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- 7 02 2002 - 01:53 - katatonik

Die Spätabendwette

“Weil wir mit unserer Liebe die Kleintiere töten, die wir besitzen, sind wir Nationalisten/Faschisten”. “Weil wir den Krieg ansehen, unterstützen wir ihn”. Marleene Streeruwitz gibt im Fernsehen gerade sowas in der Art von sich.
Ich wette: noch drei Sätze, und die Subjekt-Objekt-Struktur indoeuropäischer Sprachen wird als Wurzel des Imperialismus geoutet.

Mist. War nix.


Versuchs mal mit Julia Kristevas "Revolution der poetischen Sprache", vor Jahren in der edition suhrkamp erschienen, zu faul, um nachzusehen, ob noch auf dem Markt. Darin wird ein Gedanken entwickelt, der ungefähr auf die Subjekt-Objekt-Gewalt-Idee hinausläuft, die Strukturierung der freien Libidomaschine durch die Gewalt der Sprache usw, an der sich Leute wie Rimbaud dann abarbeiten müssen; gar nicht mal so uninteressant, fand ich, aber ich hab das auch vor Ewigkeiten gelesen und weiß nicht, wie ich es jetzt fände, so ein marxistischlacanistischer Dekonstruktivismus, that makes you think: Häh? Die Frau Streeruwitz hat gestern ja nicht nur viel über den armen Hamster gesprochen, der in der Schuhschachtel erstickt wegen unserer kolonialisatorischen Liebe, sondern auch viel vom Text, der sie durchquert und den Subtexten, ich glaub, die hat sich das alles auch mal reingezogen. - Und bei Adorno ist die Subjekt-Objekt-Struktur sowieso das Gewaltverhältnis, die ganze Negative Dialektik ist daraus entwickelt.

Praschl (Feb 7, 10:56) #


danke für die hinweise.
ich habe die befürchtung, dass ich den streeruwitzschen zugang zu "subtexten" nur als eher banale und banal psychologisierte form einer verschwörungs-ideologiekritik verstehen kann:
in uns allen tickt die zeitbombe des bösen, weil wir alle die subtexte des patriarchalischen drin haben, die jederzeit aktiviert werden können. sie hat ja in dem zusammenhang gestern im fernsehen auch von "schläfern" gesprochen. stell ich mir lustig vor:
karl: he, birgit!
birgit: du patriarchatsschläfer hast mich gerade mit dieser anrede zum kolonisierten objekt gemacht. ich bin empört!

ach ja. bei ihr kommt das immer so als moralisierende "achgottwassindwirnichtalleschweine"- mütterlichkeitspsychobrabbelei rüber.
die frage, was denn aus der schweinseinsfeststellung politisch, gesellschaftlich oder emotional folgt, scheint sie ja nicht zu beantworten oder auch nicht zu erörtern, zumindest nicht dort, wo ich ihre aussagen aufgeschnappt oder gelesen habe. ich bin da immer versucht zu sagen: "ja, mag schon sein, na und?"

brrr, schon schüttelts mich, aber wenigstens bin ich jetzt wach.

katatonik (Feb 7, 13:14) #


also ich bin mir nicht sicher, obs mir lieber ist, wenn frauchen ihre unterdrückungsinstinkte an mir ausläßt, als wenn sie folterknechtin oder kz-kommandantin geworden wär. andere sind da vielleicht anderer meinung.

hamster im käfig (Feb 7, 13:55) #


also wenn du mich fragst, dann bin ichs, die meine trägerin kolonisiert, und nicht umgekehrt. dient als transportmittel und futterbeschafferin, hauptsächlich. dafür pinkle ich ihr in die manteltasche und gebe ihr das gefühl, mitten in der großstadt ein stückchen freie wildbahn mit sich rumzutragen. guter tausch, oder?

ratte auf der schulter (Feb 7, 13:59) #


aber euch fragt keiner, und deshalb bleibts ihr die kolonisierten. ätsch.

katatonik (Feb 7, 21:06) #

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