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- 4 08 2002 - 12:24 - katatonik

Wohnwanderungen

“An diesem Punkt hat Pia Lanzinger angesetzt. Die Münchner Künstlerin, selbst im Hasenberg, einer stigmatisierten Münchner Trabantenstadt, aufgewachsen, unternahm mit jeweils einer kleinen Gruppe Zuzügler drei «Wohnwanderungen». Wohlgemerkt nicht «Führungen», wie sie Andrea Frazer vor mehr als zehn Jahren durch Museumsräume veranstaltete, sondern «Wanderungen» durch private Heime, wo jeweils die Hausfrau oder der Hausmann das Wort ergriff. Lanzinger trat nicht als Führerin und Wissende auf, sondern überliess es den Teilnehmenden, sich zu inszenieren.

Das dokumentierende Video zeigt Frau Ammer, wie sie ihren selbst installierten Pfannenverstauraum vorführt, genauso wie Herrn Tatusch, der seine Pappkartons rechtfertigt. Vielleicht hätten einige dieser Neubewohner sich demnächst selbst kennen gelernt. Lanzinger hat also etwas Naheliegendes in Gang gesetzt und ritualisiert. Genau das aber macht ihre Aktion überzeugend. Fern vom überall praktizierten Sozio-Chic, wo gesellschaftliche Randgruppen in befristeten Kunstprojekten ans Licht der Medien gezerrt werden, hat sie eine kleine Kugel ins Rollen gebracht, die vielleicht zu mehr Gemeinschaft führt, die eigene Wahrnehmung erweitert und ästhetische Urteile in Gang setzt. Nicht die unmittelbare «Verbesserung» einer sozialen Situation ist beabsichtigt, die Wanderungen eröffnen lediglich einen Handlungsrahmen, der nachhaltige Veränderungen möglich macht.”

Brita Polzer: «Künstler sollen Heimat schaffen»
Ein wegweisendes Projekt für zeitgenössische Kunst in der Münchner Messestadt Riem
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kunstprojekte_riem.

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