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- 5 03 2004 - 11:56 - katatonik

Kontextschwierigkeiten im Dakönntejajederkommen-Universum

Gestern eine dieser ausufernden Diskussionen über affirmative action, Wissenschaftler, lebte in New York, Erfahrungsberichte, schlimm, niemand wagt etwas Schlechtes über einen Schwarzen zu sagen, diese Gehirnzensur, schlimm, diese selektive Bevorzugung, tut man doch nichts Gutes damit, den Leuten, warum Weisse dafür bestrafen, dass sie ihren Kindern gute Erziehung angedeihen lassen, warum Schwarze dafür bevorzugen, dass sie das, auch wenn sie Unterstützung bekommen, bleiben lassen, schlimm.

Vor einigen Tagen eine dieser ausufernden Diskussionen über Kopftücher, Korrespondent erzählt aus Iran, schlimm, dass man hier fördern möchte, was dort die Mullahs predigen, anderer Journalist erzählt von einem Interview mit einer kopftuchtragenden deutschen Lehrerin, schlimm, diese Vorstellungen, die die Frau hat, von Mannfrauverhältnissen, vom Entstehen der Welt, will man nicht in Schulen hören, nein, schlimm.

Aufgefallen ist mir in beiden Fällen die ungeheure Schwierigkeit, die man damit haben kann, dass manche Dinge nicht kontextunabhängig auf festen, logisch ableitbaren Prinzipien entschieden werden können. Dass es schon sein kann, dass, wenn man eine Bevölkerungsgruppe bevorzugt, daraus etwas Ungeheuerliches logisch ableitbar ist, dass es aber trotzdem sinnvoll sein kann, das zu tun. Dass es schon sein kann, dass Menschen in anderen Ländern missbräuchlich predigen, was man hier praktiziert, dass es aber trotzdem sinnvoll sein kann, hier bei dem zu bleiben, was man tut. Dass Gesellschaftspolitik nicht die Frage ist, ob man auch allen aus einer Forderung logisch ableitbaren Konsequenzen zustimmen kann. Dass “da könnte ja jeder kommen” kein Argument ist. So etwas in der Art.

Ich verstehe übrigens sehr wenig von Kant, aber mir kommt diese Dakönntejajederkommenisierung gesellschaftspolitischer Kurs wie eine verdammt verdrehte Pointe auf seine Ethik vor.


Seit dem ich begriffen habe, dass wir in der Postmoderne leben, seitdem sich für mich das ohnehin sehr fragile Skelett der Wahrheit aufgelöst hat, seitdem weiss ich sowieso nicht, was andere mit Logik wollen. In unserem zusammengewachsenen multipolyphonen Erdendörflein, was will man da noch mit absoluten Konzepten?

Logik war doch das, was der Glauben vor der Aufklärung war.

Auf den Müllhaufen damit.

KerLeone (Mar 6, 19:17) #


Ich habe immer noch nicht begriffen, dass wir in der Postmoderne leben. Zumindest nicht in dem Sinn, dass ich bereit wäre, Wahrheit als Konzept überhaupt im Zuständigkeitsbereich historischer Müllabfuhren anzusiedeln.

Daher bediene ich mich eigentlich recht gerne logischer Strukturen, um etwa aus dem Verhalten anderer Menschen Rückschlüsse auf ihre Motivationen zu ziehen, um zu verstehen, was sie mir sagen, um zu begreifen, was sie denken, um Texte aufzubauen, um Programme zu schreiben. Das würde ich ungern alles auf Müllhaufen geworfen wissen. Ich verstehe auch nicht recht, weshalb ein Zuwachs an Komplexität ("Multipolyphonie" - wieso eigentlich "multi", wenn doch schon "poly"?) die Rolle eines Mülltransporters für Logik erfüllen sollte.

Nein, mit Mülldiskuren dieser Art kann ich nichts anfangen. Aber Du meintest wahrscheinlich eh eher was anderes.

katatonik (Mar 6, 21:34) #


Throw logic to the dogs, I'll none of it.

Macbeth (Mar 7, 09:17) #


But leave some for me. I love that thang.

Lady Macbeth (Mar 7, 12:38) #


Realität ist wirklich gut.

gHack (Mar 7, 20:31) #


Love or no love, I leave the dogs for you.

Macbeth (Mar 7, 20:33) #


To leave or not to leave, dogs are my breakfast.

hamlet (Mar 7, 22:42) #

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