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- 8 12 2005 - 12:05 - katatonik

Periodischer Ärger

Früher war ich Abonnentin der Süddeutschen Zeitung, doch dann lief mir die Zeit davon und die Stapel ungelesener Exemplare liefen auf. Ich hätte es begrüßt, die SZ selektiver online lesen zu können (über ordentliche RSS-Feeds), aber das ging nicht. Also bestellte ich das Abonnement ab.

Heute gibt es zwar RSS-Feeds, aber mit denen lässt sich wenig anfangen, weil Artikel, wenn überhaupt, nur sehr kurze Zeit online frei gelesen werden können (das Camp-Catatonia-Archiv ist voll mit Links zu SZ-Artikeln, die heute ins Leere führen). Ich habe praktisch aufgehört, die SZ zu lesen, obwohl ich sie vermisse (nicht nur, aber auch, wegen Michael Frank – das Vermissen, nicht das Aufhören).

Ein E-Paper-Abonnement für knapp 20 Euro im Monat? Träumt weiter.

Gelegentlich – wie heute – versetzt mich so etwas in blinde Wut; üblicher ist blankes Unverständnis: Wieso machen sich Zeitungen online dermaßen überflüssig? Ich vermute, dass es ja nicht wenig Aufwand ist, eine Online-Redaktion zu unterhalten; die Technik hinter der SZ-Website ist sicher auch kostspielig (obwohl sie das wahrscheinlich nicht sein müßte, aber das ist ein anderes Thema).

Wieso aber macht sich die Zeitung dann online so irrelevant, durch Amputation von verfügbarem Inhalt? Durch sofortiges Verschwinden von Inhalten? Wieso treten sie ihre eigenen Investitionen in die Tonne? Was hat es für einen Sinn, sich als Medium online zu präsentieren, wenn man die online konstituierte Öffentlichkeit nicht ernst nimmt? Wieso sind Online-Angebote von Zeitungen so unglaublich teuer?

Ich verstehe das einfach nicht. Ja, haben andere schon tausendmal bemängelt, ist auch unter Journalisten Thema, eh klar, aber es wundert mich dennoch: Man weiß es ja schon längst, dass diese Selbstamputation von Medien online Schrott ist, aber passiert was? Nicht in den von mir abgegrasten Medien.

[Unlängst irgendwo einen Text eines Amerikaners gelesen, der das hohe Bewusstsein für Digitalisierung & Social Software bei deutschen Medien im Vergleich zu amerikanischen lobt, ging natürlich hauptsächlich um Burda; deutschsprachige Tageszeitungen konnte der damit wohl kaum meinen.]


Man kann nicht die ganze Zeitung ins Web stellen. Aber das was man reinstellt, sollte man auch drinlassen. Ist ja nicht teuer.

gHack (Dec 8, 13:40) #


Ich weiß nicht. Vielleicht kann man auch die ganze Zeitung ins Web stellen.

katatonik (Dec 8, 13:46) #


Ich habe damit das gleiche Problem wie mit Gratiszeitungen. Es heisst ja: Wer zahlt, schafft an. Und bei solchen Gratis-Angeboten zahlt nur einer: Die Wirtschaft. Also sind solche Angebote dem Leser tendenziell nicht so stark verpflichtet wie der Wirtschaft. Sie müssen zwar immer noch Reichweite erzielen, aber die holt man leider nicht mit hochwertigen Reportagen. Qualitätszeitung als Gratis-Angebot ist meiner Erfahrung nach nicht finanzierbar. Was ich mir dann schon vorstellen könnte, wäre zeitliches “Versioning”, wie es Shapiro mal vorgeschlagen hat: Das Zeug einfach zwei Tage später ins Netz stellen.

gHack (Dec 8, 14:23) #


sag ich dem herrn frank auch immer, er sagt, die sagen, sie müssen wieder geld verdienen. dass es so nicht gehen wird, werden sie irgendwann vielleicht merken. das mit dem nicht mehr lesen geht mir genauso.

godany (Dec 8, 14:24) #


ot: ihr rss kann glaub ich nicht so gut rssen. oder basteln sie noch? wird nix angezeigt und der antville feed spuckt ihn jedenfalls wieder aus. irgendwas mit line1 geht so nicht

godany (Dec 8, 15:06) #


ot: wenn ich den link in bloglines kopiere, kann der problemlos subscriben.

dass nix angezeigt wird, ist normal: feed ist xml, und die meisten browser können das nicht (wenn sie xml anzeigen, heisst das, der feed sagt ihnen nicht, dass er xml ist, und wird dann nicht eigentlich als xml behandelt). wie das mit antville ist, weiß ich nicht. wo konfiguriert man bei antville einen feed?

