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- 21 01 2004 - 11:32 - katatonik

Gesprächsbereit my ass

Der Rektor der Universität wurde getortet, heisst es, so auch ein hochrangiger Beamter aus dem Bildungsministerium. Beide hätten an einer Diskussionsveranstaltung über die Universitätsreform teilnehmen sollen, die dann wg. wogender Wellen infolge von Zuckermatschaufprall auf zwei Teilnehmer abgesagt wurde.

Diesem Ereignis gingen andere Aktivitäten von studentischer Seite voraus: Der Senatssaal der Universität Wien wurde besetzt, wobei als herausragendes Element der Besetzung in Medien stets hervorgehoben wurde, dass die Tür aufgebrochen worden war. Aufgebrochen, man stelle sich vor, gewaltsam. Die österreichische Hochschülerschaft wird, wie früher auch stets die grüne Partei in Österreich, unter die Gewaltbereitschaftstestlupe gedrängt: Distanzieren Sie sich auch brav, ja, tun wir, einige wenige, die mit uns nichts zu tun haben, wir verurteilen, wir distanzieren uns von diesen, äh, Elementen, radikalen Gruppen.

Im Hintergrund steht, dass von Seiten der Hochschülerschaft Gespräche mit dem Rektor offenbar abgebrochen worden waren. Seit Tagen warte ich darauf, dass das in die Aufmerksamkeit drängt, was eigentliches Thema sein müsste: dass der Diskussionsprozess, den der Rektor gerne beschreibt (“habe im Oktober an der Universität Wien einen D. über die Umorganisation in Gang gebracht”), dass die Gesprächsbereitschaft, die er gerne in Worten signalisiert und von der er meint, sie würde ja leider bei den Studierenden fehlen – die dann auch eilfertig in das Signalisierungsritual einfallen -, also dass das bestenfalls Imitate und Vorgaukeleien dessen sind, was solche Worte eigentlich bezeichnen. Die Vorsitzende der Hochschülerschaft sprach diese Imitatsbehandlung gesellschaftlicher Prozesse gestern in einer Fernsehdiskussion ganz kurz und zaghaft an, aber das dürfte bei der Zuschauerschaft im mitternächtlichen weißen Rauschen untergegangen sein.

Ein Diskussionsprozess gesellschaftlicher Akteure über die Neuorganisation eines Gebildes, an dem alle beteiligt sind, muss bezüglich der wesentlichen Punkte offenen Ausgangs sein. Über die Umorganisation der Universität Wien aber ist ein solcher Diskussionsprozess nicht (mehr) möglich: Ein Akteur hat im Alleingang, mit ein paar eilfertig zusammengerufenen Kollegen als Stichwortgebern, eine Reform entwickelt. Dass diese Reform umgesetzt wird, wird von ihm als Diskussionsgegenstand nicht mehr anerkannt. Allfällige Absegnungsrituale – durch den Senat peitschen, den Universitätsrat beknien, damit er zustimmt – laufen ja auch bereits bestens und seit längerer Zeit. Es geht also, wenn man jetzt mit Studierenden spricht, nur noch um Details, nicht um Diskussion.
Tja, und Gesprächsbereitschaft müsste eigentlich auch etwas anderes sein als sich an einen Tisch zu setzen und folgenlos zu labern, denkt man. Sprich mit mir, damit ich mich akzeptiert fühle, es kommt nicht drauf an, was du sagst und welche Folgen das für mich haben könnte.

Alles, was ich bisher an Fernsehdiskussionen usw. zum Thema gesehen habe, ist von journalistischer Seite erschreckend uninformiert. Gestern nacht sagte etwa der Rektor, es sei ja gar nicht war, dass es keine Mitbestimmung mehr an den Universitäten gäbe, denn es gäbe doch nach wie vor einen Senat. Dass der Senat gemäß neuem Gesetz nur noch ein Zustimmungsrecht zu Rektoratsbeschlüssen hat, und dass der Rektor eine Nichtzustimmung rechtens ignorieren darf, tja, das hätte man da einwerfen müssen. Tat aber niemand. Nicht einmal die Vorsitzende der Hochschülerschaft, die mit im Fernsehstudio stand und deren letzes Wort – Sie erraten es nie – Signalisierung von Gesprächsbereitschaft war.


Ist diese mentale Bewegung nicht typisch für Schwarz-Blau?

gHack (Jan 21, 12:18) #


Ist doch immer dieselbe Scheiße mit dieser Demokratiesimulation. Und dann regen sie sich über ein wenig fliegendes Backwerk auf.

Marcus Hammerschmitt (Jan 21, 18:15) #

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