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- 28 04 2002 - 11:46 - katatonik

Internet, Fernsehen, Literatur, Aufregung

Eigentlich finde ich es nicht skandalös, wenn ein Literaturwissenschaftler gegenüber Internet und Fernsehen Skepsis äußert, und zwar in folgenden Punkten:

  1. dass jedermann veröffentlichen und schreiben kann, entzieht das veröffentlichte Geschriebene gewissen Qualitätskontrollen, wie sie Verlage ausüben. Der Leser kann sich dadurch schwerer orientieren.
  2. wenn jeder veröffentlichen und schreiben kann, ist nicht mehr einzusehen, warum einige dafür bezahlt werden. Wovon sollen Schriftsteller leben?
  3. Im Fernsehen wird nicht so auf Sprache geachtet, wie das für Literatur und ihre Rezeption notwendig oder dienlich wäre. Der Genitiv existiert im Fernsehen nicht.
  4. Bestimmt wird das Fernsehen von amerikanischen Unterhaltungssendungen, die Zuschauer zu besinnungslosen Konsumenten erziehen. Literatursendungen gibt es nicht oder immer weniger.

Bei Punkt 1 kann man sich fragen, ob Verlage wirklich Qualitätskontrollen durchführen. Aber dass es für Leser schwieriger wird, sich zu orientieren, scheint mir unbestreitbare Tatsache. Ich halte es auch für überzogen, hinter jeder Orientierungshilfeleistung gleich das Diktat des Kanons und der Kontrolle zu wittern.

Punkt 2 spricht ein Problem an, das glaube ich auch real ist. Fragen könnte man sich nur, in welchem Ausmaß das die Literatur und ihren Betrieb betreffen wird. Man könnte ja auch annehmen, dass, gerade weil im Internet Orientierung so schwer ist, Verlage und Qualitätskontrollen (welcher Art auch immer) aufgewertet werden und Autoren mehr bezahlt kriegen. Oder man könnte annehmen, dass für die ordentliche Bezahlung von Autoren ganz andere Bedingungen wichtig sind als die Verfügbarkeit von Texten gratis im Internet.

Punkt 3 scheint mir – so verstanden – nicht angreifbar. Ich kenne keine amerikanische Unterhaltungssendung, deren Sprachgebrauch in irgendeiner Weise literarisch wertvoll wäre, weder im Sinn von beeindruckender Slang-Verwendung, noch im Sinn von ausgefeilter Ästhetik. Das sprachliche Ausdrucksrepertoire amerikanischer Soaps (nicht nur in deutscher Synchronisation) ist enorm beschränkt. Das als Zelebration von Jugendsprache oder Slang zu bewerten, ist auch – wenn auch auf andere Weise – beschränkt. Das mit dem Genitiv kann ich nicht kommentieren, weil ich mir ohne weitere Informationen nicht vorstellen kann, auf welche Ausdrucksformen sich das Lamento bezieht. So, wie das Lamento im Text steht, klingt es sehr lächerlich.

Bei Punkt 4 ist es, denke ich, unbestreitbar, dass das Unterhaltungsangebot von privaten und auch öffentlich-rechtlichen Sendern von amerikanischen Filmen und Serien dominiert wird. Die Frage ist nur, welche Schlüsse man daraus zieht. Besinnungslose Konsumption gibt es genauso bei Goethe oder Shakespeare. Mich macht das Konsumieren von Jane-Austen-Verfilmungen auch immer ganz taub. Besinnung will dabei nicht aufkommen. Will sagen: die Art des kulturellen Produktes bestimmt überhaupt nicht ausreichend die Besinnungslosigkeit der Konsumption.
Das Argument, dass amerikanische Serien “dramaturgisch überlegen” sind, mag stimmen, aber ich glaube nicht, dass das ihre Dominanz im deutschsprachigen Fernsehen begründet. Verleihstrukturen, billige Preise für Soaps, die man als package kauft, und einfach nur Amerikanischsein als Inbegriff des Modernen, fehlende Investitionen in lokale Strukturen, die gute Fernsehschreiber/regisseure/-schauspieler hervorbringen würden das alles spielt da auch mit.

Die Beobachtung, die Amerikaner würden halt genau jene Fernsehprodukte herstellen, die die Leute sehen wollen, zielt außerdem ins Leere. Man muß nicht die These der notwendigen Produktion besinnungsloser Konsumenten durch Genuß von amerikanischen Fernsehsendungen vertreten, wenn man behauptet – und zwar wahr, wie ich meinen möchte -, dass die Dominanz einer bestimmten Form von Kulturprodukten dazu einen Beitrag leistet, dass die Leute sie auch wollen, und nicht nur umgekehrt.

