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- 6 08 2009 - 20:11 - katatonik

Blickwinkel

Die Dame, sonnenverwuzelt, mittfünfzigerisch, in der Damendusche des Stadionbads macht eine Bemerkung darüber, an welchen Haken ich mein Plastiksackerl aufgehängt habe: ah, da. Ich, Fragezeichenmiene. Wäre sie nie drauf gekommen, da ihre Sachen aufzuhängen. Ich drehe mich um und sehe erstmals die beiden Haken neben der Duschnische ganz im Eck. Ah, so. Wir lächeln beide.

Damit hätte dieser kleine Austausch sein Ende nehmen können: Ein Kleinodium über beschränkte Blickwinkel und wie man sie durch freundliche Kommunikation erweitern kann.

Aber dann: Ja, man muss ja aufpassen, sagt sie. Wird ja so viel gestohlen da. Aha. Erst vorgestern wieder, einer ganz Jungen, die Tasche mit Ausweis drin, so eine ganz Junge war das. Na gehn’s. Ja, muss man aufpassen, vor allem wenn man ins Wellenbad geht, wenn man da reingeht, da kommen dann die aus’m Osten, und weg ist die Tasch’n.

Um die Ecke des Freundlichen gleich das Ressentiment. Das ist Wien.


Ich habe heute einer sehr freundlichen Dame am Telefon gesagt, ich könne über einen bestimmten Herrn keine Auskunft geben. Darauf sie: Wir sind beide Schlesien-Vertriebene, wissen Sie. Und dann: Wir leben doch nicht in KZ-Zeiten. Der Ton geht dann auch in so eine komisch freundlich-drohende Art über.

Also Nicht-Wien-Freundlichkeit jetzt.

the butler (Aug 6, 22:08) #

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