katatonik (Dec 8, 17:04) #


@gHack: Die Analogie mit Gratiszeitungen verstehe ich nicht, oder sehe ich so nicht. Es geht ja nicht darum, dass ein Medium völlig gratis zur Verfügung gestellt wird, sondern, dass ein als Papiermedium kostenpflichtiges Medium online frei verfügbar ist (mit Zeitverschiebung, von mir aus). Außerdem läuft das Argument “wer zahlt, schafft an” in dem Fall wohl nur so, dass, so lange die Lesermasse zahlt, eben nicht die Anzeigenkunden anschaffen (die Lesermasse schafft an – kann man so ja nicht sinnvoll sagen). Ist aber nicht so wichtig.

Qualitätszeitung ist ja auch schon offline schwer genug zu finanzieren, da macht freies Online-Angebot vielleicht auch keinen Unterschied mehr. Außerdem frage ich mich: Sort nicht die freie Verfügbarkeit gerade von hochqualitativen Medien online für größere Verbreitung des Mediums – dafür, dass die sonstigen Online-Leser sich die Zeitung dann eben auch offline kaufen? Rückoppelungseffekte, Verbreitungseffekte, mit indirekt ökonomischen, aber vielleicht doch auch ökonomischen Auswirkungen. Keine Ahnung, in welchen Dimensionen das stattfindet/stattfinden kann, aber ich könnt’s mir vorstellen.

katatonik (Dec 8, 17:18) #


Warum soll ich für etwas bezahlen, was ich im Netz für umme kriege? Die Encyclopedia Britannica war auch mal komplett im Netz. Jetzt hat sie so eine Versioning-Lösung. Das Problem ist doch, dass es kein Micropayment gibt und dieses auch nicht funktionieren würde, weil man ja erst nach dem Lesen weiss, ob ein Artikel das getaugt hat, was er einem versprochen hat. Neulich habe ich mir die SZ wegen eines im Perlentaucher angekündigten Gesprächs mit Herrn Baudrillard gekauft. Das war dann eine schlecht übersetzte Nichtigkeit, die sie irgendwo aus den USA kopiert hatten. Wieder vier Franken für Nichts.

Ich weiss auch keinen Ausweg aus diesem Dilemma. Aber ich würde nie die ganze Zeitung as is ins Netz stellen. Gerade Leute wie du sind ja Zielgruppe für guten Journalismus. Wenn du den aber für umme kriegst, wirst du die Zeitung nicht kaufen.

gHack (Dec 8, 21:55) #


Ich würde zum Beispiel eine gute Zeitung, die ich online lese, offline auf Reisen kaufen, oder sonstwo, wo ich keinen Netzzugang habe.

Oder: Nichtdeutschlandbewohner, die es mal nach Deutschland verschlägt, kaufen vielleicht die SZ, weil sie sie vom Netz her kennen. An so Umwege dachte ich.

Aber es stimmt schon: Ich persönlich kaufe keine Zeitungen mehr; nur auf Reisen. Ich klaue nicht einmal mehr Wochenendzeitungen.

Ich hätte aber auch nichts dagegen, online ein Exemplar einer Tageszeitung zu kaufen, so, wie ich das sonst in einer Trafik täte. Für einen Tag alle Artikel gebündelt, liest man sich durch beim Kaffee, furlt, was man braucht, danke.

Vor einiger Zeit hatte ich für ein, zwei Monate ein Abonnement beim Independent auf die Artikel von deren Irak-Spezialisten Robert Fisk. Von denen sind immer nur Abstracts gratis; die Vollversion kann man einzeln oder monatsweise über Micropayments kaufen. Der Vorgang war sehr einfach. Hab eine Zeit lang viel davon gelesen, dann driftete meine Aufmerksamkeit wieder ab, und dann war eben Ende; Abbestellung. Beim Independent gibt es ja viele “Premium”-Texte, die man nur extraktweise online bekommt, und für deren Volltext man bezahlen muss. Finde ich so auch nicht gut. Dann lieber Zeitversetzung.

Wie macht das eigentlich der Guardian? (Sehr toll, aber wie?)

katatonik (Dec 8, 23:09) #


guardian? einloggen und rein. oder?

supatyp (Dec 12, 15:43) #


Die Frage war: Wie macht das eigentlich der Guardian mit dem Sichfinanzieren und freiem

Online-Content und so?

katatonik (Dec 12, 23:55) #

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