Mein Fernsehapparat ist immer noch kaputt, und wird es bis auf weiteres auch bleiben. Bin jetzt wieder auf Radio umgeschwenkt.


cher und von den Vorschüssen, die sie be (Dec 13, 10:02) #


ampern als Bostoner Rechtsanwältinnen zu (Dec 13, 10:02) #


Willkommen zurück bei den Beidhändigen!

Zu Punkt 2: Leben nicht die meisten Leute, denen es gelungen ist, ihre Texte einem Verlag zu verkaufen, ohnehin mehr von den dadurch eröffneten Zugängen zum Betrieb (Auftragsarbeiten -Zeitungsrezensionen, Hörspiele, Features - Stipendien, Herausgeberschaften, Fernsehauftritte, Podiumsdiskussionen etc.) und von den sich anschließenden Lesereisen als von den Verkaufsprovisionen? Was die Profitabilität künstlerischer Produktion im weiteren Sinn angeht, neige ich im Moment (mit Betracht des beinahe totalen Filesharings in nächster Zukunft) sehr zu http://.../>dieser Ansicht, ohne dass ich (s.o.) daran etwas kategorial Neues entdecken könnte.

Und zur Fernsehlosigkeit: Habe ich - mit kleinen Unterbrechungen - seit 1994 und es geht sehr gut (zumal das Internet durchaus Ersatzfunktionen eingenommen hat). Nur merkwürdig manchmal, wenn ich von Freunden auf irgendwelche Serien oder den neuesten Star in der Polittalkerszene angesprochen werde und keine Meinung haben kann. Nicht dramatisch natürlich, aber immer wieder ein Gefühl, als käme man von einer sechsmonatigen Trekkingtour zurück. Falls Dir Ähnliches begegnet - bitte berichten!

mv (Apr 28, 19:54) #


was du übers überleben von autoren sagst, kann gut sein. dass sich die professionalisierung von kunstproduktion in netzzeiten erübrigt, sehe ich nicht so ganz, weil ich glaube, man übersieht gern, dass das netz nicht in der lage ist, alle jene formen zu übernehmen, in denen leute gern kunst und literatur und musik und überhaupt rezipieren. es gibt bedürfnisse nach physisch erfahrbaren sozialen situationen. und deren herstellung stellt die frage nach ihrer finanzierung. abgesehen davon hänge ich dem möglicherweise romantischen mythos an, es muß künstlern (ebenso wie wissenschaftlern) möglich gemacht werden, sich für gewisse zeiten aus einem betrieb zu entfernen und reflexions- oder kontemplationsphasen einzulegen. für wissenschaftler wird das immer schwieriger, wenn es denn überhaupt noch geht. für künstler glaub ich auch.
das mit dem fernsehen kann ich auch gut nachvollziehen. hatte von april bis dezember letztes jahr nix fernsehen, war auch recht ausgeklinkt. aber eigentlich gehts mir ohne besser. es geht mir auch ohne alkohol in der wohnung besser, da bin ich dann nicht dauernd besoffen.

katatonik (Apr 28, 20:15) #


Das Internet kann überhaupt keine physisch erfahrbare soziale Interaktion ersetzen, klar. Ich wollte auf die (Wieder-)Entkopplung von Professionalisierung und Profitabilität nach der bürgerlich-industriellen Epoche hinaus, man könnte auch sagen von Beruf(ung) und Erwerb. Das Stichwort lautet hier - für KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und übrigens auch für eine rasch wachsende Zahl "anderer" Leute, die wohnen und essen möchten - Grundeinkommen. Das das kommen wird, darf (spätestens nach dem nächsten Argument-Heft über "immaterielle Arbeit") als sicher gelten, unbequemer zu beantworten wäre, WANN und WELCHE Agentur die Verteilung in der Hand hat - man möchte ja nicht unbedingt in Verdacht geraten, die Sozialstaatsbürokratie anzubeten. Kaum irgendwo sonst wird der Grad der Professionalisierung und die Qualität der Arbeit so sehr nach dem Zugang zu gutbezahlten (Lebens-)Stellungen bemessen wie im Wissenschaftsbetrieb; viele PromovendInnen und Habils, die aufs Berufungsnadelöhr fixiert (worden) sind, müssten sich mit einem Grundeinkommen erstmal billig abgespeist vorkommen, stelle ich mir vor (ok, 'ne halbe BAT IIa-Stelle ist etwa das, was mir als auskömmlich vorschwebt, insofern...). Aber es wäre ein Ende mit dem unwürdigen Zustand, und man hätte seine Ruhe. Noch ein Skandal ist übrigens, dass nicht alle Ergebnisse öffentlich finanzierter Forschung unmittelbar und vollständig online stehen, sondern wie 1920 in obskur überteuerten privatverlegerischen Zeitschriften vertickt werden, für deren Beschaffung nochmal bezahlt werden muss.

