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- 10 12 2001 - 11:51 - katatonik

Der Weg eines Wortes

Erst in Anführungszeichen (hier oder hier), weil seinem Ursprung nach eindeutig diffamierend, was ja auch die Suchergebnisse klar belegen, jetzt (ausgerechnet) hier aber auch schon ohne und als wär’s ein Wort wie Eisverkäufer, Politikwissenschaftler oder Sockenstopfer: das Wort Friedenshetzer.


Also ich fand's auch erst merkwürdig, das in der SZ zu lesen, aber beim Nachlesen gefiel's mir schon, denn es steht ja im Kontext des merklichen Widerwillens Biskys gegen Cohn-Bendits Indienstnahme des Totalitarismuskonzepts. Anders als so, nämlich mit undifferenziert antiemanzipatorischer - früher: antikommunistischer - Stossrichtung, wurde dieses Konzept ja überhaupt selten in Stellung gebracht, weder in den Fünfzigern noch in der Phase seiner Wiederbelebung nach 1989, gegen den Ansatz der historischen Sozialwissenschaft gerichtet (vgl. "Schwarzbuch des Kommunismus"). Also war's doch eine ironische Klatsche gegen Cohn-Bendit, oder? Und dass die SZ Ironie nicht mit Anführungszeichen kennzeichnet: Gott oder wer immer sei Dank!

m. vogts (Dec 10, 15:29) #


"Das Reden für den Krieg fällt leichter, nach dem raschen militärischen Erfolg, die Befürchtungen der Friedenshetzer sind nicht eingetreten."
Tut mir leid, mir ist die Ironie da wirklich entfallen.
"Das Reden für den Krieg fällt leichter" ist vermutlich Biskys Einschätzung der Cohn-Benditschen Rede. Dann wäre "die Befürchtungen der Friedenshetzer sind nicht eingetreten" wohl auch Biskys Einschätzung, und in der sehe ich ganz ohne sprachliche Anzeichen von Ironie besagtes Wörtlein drin. Ne, tschulligung, das iss schlampig, jawoll. Muß man schon sehr wohlwollend sein, um da Ironie zu finden, und wenn Texte mein Wohlwollen verlangen, um richtig verstanden zu werden, sind sie schlampig.
Mir ist das Wort "Friedenshetzer" übrigens sowieso nur aus vorweltkrieglichen Texten bekannt und eben jetzt.

katatonik (Dec 10, 15:41) #


Die Ironie ist mit mehr oder weniger grossem Wohlwollen aber doch auffindbar, ja? Vielleicht war meines hier ungerechtfertigt gross, weil ich Bisky von seinen Texten in der Berliner Zeitung her "kenne" und, bei allen Differenzen des Sohnes zu den Positionen seines Vaters (ehem. PDS-Bundesvorsitzender), in manchem, der Kriegsskepsis etwa, doch auch immer manche Übereinstimmung meine festgestellt zu haben. Vielleicht habe ich mich geirrt, jedenfalls hätte er es weniger diffus schreiben können, stimmt. Also schlampig, na gut.

m. vogts (Dec 10, 17:25) #


Der Ironie sucht, wird sie immer finden,
der sie nicht mal vermutet, dem wird sie sanft entschwinden ... den Bisky-Hintergrund kannte ich natürlich gar nicht, danke für die Informationen.

katatonik (Dec 10, 23:59) #

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