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- 7 03 2009 - 21:21 - katatonik

Studio 60 on the sunset strip

Wenn man “The West Wing” gesehen hat, das Aaron Sorkin erfunden hat, könnte man sich auch für “Studio 60 on the sunset strip” interessieren, das er auch erfunden hat, das allerdings nur eine Staffel lang gelaufen ist. Man kann sich alle 22 Episoden, in vier oder fünf Clips geteilt auf Youtube ansehen (der letzte Teil von Episode 14 scheint leider zu fehlen), oder die DVD zurzeit günstig um 12.98 Pfund bei amazon.co.uk erwerben.

Studio 60 spielt hinter den Kulissen einer Freitag-Abend-Liveshow bei einem amerikanischen TV-Network, dem “National Broadcasting System”. Zu Beginn der Serie explodiert das Fernsehurgestein, das die Show bis dahin geleitet hat, weil ihm die Bosse verbieten wollen, einen Sketch mit dem Titel “Crazy Christians” zu senden. Er explodiert live während der Sendung. Das ist ein Skandal, den die neue Senderleiterin (president – Indendantin? Sagt man das so?) Jordan (Amanda Peet) gleich zu Arbeitsantritt meistern muss.

Sie tut das auf von den Bossen nicht erwartete Weise, indem sie nämlich das Duo zurückholt, das bis vor fünf Jahren die Show geschrieben und produziert hat, und ihnen dafür, dass sie zurückkommen, verspricht, sie dürften “Crazy Christians” senden. Das Duo Matt (Matthew Perry) und Danny (Bradley Whitford, Josh Lyman aus “The West Wing”), hatte die Show vor fünf Jahren verlassen, weil sie zu einem Zeitpunkt, da Bush den Krieg gegen den Irak begann, in einer Atmosphäre paranoiden Patriotismus’ ihre Art von Humor nicht mehr um- und durchsetzen konnten.

Ein Thema der Serie ist der Kampf für aufrechten, professionell produzierten Humor im amerikanischen Fernsehen, gleichzeitig ein Kampf gegen Programmgestaltung für den kleinsten gemeinsamen Nenner, gegen Einflussnahme, gegen rein kommerzielle Interessen, gegen Reality TV. Dahinter steht der Kulturkampf zwischen der christlichen Rechten und liberalen Demokraten, in “Studio 60” auch in der immer scheiternden, nie endenden Liebesbeziehung des (liberaldemokratischen) Schreibers Matt und der (affirmativ christlichen) Hauptdarstellerin Harriet (Sarah Paulson) abgebildet. Und es geht auch viel um Witz, um das Komische, und darum, wie weit es in gesetzten Formaten untergeht oder bestehen kann.

“Studio 60” hat so viel von “West Wing”, dass es unheimlich ist und fast weh tut – von der Typografie der eingeblendeten Episodentitel über die raschen, im Gang durch verwinkelte Studioarchitektur abgeführten Dialoge bis hin zur Verhandlung großer Themen der amerikanischen Gesellschaft in ihren Brennpunktfeldern (Politik und Medien) und zum doppelgesichtigen Ideal, dem die Protagonisten und -innen anhängen: Qualität im Fernsehen zu schaffen und dabei professionell zu sein. Ja, und die Charaktere entwickeln auch eine gewisse Vielschichtigkeit – nicht jeder kommerzorientierte Boss bleibt nur ein solcher.

Wie “West Wing” ist das auch hochgradig unterhaltsam, aber es hat dann eben doch auch viel von etwas selbstgefälligem Weitertreiben von Erprobtem, von einer Masche, von Recycling von Text- und Dialogbausteinen, von dramaturgischen Kniffen und dramatischen Wendungen. Manchmal hat man auch das Gefühl, dass die Dringlichkeit, mit der man in “West Wing” Krisen am internationalen Parkett umgesetzt hat, in dem doch etwas bescheideneren Rahmen einer amerikanischen Fernsehshowproduktion etwas, nun ja, überdimensioniert ist.

Anschauen kann man sich das aber auf jeden Fall. Und zwischendrin kommt neben Halblustigem auch verdammt viel Saukomisches vor, so an Sketches, show-in-show-mäßig.

Trivia: Timothy Busfield, der in “West Wing” den Journalisten Danny Concannon gegeben hatte, spielt hier den technischen Sendungsleiter, oder wie immer man das nennt, Cal Shanley. Die großartige Allison Janney hat einen Gastauftritt als sie selbst – als Gastmoderatorin in der Show zu einem Zeitpunkt, da die Ausstattungsmitarbeiter streiken, die “cue cards” fehlen und alles schiefgeht, was schiefgehen kann.

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