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- 1 04 2004 - 16:50 - katatonik

Ergonomy is hell, baby

Eigentlich kenne ich diese Situation, seit ich mit Computern arbeite: ein Buch, aus dem man etwas exzerpiert, das man zum Denken mit den tippenden Tasten begleitend mitliest, das man nebenbei immer wieder konsultiert, oder von dem man auch einfach nur einen bibliografischen Eintrag erstellt, in einer Datenbank.

Die Situation nervt auch, seit ich mit Computern arbeite, denn bislang ist es mir nicht gelungen, den Gemeinheiten ihrer Physis auszuweichen oder mich für sie zu revanchieren. Das Buch einfach aufschlagen und auf den Tisch neben oder am Kopfende (?) der Tastatur hinlegen, nein, geht nicht, schlägt sich im Zweifelsfall ja immer gleich zu oder verblättert sich, muss man einen schweren Gegenstand auf ein Eck stellen, eine volle Teetasse besser als eine leere, und bei manchen Büchern geht das nicht, weil der Gegenstand dann abrutscht, weshalb dann doch lieber einen Stein als eine volle Teetasse, aber wo bekommt man in linoleumbelegten Räumlichkeiten schon einen Stein her, und wo findet man in Nichtraucherarbeitsumgebungen so praktische schwere Kristallaschenbecher.

Da ich auch beim Essen auswärts gerne lese, oder zumindest so tue, als könnte ich lesen, und sich beim Essen aufgrund der anderwärtigen Werkzeugbindung beider Hände die gleiche Situation einstellt, bevorzuge ich Restaurants mit schweren Kristallaschenbechern und sitze immer im Raucherbereich.

Dann gibt es ja diese Schwenkarm-Manuskripthalter, die entweder am Schreibtisch stehen oder dortselbst festgeklemmt werden. Schön für aufrechte Din-A4-Kopien, schlecht für Bücher, die da entweder nicht draufpassen, zu schwer sind, zu dick sind oder sich natürlich, wenn man nicht zu riesigen Büroklammern greift (vgl. Klaviernoten), ebenfalls gerne zublättern. Und bei jedem Nachvornebeugen dieses feine Rieseln in den Nackenwirbeln, danke, ja, der Körper lebt noch.

Es ist furchtbar, und es wird immer furchtbarer, weil durch die Gewohnheit des immer verfügbaren Buches (das natürlich aufgrund der praktischen Unannehmlichkeiten eben nicht wirklich verfügbar ist, aber tückisch so tut, als ob) das Gedächtnis flüchtiger geworden ist. Dreimal nachsehen im Buch pro bibliografischem Eintrag, mindestens. Nicht einmal in der Lage sein, sich eine mickrige Jahreszahl eine halbe Minute lang zu merken. Aber, ja, wenn Sie mich fragen, also der Computer, der ist das Problem. Eindeutig.

Luxusprobleme? Ich?


In Deutschland sind diese Dinger ja für Bildschirmarbeitsplätze im Büro verpflichtend. In Zürihausen ist man in dieser Hinsicht mal wieder Arbeitnehmerfeindlicher (in welcher Hinsicht eigentlich nicht?).

gHack (Apr 1, 19:30) #


Und durch die Verpflichtung wandelt sich der unpraktische Manuskripthalter magisch in eine praktischen?

katatonik (Apr 1, 19:43) #


Als ich noch Setzer war, hatte ich ja hauptsächlich mit Manuskripten zu tun. Da war das gar nicht so unpraktisch. Aber das mit den Büchern stimmt natürlich. Bei kleinen geht es noch, aber bei grossen... Ich habe mich auch immer gefragt, ob ich einen anschaffen soll, aber ich habe keinen gefunden, der mir gepasst hätte.

gHack (Apr 1, 20:16) #


Es gab funktionierende Buchstützen (eine hätten wir übrig, wenn Sie nix finden, echt gezz)
http://inform.antville.org/stories/743240

seewolf (Apr 1, 22:03) #


als säzza, haben sie da auch immer anmerkungen reingeschmiert in die text, so, damals?

cursor (Apr 1, 23:31) #


Nein, die habe ich mir nur dazugedacht. Bei autosatirischen Titeln wie "W&V" erübrigen sich solche Aktionen.

gHack (Apr 2, 07:35) #


Ich stelle mir den Computerarbeitsplatz der Zukunft ähnlich die die Schreibarbeitsplätze von Mönchen in reicheren Klostern vor. Dazu gehört dann auch natürlich ein Buchständer. Gleich neben der Ablagefläche für das Tintenfassdie Kaffeetasse

Tim (Apr 5, 21:37) #


Für Kaffee hat man doch die Tastatur.

katatonik (Apr 5, 21:55) #


klar, die zahlentasten rechts, die braucht man eh nie.

outis (Apr 5, 22:44) #

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