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- 3 06 2002 - 10:53 - katatonik

talking curse

“Was den Gedanken vom Antisemitismus als talking cure so attraktiv und gefährlich macht, ist die Tatsache, dass er sich wie ein Parasit auf den alten, aber immer noch lebendigen Befreiungsdiskurs der Emanzipationsbewegungen gehockt hat. Aussprechen, was von allen beschwiegen wird, zu Wort bringen, was individueller oder kollektiver Verdrängung unterliegt, gilt immer noch als Akt der Befreiung. In dieser Denkfigur trifft sich die Endmoräne des sexuellen Befreiungsdiskurses mit allen nachaufklärerischen Bewegungen, die Licht ins Dunkel und Worte ins Ungesagte bringen wollen. Der Rechtspopulismus von heute – nur deshalb kann er populär sein – verspricht nicht bloß wie herkömmliche rechte Parteien mehr law and order, was in der Konsequenz hieße: mehr Repression. Sondern er verspricht Befreiung, libidinöse Lockerung. Er ist ein später Nutznießer der Diskursrevolution von ‘68. Ehemalige Mitläufer der Bewegung wie Jürgen Möllemann und Thomas Schmid haben einen Sinn dafür.”

Ulrich Raulff, “Das heilende Wort.”

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