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- 10 03 2002 - 21:43 - katatonik

Argumentationsathletik

Vor ein paar Wochen im Fernsehen gesehen: Debatte über Doping im Spitzensport. Ein Trainer plädierte dafür, Doping endlich zuzulassen, weil man es de facto ohnehin nicht eliminieren könnte. Andere Sportfunktionäre stimmten ihm weitgehend zu. Da ist jetzt auch wieder mal ein Dopingfreigabebefürworter am Werk. Er fügt hinzu, dass erwachsene und selbstverantwortliche Sportler selbst entscheiden können sollen, ob sie gedopt werden wollen oder nicht. Klar. Es zwingt ja niemand den olympiasehnsüchtigen 18jährigen Skiläufer, genauso wie seine Kollegen und Kolleginen jeden Tag ein paar Injektionen zum Frühstück zu nehmen. Ist ja seine eigene Entscheidung, wenn er dann bereitwillig fünf Zehntelsekunden langsamer ist.
Im Universum der olympischen Argumentationsathletik wird eine solche Denkleistung nur dadurch erklärbar, dass dem Dopingfreigabebefürworter wohl fälschlicherweise das falsche Serum gespritzt worden ist.
Glücklicherweise scheint es aber noch dopingresistente Denksportler zu geben. In der Fernsehdebatte wehrte sich ein Journalist empört gegen die Forderung nach Freigabe. Es wäre doch offensichtlich, dass Doping die Athleten gesundheitlich beschädige, bzw. seine Langzeitfolgen gar ungeklärt wären. Da wäre Legalisierung doch wohl in höchstem Maße unethisch. Auch gäbe es ja immer noch so etwas wie ein Fairneßgebot im Sport. Natürlich würden chinesische Superathleten unter anderen Bedingungen trainieren können als kongolesische oder liechtensteinische, aber man könne sich doch wohl vom Prinzip der Fairneß nicht so einfach dadurch verabschieden, dass jetzt der gewinne, der am vollgepumptesten sei.

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