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- 7 08 2001 - 18:16 - katatonik

Schöne Scheiße

“Der Arzt sagt, er habe eine sehr vornehme Dame gekannt, die durch den Gebrauch dieses Sterkoralwassers sich bis zu einem sehr fortgeschrittenen Alter die schönste Haut und den schönsten Teint der Welt bewahrt habe. Nun zur Art und Weise, wie sie verfuhr, um es sich zu verschaffen. Sie hatte für diesen Dienst einen vollkommen gesunden jungen Diener, dessen Aufgabe es war, die natürlichen Bedürfnisse in ein verzinntes Kupferbecken zu verrichten, das mit einem dicht abschließenden Deckel versehen war. Wenn die Sache getan war, wurde das Becken sogleich zugedeckt, damit sich nichts von dem verflüchtigte, was es enthielt, und wenn der junge Mann meinte, daß das Ganze abgekühlt war, fing er sorgfältig die Wassertropfen auf, die sich an dem Deckel niedergeschlagen hatten; er tat sie in einen Flakon, damit sie als kostbares Parfüm auf dem Toilettentisch seiner Herrin aufbewahrt werden konnten. Diese Dame versäumte nicht, sich damit jeden Tag das Gesicht und die Hände zu waschen, und in dieser duftenden Schminke hatte sie das Geheimnis entdeckt, ihr ganzes Leben lang schön zu bleiben. Wir sind davon überzeugt, daß diese Flüssigkeit, die mild und ölig ist, die Haut tatsächlich glätten und verschönern kann. Aber ist es nicht extravagant, dermaßen zur Sklavin der eigenen Schönheit zu werden, daß man sie durch den Gebrauch einer so schmutzigen und ekelhaften Sache bewahren will?”

Etienne Francois Geoffroy (1672-1731): “TRACTATUS DE MATERIA MEDICA SIVE DE MEDICAMENTORUM”. Zitiert nach: Dominique Laporte, “Eine gelehrte Geschichte der Scheiße”, aus dem Französischen von Gabriele Ricke und Ronald Vouillé, Frankfurter Verlagsanstalt, 1991. Seite 114f.

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