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- 25 06 2005 - 14:12 - katatonik

Technik, Kosten und Soziales

Mich gerade gefragt, ob es eigentlich legitim ist, wenn Bibliotheken für die Digitalisierung von Büchern oder Auszügen daraus mehr Geld verlangen als für die Erstellung von Print-Kopien. Klar, beim derzeitigen Stand der Technik dauert Digitalisierung länger (denke ich). Der Zeitaufwand ist dann eben größer.

Andererseits erwirbt die Bibliothek mit dem Digitalisat auch Kapital – sie können das Digitalisat dann ja auch in Datenbanken und Archive einspeisen und weiter verwerten bzw. verwerten lassen. Und wenn irgendwann später dann noch eine Bestellung desselben Werkes einlangen sollte, ist der Aufwand ja praktisch null. Warum also ist es nach wie vor so teuer, bei Bibliotheken Digitalisate machen zu lassen – auch, wenn keinerlei Medien-Kosten anfallen, da die Dateien ohnehin über E-Mail übermittelt werden? Höhere Copyright-Ablösen auf Digitalisate, oder was?

Mich diese Woche übrigens auch noch über Kollegen geärgert. In der Institutsbibliothek steht seit längerer Zeit ein Buchscanner. Bisher war er noch nicht an einen PC angeschlossen, man konnte von dort nur direkt über das Kopiergerät ausdrucken. Jetzt habe ich über die Universitätsbibliothek einen PC organisiert, sie auch davon überzeugt (war nicht schwer), dass sie einen nötigen “PC-Interface-Kit” für den Scanner beschaffen und finanzieren. (Ja, ich will eine Medaille dafür! Das silberne Digitalisatskreuz, mindestens!)

Man kann nun direkt vom Buchscanner in den PC scannen. Gerade bei Aufsatzkopien geht das langsamer und etwas mühseliger als reines Print-Kopieren, da der Buchscanner erstens etwas langsamer ist als das Kopiergerät und zweitens keinen Einzelblatteinzug hat; man muss also immer selbst die Blätter wechseln. Na gut, aber immerhin ist das Zeug dann gescannt, und die nachlesende Öffentlichkeit dankt’s einem. (Die Studentenschaft sowieso.)

Tja, dann kommt der Kollege vorbei, während ich am Buchscanner herumteste, und ich erzähle ihm davon. Als ich die etwas geringere Scangeschwindigkeit des Buchscanners erwähne, schüttelt er sofort erbost den Kopf. “Na, das werd ich dann ja wohl nicht in Anspruch nehmen.” Natürlich, wenn man zwei Minuten länger braucht, ist das ja schon eine Katastrophe.

Ich dachte an letzten Sommer in Japan. An meinem alten Universitätsinstitut scannen die Studenten alle Aufsätze ein, die sie lesen. Es ist selbstverständlich, dass das gemacht wird: dass man damit ein digitales Archiv aufbaut, von dem alle profitieren. Klar, sie machen das auch, weil ihr Lehrer die Idee hatte, sonst würden sie möglicherweise auch nicht so eifrig sein. Aber man muss sie auf jeden Fall nicht davon überzeugen, dass es eine gute Sache ist, für die interessierte Allgemeinheit zwei Minuten ihrer Zeit mehr am Scanner zu verbringen.


ogott, wir österreicher.

da hängt jetzt also echt ein PC am scanner? hab den noch gar nicht gesehen.

*motiv für medaille entwerf* wie sieht ein buchinhalte scannendes yak aus?

caru (Jun 25, 15:13) #


lassen Sie sich was einfallen, junger mann! ein sich selbst scannendes yak wäre übrigens auch nicht von übel. für die scannerverwendung mit pc wird's auch noch eine einschulung geben.

katatonik (Jun 25, 16:03) #


wow, ja. "yak scannt selbstporträt". *zeichenstift zück*

caru (Jun 25, 21:42) #

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