Go to content Go to navigation Go to search

- 11 04 2002 - 10:48 - katatonik

Übers Demonstrieren und Kritisieren

Die “Plattform gegen die Schändung des Andenkens Verstorbener” sowie die “Kameradschaft Germania Wien” rufen zu einer Demonstration gegen die jüngst in Wien eröffnete Wehrmachtsausstellung auf. Ein Bündnis “Verhindert den Naziaufmarsch” ruft zu einer Gegendemonstration auf.
Verbote der Demonstration werden gefordert.
Die Israelitische Kultusgemeinde Wien zieht ihre Unterstützung für das Bündnis zurück und ruft auf, nicht an der Gegendemonstration teilzunehmen, weil sie nicht mit Gruppen demonstrieren möchte, die Kritik an Israel üben. Solche Kritik würde bewusst oder unbewusst Antisemitismus in Österreich schüren. (Auf ihrer Homepage scheint es leider keine offizielle Formulierung der Stellungnahme zu geben, sodass ich mich auf die Wiedergabe im “Falter”, leider nicht online, stützen muß.)
Ariel Muczikant, Präsident der IKG, wurde gestern im Radio interviewt. Der Radiosprecher frug ihn unter anderem auch, wie’s denn nun stände mit politischer Kritik an Israel. Muczikants Antwort war ausweichend. Er wies darauf hin, dass es in Österreich eben nicht normal und unbelastet wäre, Jude zu sein oder gar das Wort “Jude” in den Mund zu nehmen. Das mag ja sein. Aber muß man mit politischer Kritik an Israel zuwarten, bis es das ist (wenn es denn je so sein kann)? Sorgt man mit solcher Kritik-Enthaltsamkeit nicht eher im Gegenzug dafür, dass Normalität noch schwieriger herzustellen wird?

Im übrigen kam im Interview zigtausendmal der Topos der mangelhaften “Aufarbeitung der Vergangenheit” in Österreich zur Sprache. Auch das ist so unbestritten, dass man es kaum noch hören mag. Was mich vielmehr interessieren würde: Kann mir jemand sagen, wie der Zustand beschaffen ist, der es einem gestattet zu behaupten: “unsere Vergangenheit ist jetzt endlich aufgearbeitet worden”? Gibt es so etwas überhaupt: eine “Aufarbeitung” der Vergangenheit, die abgeschlossen oder zufriedenstellend und nicht mangelhaft ist? Ich mag den Wert der Beschäftigung und Auseinandersetzung mit der NS-Zeit damit nicht abstreiten, aber welchen Zustand strebt man an, wenn man von “Aufarbeitung” und “Bewältigung” spricht?

Die Schlagzeile “Wehrmachtsausstellungs-Führer vorbereitet” entbehrt übrigens nicht einer gewissen Ironie.


lieber nicht zuviel den kopf zerbrechen über das, was der muzikant schwafelt...

äh... (Apr 11, 15:12) #

  Textile Help