mv (Apr 28, 21:39) #


Nachgereicht: ein "dass" - und ich habe nichts gegen häusliche Trunkenheit, solange sie reflexiv und kontemplativ angegangen wird.

mv (Apr 28, 21:49) #


Einwände und Anmerkungen, Euer beidhändig Ehren.

He said:
1. dass jedermann veröffentlichen und schreiben kann, entzieht das veröffentlichte Geschriebene gewissen Qualitätskontrollen, wie sie Verlage ausüben. Der Leser kann sich dadurch schwerer orientieren.

You said:
Bei Punkt 1 kann man sich fragen, ob Verlage wirklich Qualitätskontrollen durchführen. Aber dass es für Leser schwieriger wird, sich zu orientieren, scheint mir unbestreitbare Tatsache. Ich halte es auch für überzogen, hinter jeder Orientierungshilfeleistung gleich das Diktat des Kanons und der Kontrolle zu wittern.

Me says:
Der Leser kann sich auch ohne Internet und Fernsehen nur schwer orientieren. Jeder Besuch in einer einigermaßen normalen Buchhandlung ist ein massiver Orientierungsverlust. Auch ohne Netz gibt es viel zu viele (und zwar auch gute, interessante, lesenswerte) Texte, die ein einziger nie abarbeiten kann. Das Gefühl der Orientierungslosigkeit hatte ich schon lange, ehe es im Netzt noch ein paar Millionen Texte mehr gab, von denen ich dachte, hey, die sollte ich mir auch mal anschauen. Meine Erfahrung ist sogar: seit es das Netz gibt, kann ich mich besser, müheloser orientieren. Das Netz weiß mehr als der durschnittliche Buchhändler und der durchschnittliche Bibliothekar je wissen können, und solange es Leute gibt, die mir zum Beispiel ins Netz stellen, was die 100 besten Reisebücher, die zehn wichtigsten Physikbücher usw. sind, habe ich zumindest erste Anhaltspunkte, und noch mehr, wenn ich Proben des Empfohlenen lesen kann. Klar ist, dass man dazu lernen muss, wie man sich orientieren kann, also Informationsbewertung zu betreiben. Ich fürchte, damit liegt es im Argen. Die Frage ist auch: was ist ein orientiertes Publikum? Ich glaube, oft steckt hinter der Klage über das orientierungslose Publikum die sehr verständliche Sehnsucht nach einem Publikum, das sich unterhalten kann über einen einigermaßen überschaubaren und bewältigbaren Korpus von Texten, also die Sehnsucht nach einer community. Vor 20 Jahren (also zu Rothschilds Hochzeiten) gab es das tatsächlich noch, ich kann mich auch noch sehr sentimental daran erinnern, dass alle schlauen Leute mehr oder minder dieselben Bücher gelesen und dann darüber diskutiert haben. Das kommt seltener vor, weil jeder einzelner viel mehr Texte lesen kann, die andere nicht gelesen haben, usw.
Was Orientierungshilfeleistungen betrifft: je mehr, desto besser. Hilfeleistungen kann man ja auch höflich ausschlagen. Aber gerade dafür eignet sich zum Beispiel das Netz prinzipiell sehr gut (ich wäre zum Beispiel glücklich darüber, wenn Du mal die Liste der 20 Bücher über Indien & Japan verschenken würdest, die den neugierigen Laienmenschen weiterbrächten....)

He said:
2. wenn jeder veröffentlichen und schreiben kann, ist nicht mehr einzusehen, warum einige dafür bezahlt werden. Wovon sollen Schriftsteller leben?

You said:
Punkt 2 spricht ein Problem an, das glaube ich auch real ist. Fragen könnte man sich nur, in welchem Ausmaß das die Literatur und ihren Betrieb betreffen wird. Man könnte ja auch annehmen, dass, gerade weil im Internet Orientierung so schwer ist, Verlage und Qualitätskontrollen (welcher Art auch immer) aufgewertet werden und Autoren mehr bezahlt kriegen. Oder man könnte annehmen, dass für die ordentliche Bezahlung von Autoren ganz andere Bedingungen wichtig sind als die Verfügbarkeit von Texten gratis im Internet.

