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- 9 11 2004 - 03:18 - katatonik

Über das Lehren

Unter der fröhlichen Essergruppe sind auch zwei Lehrer, beide Mittelschulen, beide Zürich und Umland. Hassbild der einen sind die Schüler, die bei einer Anforderung kreischend die Arme zusammenschlagen und sagen “ach, viel zu schwer, das geht nicht”, und dann nichts mehr. Nichts versuchen, nichts wagen, nichts angehen; kreischen und zusammenschlagen.

Fragen: Was wollt ihr? Antworten:—-.
Keine Fragen, sondern Durchziehen – Antworten:—-. Sie fühlt sich ausgelaugt.

Der andere sucht das Feedback der Schüler, und er bekommt es auch, hat aber mittlerweile geknissen, dass die Feedbacksuche bei den störrisch Unwilligen und möglicherweise Untalentierten keinen Sinn macht – Erfolgserlebnisse dort abziehen, wo man sie kriegen kann, nicht dort suchen, wo nichts kommen kann.

Manchmal schreiben ihm Schüler E-Mails und danken ihm: fand das Thema ja eigentlich überhaupt nicht interessant, aber was Sie mir da beigebracht haben, danke dafür. Er fühlt sich auch ausgelaugt, trotzdem.

Aber, denke ich: Schüler, die Lehrern Dankmails schreiben. Ich hätte mir eher den Dickdarm ausgebissen, als einem Lehrer zu danken. Na, vielleicht den Dünndarm. Den aber auf jeden Fall.

Interessant sind beider Berichte über den Sportunterricht. Männlichen Sportlehrern wird empfohlen, bei einer Unterhaltung mit einer Schülerin immer die Tür offen zu lassen, wg. möglicher Sexueller-Belästigungs-Anschuldigungen. Noch besser wäre, wenn man sich mit ihnen überhaupt nur in der Cafeteria trifft, vor Zeugen. Das physische Helfen bei Sportübungen würde deswegen auch schwieriger, dürfte man eigentlich gar nicht mehr: so einfach Hingreifen, um einen jungen Mädchenkörper doch noch über den Aufschwung am Reck zu kriegen, damit das Mädchen Erfolg fühlt, nein, das ginge nicht mehr. Wenn man eine Verletzung im Fall nahen sieht, tja, was macht man dann? Schwierig, schwierig. Hingreifen und Anschuldigungen riskieren, wenn eh nichts passiert, nicht hingreifen und dann Anschuldigungen wg. unterlassener Hifeleistung bei Dann-doch-Verletzung- auch schwierig, eigentlich alles total perfide, dass sich Dialektiken im Leben in Lähmungen auflösen, denke ich so vor mich hin, und dass dann alle fallen, dass dann niemand was hinhält.

Diskussionen über Stringtangas im Sportunterricht gäbe es auch viele, sagen die beiden. Die verdammte Schwierigkeit, dass man als Sportlehrer ja nirgendwo hinschauen dürfe, aber wg. Stringtangas eigentlich viel mehr zum Hinschauen gefordert würde als … und auch, wenn man nicht hinschaut, sondern nur schaut, schaut man hin, vertrackt. Dann war da noch die Geschichte von der Teenagerin, die sich die Brüste vergrößern liess, weil sie nie einen Freund hatte, und daran waren natürlich ihre zu kleinen Brüste schuld, aber jetzt hätte sie einen, und also, und schon überlegen ihre Freundinnen usw. usf.

Hassbild beider Lehrerexistenzen: die Eltern, die den Lehrer in eine Extra-Sprechstunde zitieren, um die schlechten Noten der Schüler zu besprechen, Sympathienoten gar. Hat man bei uns damals gesagt, na, Betragen schlecht, wirst schon was Blödes angstellt haben, sage ich, aber es kümmerte niemand wirklich (note to self: spätestens bei “eine Watschn hie und da hat uns damals auch nicht geschadet” die Notbremse der Selbstvergreisung ziehen, denn zumindest eine der Watschen damals hat verdammt viel geschadet, und überhaupt, so ein Schmarrn). Sagt man bei denen heute, huch, mein Sprössling, Sympathienote schlecht, da muss doch der Lehrer falsch, also wirklich, da gehn wir doch gleich hin und retten deine Ehre, Hubertus.

Wir machen uns dann alle über Zöglinge reicher Eltern lustig, die in Zürich unter Lehrerschaften offenbar so ein running gag sind, die betütelt werden, denen keine schlechten Noten unterkommen dürfen; weniger lustig machen wir uns über Geschichten, wie Elternteil X der Schule etwas spendet und dann die Noten des Zöglings X1 plötzlich doch versetzungsfähig werden, aber es ist schon sehr grotesk, und es gibt noch eine Flasche Rotwein.


die ein-personen-firma schüler wird optimiert betrieben: hinreichender erfolg bei minimalem einsatz. die lerneinheit ist voll verstanden worden - und man kann es niemend vorwerfen, der sich so verhält: das ist effizient (amen)

typ.o (Nov 9, 09:44) #

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