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- 18 07 2001 - 03:18 - katatonik

Wunschsalbaderei

Wenn jemand einen Wunsch im Indikativ formuliert, also im forschen, frechen Sätzlein “ich wünsche …”, unterstellen wir ihm landläufig, er würde die Verwirklichung des Gewünschten für möglich halten. Wenn er aber gleichzeitig das Gewünschte im Konjunktiv II zum Ausdruck bringt, also etwa ”... ich wäre Milliardär”, dann halten wir ihn für einen Wirrkopf, weil das Fürmöglichhalten der Wunschverwirklichung mit dem Für-Irreal-Halten, das der Konjunktiv II vermittelt, nicht zusammenpaßt. Deswegen hauen wir jedem, der sagt “ich wünsche, ich wäre Milliardär”, eins auf die Rübe oder andere gerade verfügbare Körperteile. Dann laufen wir schnell weg, weil Wirrköpfe immer stärker sind als wir. Unter denen aber, die sagen “ich wünschte, ich wäre Milliardär” fühlen wir uns sprachlich wohl, atmosphärisch aber auch nicht so recht, weil uns dieses Immer-wer-anderer-sein-wollen-als-man-ist auf die Nerven geht und traurig stimmt.
“Ich wünsche, dass ich Milliardär bin” soll dem Vernehmen nach umgangssprachlich schon vorgekommen sein, weil die Umgangssprachler eigenartigerweise alles für wirklich und verwirklichbar halten, diese unverbesserlichen Optimisten. Wir Schreiber hingegen schütteln den Kopf und fragen, wie man denn davon überzeugt sein kann, der Wunsch, jetzt etwas zu sein, was man eben jetzt nicht ist, wäre verwirklichbar. Nein, mit solchen Wirrköpfen wollen wir auch nix zu tun haben, lassen sie aber unbehelligt ziehen, weil uns die Wirrköpfe aus dem ersten Absatz doch noch erwischt haben und uns die blauen Flecken noch ziemlich weh tun.

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