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- 30 07 2002 - 19:06 - katatonik

Arbeitszwischenbericht

Das Komitee zur Hebung linker politischer Kultur in Österreich, Sektion Wien, bestehend aus Herrn Hack und meiner Wenigkeit, ist gestern zu ersten Zwischenergebnissen gelangt. Ausgangspunkt waren die folgenden Erkenntnisse, durch akribische Studien des Wiener Alltags unterfüttert:

1) Schuld, es geht immer um Schuld, um nichts anderes.
2) Fluchen, die Leute fluchen, und sie fluchen immer auf die Schuldigen, sonst tun sie nichts.

Jede Strategie zur Hebung linker politischer Kultur muß an diesen beiden Punkten ansetzen. Wir dachten da so etwa an Folgendes:

1) “Die FPÖ ist schuld.” Dieser Satz muß unter die Leute gebracht werden, und zwar so oft und heftig wie möglich. Jeder kann dazu beitragen.
Was, Ihr Nachbar jammert übers Wetter, weil’s ihm den Kreislauf überdrückt? “Jaja, die FPÖ ist schuld.”
Was, Sie tun sich als Diskussionsleiter schwer, einen Weg durch das Dickicht von Argumenten für und gegen die Besteuerung von Hamsterkäfigen zu finden? Einmal versonnen ins staubige Eck des Diskussionssaales blicken, nicken, und anheben: “wir sollten nun vielleicht doch zum Kern des Problems kommen (Kunstpause): die FPÖ ist schuld”.
Ihr Leben als Journalist wird auf diese Weise vielleicht eintöniger, aber wesentlich effizienter: “Wie wir an dieser Stelle schon letzter Woche anläßlich des bevorstehenden Regierungswechsels in Mali schrieben: die FPÖ ist schuld.” ... “Seit Jahrtausenden rätselt die Menschheit über die Ursache für Alter, Krankheit und Leid in dieser Welt. Jetzt endlich haben Wissenschaftler vermittels High-Tech-Methoden die Antwort gefunden: Die FPÖ ist schuld!” ... “Hund beißt hundertjährige Tanne: Die FPÖ ist schuld!”

Weit subtiler hingegen die indirekte Schuldzuweisung. Die Reinigung hat einen Fleck auf Ihrem Satin-Sabberlätzchen nicht richtig entfernen können? Reklamieren Sie: “Ich weiß, eigentlich ist ja die FPÖ schuld, aber Sie wissen ja, wie lang die brauchen, um Reklamationen zu bearbeiten … könnten Sie nicht vielleicht …?” Das Herz des Dienstleistungsgewerbes ist Ihnen sicher. Und wer das Herz des Dienstleistungsgewerbes hat, der hat das Land.

2) Schuldzuweisungen sind nicht alles, Flüche sind mehr: “Scheiß-FPÖ” ist als Kurzformel überall anzubringen, wo Mißliebiges geschieht.
Sie sind Fahrradfahrer und geraten mit einer Gruppe aufgeregt zappeliger Teenager in einer Fußgängerzone in Konflikt? Ein herzhaft lautes “Scheiß FPÖ!” bringt politische Bildung unter die jungen Menschen.
Sie rutschen auf einer sprichwörtlichen Bananenschale gar unsprichwörtlich aus? Schreien Sie, Brüllen Sie: “Scheiß FPÖ!”. Die Welt muß wissen, wo das Böse wirkt.
Sie sind im Kellnergewerbe tätig und müssen tatenlos zusehen, wie Myriaden von Gläsern der Schwerkraft zum Opfer fallen, unter lautem Gesplittere und Gekrache? Ha, damit haben Sie bereits die Aufmerksamkeit der Gäste! Ideale Agitierungssituation! Rasch noch ein “Scheiß FPÖ!” hinterher, und die Massen sind motiviert.

Erste Feldversuche zeigen erstaunliche Ergebnisse. Wir unsererseits zeigen uns ermutigt und fahren fort.

Ja, ein unaufgeräumtes Wohnzimmer IST ein Feld, auf dem es sich versuchen läßt. Wer sagt, was dort passiert, wäre nicht repräsentativ?


Und ich dachte immer, Herr Hack ist in der Schweiz. Nett dass er sich so um Wien kuemmert, denke ich so bei mir. Er koennte ja A auch A sein lassen und in der Schweiz mit seinem Kater vor sich hinleben. Ich schiebe nun auch mal alles auf die FPOE und fluche, zumindest bis ab September die CSU an allem schuld ist.

funzel (Jul 31, 08:55) #


als nächsten schritt könnte man den versuch der schaffung von begriffsidentitäten [wie heisst das noch?] erwägen. ähnlich wie TEMPO für papiertaschentuch oder NUTELLA für nussnougatcreme.

mir fällt nur das passende wort nicht ein. leider bietet sich freiheitlich nunmal nicht so richtig an. bescheidene vorschläge wären:

'so'n haider aber auch!'
'da hast du aber einen haider geschossen.'

irgendwie geht das mit substantiven besser ...

tompaul (Jul 31, 16:52) #


ha, ich habe das mal versucht, einfach die simpelsten miss- bzw. sogar umstände zwar nicht auf die fpö aber auf die regierung zu schieben (es ging um den schutt im gestrüpp vor dem karlsplatz, wenn ich mich recht erinnere). kurz darauf hat sich meine freundin von mir getrennt. ich kann das daher nicht zur nachahmung empfehlen.

stattdessen schlage ich vor, sollten wir das folgende politische lied singen, das ich zusammen mit meinem freund robert geschrieben habe:

wir jammern

oh ja, gut, richtig

wir jammern
ich möchte so gern jammern mit dir

wir jammern, jammern
und ich hoff, du magst jammern mit mir

keine regeln, keinen schwur
wir können's so auch nur


usw.

äh, ja...

p3k (Jul 31, 18:19) #


bitte um terminvorschläge für die erste chorprobe. wir machen dann aufführungen in u-bahn-waggons und dergleichen. es soll jetzt ja neue u3-u-bahn-züge geben, bei denen die wagen nicht mehr voneinander getrennt sind. da entkommt uns dann keiner!

katatonik (Jul 31, 19:17) #


ah, famos! ein guter platz sind evtl. auch die gesundheitszentren der krankenkassen, z.b. in mariahilf. gestern sind dort gleich einmal drei frauen aneinander geraten. man stelle sich vor, es hat sich tatsächlich eine über die andere aufgeregt, weil die ihrem ärger über die lange wartezeit luft gemacht hat. da hätte dieses kleine lied sicher wirkung gezeigt. oder auch eine saftige schuldzuweisung an die fpö (aber das mach ich wie gesagt nicht mehr).

p3k (Aug 1, 07:36) #


die erwähnten u3-züge gibt es tatsächlich. sie sind allerdings eine der asozialsten erfindungen unseres jahrhunderts, da sie dem schwarzfahrer die flucht vor dem schwarzkappler erschweren bzw. letzterem die verfolgung erleichtern.

scheiß auf schwarz. zum jörgl noch mal!

caru (Aug 1, 14:02) #

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