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- 15 10 2001 - 18:56 - katatonik

Welch Nachricht!

Welche Gemeinde forderte die Veranstalter des Filmfestivals von Saint-Paul-Trois-Chateux (Rhone-Alpes) auf, aus welchen Sicherheitsgründen den Film “Kandahar” des iranischen Regisseurs Mohsen Makhmalbaf nicht vorzuführen?

Aus Plan Vigipirate”, demzufolge alle Sicherheitskräfte Polizei und Militär – die Sicherheit der Franzosen besonders deftig garantieren sollen, was vor allem zu bedeuten scheint, dass man an “sensiblen Orten” mehr Uniformen sieht. Ich verstehe aber jetzt noch weniger, wie die Vorführung eines iranischen Filmes die öffentliche Sicherheit in einem französischen Örtlein gefährden könnte. Scheint mir kaum das wahnsinnig wahrscheinlichste Terrorziel zu sein.


Hätte er den Film halt in "Talibanhochburg Kandahar" umbenennen sollen. Darunter geht's dieser Tage eben nicht.

Vogts (Oct 15, 19:12) #


hm. wie meinst du, hätte sich das auf wessen sicherheit ausgewirkt, die durch die vorführung des filmes angeblich gefährdet gewesen wäre?
ich versteh das immer noch nicht.

katatonik (Oct 15, 21:29) #


Also ich stelle mir das so vor: ein provence-städtchen von 12-15000 (80 geschäfte, sagt die website) einwohnern, das weniger am tourismus verdient als es eigentlich möchte. Der stadtrat beschliesst, eine arbeitslose kulturwissenschaftlerin anzuheuern und ihr, nehmen wir an, FF 150000 für ein filmfestival zur verfügung zu stellen. Alles lässt sich gut an, Paris zahlt ein drittel des etats, im tourismusprospekt sieht so ein termin ausserdem spitze aus, es kommen nachweislich wegen des festivals auch einige kalifornische pensionisten vorbei; die regisseure sind zwar überwiegend kaum bekannt, dafür kosten sie die gemeinde so gut wie nichts. So zieht sich das 13 jahre hin.

Dann das 14. festival ("Die kulturelle Identität der Völker"), gezeigt werden soll auch ein vermutlich schrecklich differenzierter afghanistanfilm irgendeines iranischen dissidenten (den artikel im "iranian" haben die honoratioren evtl. nicht gelesen). Und das, nachdem die USA, heimat der rentnertouristen, gegen afghanistan krieg führen und dem medienanschein nach irgendjemand irgendwo über jede adresse dankbar ist, an die er ein milzbrandbriefchen schicken kann. Wie muss es sich in so einer situation anfühlen, in der haut eines um seine gemeinde sehr besorgten bauunternehmers, winzers oder ferienhausbesitzers? Es folgt der Anruf beim festivalkomitee.

Ach ja, die website sagt auch, dass ganz in der nähe das atomkraftwerk von Tricastin liegt. Vielleicht spielt das in all dem honoratiorenunsinn auch noch eine rolle.

Vogts (Oct 16, 01:04) #

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