ja, es gibt Wichtigeres, da in der Ferne.

Irgendwo in so einem europäischen Land hat man nun Texte aus einem übersetzten Buch, bei dem das mit der Autorenschaft, nun ja, etwas kompliziert ist, in einer großen Zeitung gebracht. Er persönlich würde Rat erteilen in der Zeitung, steht auf den Plakaten, die sein Foto tragen. Menschen haben die Plakate fotografiert und die Fotos an seine Vertretungen in Europa und auch in der Ferne weitergeleitet. Ob man davon schon wisse? Ob man davon gewusst hätte?

Nein, man wisse nichts. Man habe davon noch nichts gehört. Niemand hätte angefragt, der Rechte wegen.

Die Zeitung meint, sehr freundlich übrigens, sie hätte beim Verlag der Übersetzung des Buches die Rechte erworben. Der Verlag wird vermutlich wird sagen, er hätte die Rechte vom Verlag des Originalbuches erworben. Der Verlag des Originalbuches wird sagen … die Vertretungen diskutieren, wohlmeinende Personen raten und raten ab.

Die einen meinen, diese Boulevardzeitungskolumnen, die da unter seinem Namen erscheinen, würden sein Image verderben. Aber kümmert er sich um sein Image? Es gibt doch Wichtigeres. Andere meinen, er solle wenigstens nachträglich auf Honoraren bestehen, die könne man ja auch karitativen Einrichtungen … Aber wäre das imagemäßig nicht noch abträglicher? Und warum sollte er sich darum kümmern? Wieder andere meinen, es wäre ein Skandal, dass die sich da so mit seinem Bild schmücken und Geld mit ihm machen. Aber wenn dann doch viele Menschen seine Texte lesen können und es ihnen vielleicht nützt, wo sei dann der Skandal?


Seems to me that there's a demand for DRM - Dalai Rights Management...

gHack (Jul 4, 14:58) #


Das Flaggschiff der Springerpresse schmückt sich mit dem Möchtegern-Präsi eines noch nicht real existierenden Feudalstaats. Wo ist der Skandal?

Parker Lewis (Jul 7, 11:04) #


Das ist Ihre Frage, nicht meine.

katatonik (Jul 7, 11:27) #

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