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- 29 04 2002 - 13:30 - katatonik

Thema Selbstmordattentäter

Christoph Reuter, Magazinreporter, schrieb ein Buch über Selbstmordattentäter (“Mein Leben ist eine Waffe”). Hier ein Interview mit ihm.


Ich frage mich, warum immer alle diese kurzgeschlossenen Killer verstehen wollen. Die Umgebung stellt sie her. Die einen gehen zu "Popstars", die anderen sprengen sich in die Luft. Die Gesellschaft sagt ihnen schon, wofür sie Anerkennung bekommen. Und wenn man nur dann geliebt werden kann, wenn man sich selbst auslöscht, dann tut man das eben. Liebe ist eine knappe Ressource. Wer über Liebe verfügt, kann tatsächlich Berge versetzen. Und zwar mit Hilfe derer, die sie brauchen.

gHack (Apr 29, 19:29) #


Die Killer selbst mag ich zum Beispiel nicht verstehen. Die Frage, warum Menschen sich und andere in einem offenbar politischen Zusammenhang an einem Ort in die Luft jagen, wogegen sie das in anderen Weltgegenden nicht tun, ist schon interessanter, gehört jetzt aber auch nicht zu meinen brennendsten Anliegen (danke für die Beantwortung der Butterbrot-Frage!).

Auf diese Frage ist gesellschaftlich vermittelte Liebesbelohnung bestenfalls eine erste Antwort, weil man ja gleich darauf fragen kann, warum manche Gesellschaften Selbst- und Anderentötung als Bedingung für Liebe ansetzen und andere nicht. Abgesehen davon deucht mir, dass Menschen aus Liebesbedürftigkeit vieles tun, aber nicht allein aus Liebesbedürftigkeit alles.

katatonik (Apr 29, 20:13) #


Ja, das mit der Liebe allein ist verkürzt, ganz klar. Es wird da eher eine in der jeweiligen Gesellschaft akzeptierte Logik umgesetzt. Ich denke da eher in Richtung Gramsci, also kulturelle Hegemonie. Und im Nahostkonflikt ist es ja auch so, dass zwei verschiedene Kriegs-Logiken aufeinanderprallen. Die Araber sehen Selbstmordkommandos als Zeichen der Stärke und die Israelis als Zeichen der Verzweiflung.

Und was interessiert Dich momentan wirklich?

gHack (Apr 29, 21:59) #


die verschiedenen kriegslogiken. die frage, wie man aus dem israel-palästina-schlamassel wieder rauskommt. die flasche wein am tisch und das dazugehörige glas. der leichte schmerz in meinem rechten ellenbogen. die frage, wann ich mir wieder mitm rechten arm auf den kopf greifen können werde. http://.../>gilbert ryle. sein buch "dilemmas" (zu deutsch: "begriffskonflikte"). die entwicklung von negationstheorien im werk eines buddhistischen philosophen des 7. jahrhunderts, mit denen ich mich jetzt schon fast zehn jahre beschäftige und bei denen ich immer noch jeden tag glaube, ich würde grad erst anfangen. prost.

katatonik (Apr 29, 22:15) #


Meinst Du die Logik der Verneinung des Nagarjuna? Aber der war früher dran als das 7. Jahrhundert. Von dem hab' ich mal gelesen. Es ist bestimmt sehr anstrengend, solche Systeme zu durchdringen.

Israel interessiert mich weniger. Verschiedene politische Gruppen benutzen es als Stellvertreterkonflikt, um sich selbst auf Kosten der Toten aufzuspielen, etwa so, wie die amerikanische Waffenlobby jetzt mit Erfurt umgeht. Die meinen gar nicht die verletzten und toten Menschen, sondern sie meinen ihre eigenen Interessen.

gHack (Apr 30, 14:53) #

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