Me says:
Die meisten Schriftsteller, die nicht gerade Bestseller oder Halb-Bestseller produzieren, haben nie ein anständiges Einkommen gehabt. Das weiß Herr Rothschild am allerbesten, weil er dasselbe berechtigte Lamento über die Unterbezahltheit schriftstellerischer Arbeit auch schon vor 25, 20, 15 Jahren gesungen hat, man kann sich die alten Wespennester anschauen, alte GAV-Resolutionen nachlesen, alte Zirkulare der IG Autoren studieren, da steht das alles auch schon drin. Die meisten Schriftsteller, die avanciertere Literatur machen, leben nicht vom Verkauf ihrer Bü

Praschl (Apr 29, 13:21) #


Marco, Grundeinkommensansätze halte ich für sehr spannend, aber was deren Realisierung in naher Zukunft angeht, bin ich - vor allem in Österreich - sehr skeptisch.

Praschl,

1. Die Orientierungslosigkeit, um die es mir hier geht, ist nicht das Suchen nach einem unter Millionen von bereits verfügbaren Büchern, sondern das Suchen nach einem unter Millionen von verfügbaren Texten, in digitaler Form. Man kann davon halten, was man will, und als Orientierung reicht es sicher nicht, aber allein die Tatsache, dass manche Texte schon Bücher sind, ist ein erster Orientierungsschritt. Listen mag ich übrigens nicht erstellen. Konkrete Fragen beantworte ich hingegen gerne.

Zu 3. - den Vergleich finde ich unangebracht. Wenn es im Fernsehen Sprache gibt und wenn viele Leute viel fernsehen, liegt die Vermutung nicht gar so fern, dass, wie mehrheitlich im Fernsehen gesprochen wird, auch Auswirkungen auf Sprechen, Sprachverwendung, Sprachbewußtsein der Leute hat. Es gibt da also schon mehr Zusammenhang als zwischen Telefon und Gesang oder Emma und Autotests. Abgesehen davon, dass ich die Auffassung, das Fernsehen hätte mit sowas wie Bildung - wie immer man das versteht - von seinem Wesen her nix zu tun, schon als deprimierend resignativ betrachtet. Meine taktische Naivität in kulturpolitischen Fragen beschützt mich da gottlob vor zynischen Wallungen.

4. Schränkt man die Frage nach US-Dominanz auf Unterhaltungssendungen ein und dehnt sie auf Filme aus, sieht das Bild etwas weniger lokalfreundlich aus, als du es zeichnest, obwohl das mit der Eigenproduktion sicher stimmt. Ich würde dann natürlich sofort sagen, dass Sendungsformate, dramaturgische Kniffe usw. in einem hohen Ausmaß aus dem US-TV übernommen worden sind und neige dabei eher zur Annahme einer hohen Beeinflussung. Ich gestehe allerdings gern, dass ich die deutschen Reißer-Krimis, Krankenhausserien und Horror-Filmchen, die wo im deutschen Privatfernsehen laufen, nicht allzu oft gesehen habe. Halt ich einfach nicht aus, den Schwachsinn. Ist im Vergleich noch langweiliger als US-Vorbilder. Mir hat das schon bei Debatten über die Filmindustrie Europas nie eingeleuchtet, dass man hollywoodischer zu sein versucht als Hollywood.

katatonik (Apr 29, 20:33) #


ad 1: Ich bin mir nicht sicher, ob es noch allzulange gilt, dass die existenz von texten in buchform so etwas wie eine qualitäts-garantie darstellen wird, an der man sich orientieren kann. ziemlich sicher ist es jetzt noch so. bücher sind größeres investment, also kann man vielleicht davon ausgehen, dass jemand, der ein buch verlegt, sich mehr mühe gibt mit dem text. man merkt es ja noch an sich selbst, dass man sich mit texten, die gedruckt werden, mehr mühe gibt als mit solchen, die "nur" im netz erscheinen. andererseits: da die herstellung und vor allem der vertrieb von büchern immens viel geld verschlingen, kann man auch auf die umgekehrte rechnung kommen: es ist weniger geld für den textproduzenten da, weniger geld für autoren-arbeitszeit, weniger geld für die sicherung von inhaltlicher qualität. wenn man das geld, das man zum beispiel in papier, druck, buchbinderei, vertrieb in autorenarbeit und -entlohnung stecken würde, könnten autoren logischerweise bessere arbeitsbedingungen haben und deswegen bessere qualität produzieren. - weiß aber auch nicht so genau. - vielleicht gibt es auch einfach noch nicht so etwas wie genügend akzeptierte verlagsinstanzen im netz, an die man als orientierungssuchender sich wenden könnte, im wissen, dass man dort gut recherchierte und edierte texte bekommen kann (wobei ich unter bekommen natürlich auch "kaufen" meine).

