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- 27 03 2004 - 12:56 - katatonik

Der Schlag des stillen Pressesprechers

Harald Waiglein war dereinst Sänger und Gitarrist der angenehmen Band “Bomb Circle”. Jetzt ist er ORF-Hörfunkjournalist und brachte soeben im Mittagsjournal auf Ö1 den österreichischen Finanzminister mit bewundernswerter journalistischer Unbeirrbarkeit dazu, ein Interview abzubrechen, im Laufe dessen sich der Minister von einer Schleife ablenkender Leerphrasen in die nächste gehangelt hatte.

Während des Interviews, als Waiglein nach einem erneuten Ablenkversuch des Ministers erneut die Frage nach den moralischen Aspekten von Geschenkannahmen im Zusammenhang mit Homepages stellte, gab es plötzlich einen langen Moment Stille und ein lauter Schlag ward zu hören. (War der Minister beim Schleifenhangeln gefallen, geplumpst gar?)

Nach Abbruch des Interviews informierte der Nachrichtensprecher, der Schlag wäre von einem der anwesenden Ministerpressesprecher her gekommen. Er hätte auf den Tisch gehauen.

Es war ein sehr schönes Interview. Wir danken.


Welch ultimative Geste der Hilflosigkeit! Sie erinnert mich ernsthaft an den Film Videogramme einer Revolution, der den Moment einfängt, in dem Ceaucescu '89 seine Macht verliert: Es gibt einen Tumult bei einer Kundgebung, die Kameras filmen deshalb den blauen Himmel, und man hört Ceaucescu rufen: "Hallo? Hallo? Hallo?"

rabatjoie (Mar 28, 20:32) #


Das sind überhaupt Sternstunden des Fernsehens: unvorhergesehene Tumulte, Störungen, Sprachlosigkeit, demaskierte Trunkenheit und andere Formen der Verwirrung. Wenn wir denselben Film meinen: Ceaucescu, ungläubig, konsterniert, mit Kosakenmütze auf dem Balkon, das fand ich erschütternd.

Parka Lewis (Mar 29, 10:14) #


Deswegen sitze ich täglich vor dem Fernsehapparat. Nur deswegen. Und wegen Arthur Spooner.

katatonik (Mar 30, 22:48) #

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