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- 8 08 2001 - 22:33 - katatonik

Zu <A HREF="http://www.digitalien.org/sofa/sofablog/2001_08_05_sofablog_archiv.html#4973656">Punkt 8.</A>

stellt sich von diesem Ende aus die analoge Frage: Warum läßt uns die Evolution mit dermaßen ungeeigneten Beißerchen herumlaufen? Weshalb solch Qual am Kleinkind, dessen verformtes Kiefer nur durch obskure Metallaparate halbwegs ansehnlich und zweckdienlich werden kann? Welchem höheren Zweck dient es, wenn sich der Mensch gequält von schief liegenden Weisheitszähnen im Zahnfleisch herumgraben lassen muß? Warum kann sich die biologische Ausstattung nicht allmählich daran gewöhnen, dass wir jetzt nicht mehr 40 Jahre lang leben und somit gut und gern mit gerade noch abgekauten Zweitgenerationszähnen ins Grab stolpern, sondern fast 80 werden und mindestens noch ein Dritt-, wenn nicht gar ein Viertgebiß brauchen? Hallo! Evolutionsbedienung, bitte! Wie viele Zähne müssen noch den Weg aller Schokoladegeschädigten gehen, bevor der Zahnschmelz über Nacht zur zuckerdichten Schutzschicht mutiert? Angeblich härter als Stahl sein und dann vor ein paar Zuckerteufeln dahinschmelzen – pah.
Frühere Hominiden, vor allem die Australophiteci robustus, aethiopicus und boisei, glänzten durch beeindruckende Kieferstärke und kraftvolle Backenzähne, massives Skelett und kleines Hirn. Nein, denen möchte ich als zartes Pflänzchen der afrikanischen Steppe nicht unbedingt über den Weg gewachsen sein. Der Homo sapiens ist im Vergleich dazu knochen- wie zahntechnisch gesehen ein Waserl. Ein Zniachtl. Ein Schwächling sondergleichen. Dafür weiß er aber mit vergleichsweise enormer Hirnmasse aufzuwarten.
Da könnte nun der evolutionsgeschichtliche Trost liegen: Zivilisation und Kultur wären ja, so woll’n wir mal annehmen, ohne menschliche Hirnmasse nicht vorhanden – Zivilisation und Kultur, erkauft durch kränkliche Konstitution. Ich empfehle also bei nächstmaligem Adduktorengeknirsche, Lendenwirbelgeknackse und Zahnausfall als Trostmantra “alles nur für die Kultur”. Entwürdigende Gymnastik für Goethe, Drücken und Spannen für Gershwin, Kiefersperre für Kraftwerk und Wurzelbehandlung für Walhalla. Daraus ließen sich mit Sicherheit vielversprechende Finanzierungsmöglichkeiten des Gesundheitssystems basteln: Ich bin dafür, dass mir die Philharmoniker meine Zahnkronen bezahlen. Aber dalli. Und außerdem fordere ich freien Eintritt für kulturelle Veranstaltungen aller Art für Zahnpatienten und Rückenleider.


wieso wachsen uns überhaupt mehrmals im leben zähne - diese frage drängt sich mir vor allem auf. können nicht einmal welche wachsen, die dann auch mitwachsen und ordentlich was aushalten? ich mein, mir wachsen ja auch nicht mehrmals ohren oder augen oder finger und mir wächst auch kein neues zumpferl, wenn das mal etwas smegma zerfressen sein sollte. nä?

mkt (Aug 9, 09:49) #


tja, reinkarnationsgläubigen menschen könnte zumindest empfohlen werden sich in diesem leben so zu benehmen (und damit das karma zu steuern), das sie im nächsten leben als wurm oder reptil auf die welt kommen. manchen von denen wachsen ja gliedmaßen wieder nach. also immer auf allen vieren herumkriechen , löcher in den boden bohren, mit dem kopf voran richtung gedärme (oder so) und immer fleißig erde fressen (und sonst noch alle möglichen wurmgeburt förderlichen aktivitäten, was einer halt so einfällt..). wäre für die meisten (reinkarnationsgläubigen) Leutchen wahrscheinlich leichter zu erreichen als irgendein seliger körperloser Möchtegern-Idealzustand.

katha (Aug 9, 22:03) #


@mkt: angeblich erneuert sich ja der gesamte menschliche zellbestand innerhalb von sieben jahren. ob das auch für die zähne gilt, weiß ich nicht. aber rein von der substanz her gesehen hat dein jetziges zumpferl mit dem zumpferl von mkt-junior, als er noch wirklich ein junior war, nix zu tun. ob uns das beunruhigen sollte, weiß ich nicht.
der tyrannosaurus rex hatte es ja ziemlich gut, weil dem bei jedem ausgefallenen oder beschädigten zahn ein neuer nachwuchs. gehirnkaliber war er allerdings keiner (was die these eines zusammenhangs zwischen zahnstärke und hirngröße bekräftigt!).
wenn http://.../>das wirklichkeit wird, werden uns dann vermutlich die hirnzellen wegschrumpfen vor lauter zahnnachwachserei.
@katha: reinkarnationstheorien, nach denen man als das viech reinkarniert wird, als das man sich körperlich benimmt, sind mir nicht bekannt. aber es läßt sich ja ausprobieren: weg mit der intelligenzleistung, her mit dem fleischfressenden gebrüll und sich aufführen wie ein tyrannosaurus rex. mal schaun, was passiert.

katatonik (Aug 9, 22:41) #


mein bankkonto beneidet mich leider nicht darum :-)

katatonik (Aug 10, 00:36) #


nun ja, wie du sagst katatonik - körperliches benehmen wird wohl nicht ausreichend sein - aber man könnte ja anleihen nehmen bei den bekannten reinkarnationstheorien und diese etwas abwandeln. man müsste da wahrscheinlich wirklich sehr selbstständig kreativ sein und sich geistig, seelisch oder wie auch immer schon in diesem Leben zum wurm entwickeln (wenn mann/frau es sich leisten kann..). auch eine umgekehrte meditation wäre vieleicht förderlich. also das bewußtsein nicht auf "gott" oder das "absolute" zu richten, sondern den geist auf die lebensform zu konzentrieren die man eben anstrebt. Is aber alles zugegebenermassen a bissl abartig und daneben und vor allen dingen ohne garantie auf erfolg. war aber auch ironisch gemeint.
übrigens - ich beneide dich um dein offensichtlich bald amalganfreies mundwerkzeug.

katha (Aug 10, 11:48) #

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