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- 10 07 2002 - 00:35 - katatonik

Das Rumrülpsen und die Reaktion darauf, oder ihr Fehlen

Wenn jemand verbal herumrülpst, rülpsen Sie auch?
Tun Sies nicht und versuchen Sie dagegen, vielleicht sogar in der Sprache des Rülpsers – und die ist brachial, gibt sich flockig, cool und locker, kennt man ja – auf die Schwachsinnigkeit des Rülpsens hinzuweisen, wirft man Ihnen Humorlosigkeit vor, oder verweist Sie mit knappen Bemerkungen ins Reich des Großen Nichtamstartseins.
Oder man klopft Ihnen jovial auf die Schulter. Nicht so ernst nehmen, das. Sei doch ganz locker. War doch nur Spass.
Oder der Rülpser reagiert beleidigt. Erstaunen Sie nicht, das kann tatsächlich passieren. Dann kommt ein kleines “man wird doch noch wohl …”, ein größeres “Zensur!”, oder ein laut hinausgerülpstes “Ha! Wenn die da so drauf sind, kann ich mich nur noch zurückziehen! Sollen sehen, was sie davon haben”.
Übrigens: Sind Sie eine Frau, greift der Rülpser leicht in die Hysterikerinnen-Anklageschublade. Auch Ausdrücke wie “Heulsuse”, “Neurotikerin” und dergleichen kommen da oft vor. Auch oft begleitet vom jovialen Schulterklopfen. Beruhig Dich doch, nimms locker. Tschulligung, ich wollt Dir ja nicht zu nahetreten. Vielleicht bin ich da einfach zu locker. Ich. Denk gar nicht daran, dass andere, so wie Du, nicht so locker sein könnten wie ich. Mann, bin ich locker.

Sie können als Frau übrigens so brachial & brutal sein, wie Sie wollen; es wird Ihnen immer als Hysterie oder Weinerlichkeit ausgelegt werden. Frauen kennen nämlich keine Agression.

Wenn jemand verbal oder anders herumrülpst, reagieren Sie dann? Haben Sie, würden Sie, könnten Sie? Bedingungen, Erfahrungen, Vermutungen?
Noch einmal anders gefragt: Wenn jemand öffentlich rumrülpst, reagieren Sie?
Naja, werden Sie sagen, das mit der Öffentlichkeit ist so eine Sache. Es gibt offizielles, von institutionalisierten Medien verbreitetes Rumrülpsen. Es gibt Rumrülpsen an öffentlich zugänglichen, aber doch irgendwie als nicht ganz öffentlich empfundenen Orten. Busse. Straßenbahnen. Straßen. Weblogs. Räume, geographisch oder virtuell, in denen man öffentlich ist, weil ja auch Fremde da sind oder jederzeit auftauchen könnten, aber eben doch nicht im öffentlichen Bereich so wie in Zeitungen oder im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Ach ja: Ist es Ihnen schon mal passiert, dass Sie Rumrülpsen als liebenswürdig oder reizend empfanden, weil Sie mit den Rülpsern befreundet waren? Weil die Rülpser schon mal was gesagt hatten, das Sie witzig, treffend oder passend fanden?
Schwierig, die Sache. Aber, wie der Rülpser rülpst, nicht ernst. Beileibe nicht ernst.

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