ad 3:

ich befürchte, wir haben da aneinander vorbeiargumentiert. selbstverständlich bin ich der auffassung, dass auch das fernsehen sich um die qualität von sprache bemühen sollte und überhaupt alles tun sollte, um die bildung zu befördern. ich bezweifle nur, dass fernsehen das medium ist, das sich besonders gut dafür eignet, ausgerechnet der literatur und ihrer rezeption dienlich zu sein, was ja der herr rothschild will. da finde ich dann doch, dass es dafür bessere orte gibt, zum beispiel zeitungen oder das radio. im fernsehen geht es ja irgendwie auch um bilder, und was mich betrifft, kann ich auf den anblick von leuten, die über literatur reden, oder über diese peinlichen versuche, zu buchbesprechungen immer ein wenig optisches futter zu liefern, gerne verzichten. - DARAUF hat sich mein einwand bezogen, und nicht auf die idee, dass fernsehen klüger sein und klüger machen sollte, als es aktuell ist und tut. tatsächlich verstehe ich nicht wirklich, warum es das nicht wenigstens versucht - in den archiven der öffentlich-rechtlichen liegt so viel gutes material, und es gibt so viel gute filme aus der filmgeschichte, die man ohne wahnwitzige rechtedeals abspielen könnte, dass sich damit ein feiner, prestigeträchtiger, gar nicht besonders kostspieliger kanal für ein gar nicht so kleines publikum problemlos bestreiten ließe, denke ich. tut aber keiner. werde ich nie verstehen.

praschl (Apr 29, 22:10) #


ok, alles klar.
was ich in dem zusammenhang auch immer wieder witzig finde, sind übrigens die annahmen, die leute manchmal übers wissenschaftliche publizieren haben. mich fragt man manchmal, was ich für aufsätze oder fürs bücherschreiben bezahlt kriege, und will dann nicht glauben, das ich das alles gratis mache. zumindest ist allfälliges geld, das ich kriege (forschungsprojekte, -stipendien), keine entlohnung fürs schreiben. mich erstaunt auch, wie immer weniger aufwand von seiten von verlagen ins verlegen wissenschaftlicher bücher und zeitschriften investiert wird. zumindest in meinem fach. ordentliches professionelles lektorat habe ich noch nie eins gehabt. lektoriert wurde immer nur, wenn überhaupt, von kollegen, die zwar inhaltlich, aber nicht professionell sprachlich lektorieren konnten. sie haben manchmal trotzdem sehr gut sprachlich lektoriert, aber das gelbe vom ei ist diese struktur trotzdem nicht. schon eigenartig. immer, wenn ich mich irgendwo im alltagskontext als wissenschaftlich tätig zu erkennen habe, spüre ich die autoritätsaura, die wissenschaft zu umstrahlen erscheint. sobald ich aber an die arbeit gehe, krieg ich das gefühl, wir sind die hinterletzten herumwurschtler, dilettantisch, hoffnungslos überschätzt und ebenso hoffnungslos unterausgestattet. komisch, wie da die innenwahrnehmung und die außenwahrnehmung auseinandergehen.

katatonik (Apr 29, 22:26) #


Das stimmt, mit dem Publizieren. Das ist nicht nur in Deinem Fach so. Sie drucken schlecht umbrochene Word-Dateien auf Klopapier. Ohne Lektorat, natürlich. Eigentlich braucht man keine Verlage mehr, weil sie die Dienstleistungen nicht mehr erbringen, für die man sie bezahlt. Ich bin zwar gelernter Schriftsetzer und kann meinen Umbruch selber machen, aber erstens hab ich dann immer noch keinen Lektor und zweitens geht die Frickelei am Rechner von der Zeit ab, die eigentlich für Forschung und Lehre zur Verfügung stehen sollte. Ich bin sowieso für die Einführung einer frei zugänglichen Superdatenbank, in der _alles_ drinsteht. Ich liebe Bücher, aber Papier ist zu langsam für das, was ich vorhabe.

gHack (Apr 30, 07:56) #

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