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- 26 10 2004 - 01:08 - katatonik

Grantkonsumismus

Kein besonderer Supermarkt, aber ausreichend für die Beschaffung von Obst mit Schale, Sojapudding, Ingwer, Putenbrust und dem einen oder anderen Milchprodukt.

Heute nachmittag war er die dritte Station am bedämpften, gereizten Erkältungseinkaufsweg, nach Apotheke und Drogeriemarkt.

An der Kassa bat eine Dame, an mir vorbeigehen zu dürfen, denn sie hätte ja nichts. Ich trat zurück. Sie hob eine Einkaufstasche von andernorts hoch und demonstrierte der Kassierin den Inhalt. Dann nahm sie noch ihren kleinen schwarzledernen Rucksack ab, öffnete ihn umständlich, um auch seinen Inhalt zu zeigen, lächelnd, entspannt. Die Kassierin schaute – entweder ungenau oder mit heimlichem Röntgenblick – und nickte. Sie beendete den Kassiervorgang des letzten Kunden vor mir, während die begutachtete Dame nach draussen ging, lächelnd, entspannt.

Ich hatte Obst, Ingwer und Milchprodukte bereits auf das Fliessband gelegt. Während ich zusah, wie sich die Kleinstadt meines Einkaufs langsam nach vor bewegte und durch die bebengleiche Beförderungsarbeit des Bandes zur Haufensiedlung verkam, hielt ich die apotheken- und drogeriemarktseinkaufsgefüllten Sackerln zur Seite, unbewusst. Es gibt da einen Spiegel über der Kassa, der der Kassierin den diskreten Blick in den Einkaufswagen der Kunde gestattet. Ich wollte ihr freien Blick auf das Metallgitter des Wagens schaffen. Wollte ich?

Sie wollte dann jedenfalls in das Drogeriemarktsackerl reinschauen. Das war mir noch nie passiert. Ich öffnete das Drogeriemarktsackerl. Sie kroch fast hinein. Ob ich dafür eine Rechnung hätte? Erkältungswolken umdräuten die Erinnerung an den Drogeriemarktbesuch, die nur noch bis zur schneidend grellen Stimme der dortigen Kassierin kriechen konnte. Nein, wahrscheinlich nicht. Keine Rechnung. Diesen Sojapudding hätte nämlich auch der Supermarkt im Sortiment. Ah, so. Kurze Stille. Ich muss wohl was sagen. Es gibt aber nur Erkältung und Grant.

Erkältung und Grant sagen also, in unschmeichelhaftem Gestammele, dass ich sowieso fast jeden Tag daher, und ich wohl superblöd sein müsste, dann mit Ladendiebstahl anzufangen, und ob sie denn ernsthaft glauben würde, dass ich nach einem Einkauf im sojapuddingbestallten Drogeriemarkt im Supermarkt Sojapudding stehlen …? Sie müsse aber, sagte sie, von oben, Anordnung, Geschäftsleitung.

Sie läutet nach Oberen, hält den numinosen Oberen in meinem Rücken die Sojapuddingpackung hin und berichtet von undeklariertem Fremdeinkauf und fehlender Rechnung. Die Oberen sind gütig und bedeuten ihr, mich gehen zu lassen. Grant grummelt weiter, dass das ja ein Witz wäre, mit diesen dauernden Verdächtigungen, immer würde man behandelt wie ein potenzieller Verbrecher. Sie müsse aber, wegen Anordnung, sagt die Kassierin, und es hinge ja auch ein Schild draussen, dass alle Fremdeinkäufe an der Kassa deklariert werden müssten. Geh ich dann halt woanders einkaufen, in Zukunft, grummelt der Grant, wider sogar sein besseres Wissen.

Die Supermarktmusik dazu kam von Björk.


Gegen Tütenschnüffler sollte es ein Gesetz geben.
Gegen Björk im Supermarkt auch.

polar_ulrich (Oct 26, 07:50) #

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