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- 10 07 2001 - 00:43 - katatonik

Ein Ansatz voller Langeweile. Aber trotzdem.

Bei Kulturgeschichten eines bestimmten Phänomens kommt selten mehr als präpotente Zurschaustellung gepflegter Flachbildung raus, deren Verarbeitung zum Feuilleton selten mehr als Langeweile transportiert. Schon die alten Griechen, dann die etwas jüngeren Römer, vielleicht auch das Mittelalter, ganz sicher aber Goethe, Johann Wolfgang von, Verwirrung allenthalben in der Moderne und letztlich noch ein sehnsüchtiger Rückruf, sich schmunzelnd besinnend, auf die Griechen, die ja immer schon. Die Frauen geschätzt, Krankheiten geheilt, Substanzbegriffe gepflegt, Staatsgedanken gehegt. Hier also eine dem Ansatz nach ebenso langweilige Kulturgeschichte des Tinnitus.
Da es sich aber bei selbigem um eine Krankheit handelt, die erstens schwer festzumachen ist (halluziniert man? Ist da wirklich was?), zweitens kaum zu heilen und drittens weithin unbekannt scheint, bringt das Stöbern nach Tinnitusgeplagten in der hohen Weltkunst und geschichte denn doch einige Entdeckungen: Rousseau, Platon, Pythagoras, Beethoven, Schumann, Smetana, Luther, Novalis, sie alle wurden von ständigem Geräusch, Gesumme oder Getose, Geklinge oder Gesurre, geplagt. Goethe scheinbar nicht, wer hätte das gedacht.
Die Beschreibungen, die die Erkrankten von “ihren” Tönen liefern, sind äußerst lesenswert. Besonderes Interesse erweckt
nur so nebenbei, und aus aktuellem Anlaß – die Erwähnung eines Textes von Georg Christoph Lichtenberg, in dem der anscheinend hypochondrisch Veranlagte “eine Zahn-Operation … im Stil der zeitgenössischen Kriegsberichterstattung” schildern soll. Um Quellhinweise wird gebeten.


Noch etwas Zurschaustellung gepflegter medizinischer Flachbildung meinerseits:

Vor etwa einem Jahr hatte auch ich das zweifelhafte Vergnügen einen "Hörsturz" mitzuerleben. Ich nenn das Phänomen halt mal so, denn eine verlässliche, genaue ärztliche Diagnose wurde mir damals nicht gestellt, da ich zu dieser Zeit nicht krankenversichert war. Eine abnormale Erscheinung war jedoch das zeitgleich mit einsetzendem "Hörsturz" (am linken Ohr) ein seltsamer eitriger Ausschlag (von der Ohrmuschel bis tief hinein in den äußeren Gehörgang) hervorbrach. Ein praktischer Arzt der doch bereit war mir ohne Krankenschein und Bezahlung für 30 Sekunden zuzuhören und - schnell, schnell - auf´s in der Zwischenzeit komplett verschwollenen Ohr zu schauen, schenkte mir (oh welch Gnade!) eine Tube Baneocin (antibiotische Heilsalbe) und ne abgelaufene Packung Antibiotikum (Ärztemuster) zur oralen Einnahme. Meine erwähnten Hörsturzsymptome nahm er jedoch weniger ernst. Die Folge war das die Entzündung am Ohr zwar zurückging, die herkömmlichen Hörsturzsymptome aber zunahmen. Ich hörte auf dem linken Ohr für einige Zeit fast gar nichts mehr. Mein Gleichgewichtsorgan im Innenohr war scheinbar auch lädiert, da ich Schwierigkeiten hatte mich gerade auf den Füssen zu halten. Außerdem wurde das hochfrequente Summen im Innenohr immer regelmäßiger und lauter. Da ich, wie erwähnt, nicht über die "Segnungen" des modernen Gesundheitssystems verfügen konnte, brachte ich die akute Zeit alleine über die Runden. War aber etwas besorgniserregend und langwierig.

Was geblieben ist, ist ein netter, unaufdringlicher Tinnitus. Kein Pfeifen oder Klingeln, sondern eine Art von hochfrequentem Sinuston , der zwar manchmal leiser und lauter wird (je nach Befinden), aber sonst nicht sonderlich störend ist (zur Zeit).

Noch ne Warnung: Schmiert Euch nie Baneocin in den äußeren Gehörgang, und wenn doch dann nur auf den äußeren Teil mit der Ohrmuschel.

katha (Jul 10, 13:07) #

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