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- 27 07 2001 - 01:21 - katatonik

Texte wie Tennismatchs

Zitat von hier.
“Friedman befürwortet die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass die Love Parade “keine politische Demonstration” darstelle. Bei der eigenen Bewertung entgleiten dann bereits die nachvollziehbaren Argumente:
“Bei aller Liebe und Sympathie für diese Veranstaltung, es hatte doch etwas Künstliches und Lächerliches, dieses Zusammentreffen von 1 Mio. tanzenden, lachenden und singenden Menschen, die sich ein Wochenende amüsieren wollen, als eine politische Aussage zu definieren.”
Schon hier wird deutlich, dass der exzentrische Konservative mit dem pseudoaristokratischen Auftreten die postmoderne Jugendbewegung und mediale Fun-Kultur überhaupt nicht ernst zu nehmen in der Lage ist. Politik einerseits und Spaß und Vergnügen andererseits haben nichts miteinander zu tun, obwohl ein friedlicher und heiterer Demonstrationsverlauf wie auf der Love Parade nach wie vor nach dem Grundgesetz nicht verboten ist und nach gesamtgesellschaftlichen Maßstäben mehr als wünschenswert, ja vorbildlich wäre, auch für andere Manifestationen und Massenversammlungen, Umzüge und Festveranstaltungen.
Dass die Love Parade eine Demonstration der Demonstrationen, die reflexive Form einer jugend- und zeitgemäßen Kundgebung für individuelle Werte eines singularisierten und medial dynamisierten Politikbegriffs sein könnte, fällt dem wertkonservativen Möchte-Gern-Intellektuellen Michel Friedman nicht ein. Er igelt sich in seine bürgerliche Einöde ein und verschmäht das neue Plebejertum.”





Katatoniker befürworten die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass die Love Parade keine politische Demonstration darstelle. Die Love Parade als politische Aussage definieren zu wollen, oder ihr gar zu unterstellen, sie würde das Anbringen einer politischen Aussage als ihre Hauptabsicht setzen, ist Katatonikern immer sehr künstlich und lächerlich vorgekommen. Es mag ruhig alles politisch sein, aber deswegen ist noch lange nicht jede menschliche Ausdrucksform als politisch beabsichtigt.
Schon hier wird deutlich, dass Katatoniker mit ihrem quasi-kollektivistischen Auftreten die postmoderne Jugendbewegung und mediale Fun-Kultur überhaupt nicht ernst zu nehmen in der Lage sind. Friedliches und heiteres Verhalten auf der Straße, von Einzelnen oder in Gruppen, ist trivialerweise legal und vermutlich auch wünschenswert. Es könnte auch für politische Veranstaltungen vorbildlich sein. Aber bloß deswegen, weil Zähneputzen eine auch für Politiker vorbildliche Handlung ist, wird Zähneputzen nicht zur politischen Manifestation.
Dass die Love Parade eine reflexive Form einer jugend- und zeitgemäßen Kundgebung für individuelle Werte eines singularisierten und medial dynamisierten Politikbegriffs sein könnte, fällt Katatonikern nicht ein. Reflexion bei der Love Parade? Tja, und dann stand ich vorm Mobilklo an und dachte, was wäre, wenn … Wenn individuelle Werte ausschließlich private und vereinzelte Werte sein sollten, sind sie nicht politisch. Werte in politische Diskurse einführen zu wollen, das hat überhaupt etwas höchst Merkwürdiges an sich. Einen “singularisierten Politikbegriff” gibt es nicht, das ist ein Widerspruch in sich.

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