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- 17 09 2002 - 22:26 - katatonik

Metagipfelstürmerei

In diesem Buch von Gerhard Roth (der deutsche Hirnforscher, nicht der österreichische Schriftsteller) stolperte ich über die Bemerkung, dass der Mensch zwar während des Traumschlafs hoffen oder befürchten könne, dass alles nur ein Traum wäre, darüber aber nie Gewißheit haben könne – man kann im Traum nicht wissen, dass man träumt.

Da kratzte ich mich am Kinn, denn mein Gedächtnis vermeldet, ich wüßte eigentlich relativ oft im Traum, dass ich nur träumte. Diese Gewißheit, so raunt mein Gedächtnis, ginge gelegentlich gar so weit, dass ich mich in unangenehmen Traumsituationen mit einem mal gehetzt gehechelten, mal unwillig geknurrten “Alles Quatsch, nix wie weg mit dem Scheiß!” zum Aufwachen brächte. Das kann ich bezeugen, denn dann bin ich ja wach und voll dabei.

Mit derlei Gedanken entließ mich das Gedächtnis in den Traumschlaf. Dortselbst verfolgte mich ein alter Bekannter mit der Absicht, mich umzubringen. Nichts Ungewöhnliches, in letzter Zeit macht der das öfter. Der Typ lebt nicht mehr und hat im Jenseits wohl Langeweile. Warum denn nicht in Frau Katatoniks Träumen herumspuken und dort ein bisserl Mordabsichten versprühen, kann ja ganz unterhaltsam sein.

Die Information aus der Wachwelt, dass der Typ tot ist, hatte mich übrigens erst bei der letzten Begegnung mit ihm im Traum zur Erkenntnis veranlaßt: “Alles Quatsch” (siehe hoben). Was soll ich von einem Mordabsichten hegenden Typen träumen, der tot ist. Das ist doch keine Bedrohung, also echt. Etwas mehr Traumrealismus, wenn ich bitten darf.

Jetzt war er wieder da. Und, so sagt mein Gedächtnis jetzt, ich dachte im Traum etwa so:
“Tja, also eigentlich ist der Typ ja tot. Was macht der dann aber schon wieder da? Und warum wirkt der jetzt wesentlich lebendiger als letzthin?
Gerhard Roth meint ja, ich dürfte jetzt gar nicht wissen können, dass ich träume. Aber wenn ich jetzt nicht wissen kann, dass ich träume, kann ich vielleicht auch nicht wissen, dass der Typ tot ist? Soll ich jetzt Angst vor ihm haben oder nicht? Weglaufen im Traum oder einfach aufwachen? Andererseits ist das dann immer so mühsam mit dem Wiedereinschlafen – Herr Roth? Huhu!”

Roth kam nicht mehr vorbei. Mordabsichtstyp verschwand auf dunklen Wegen, vermutlich ab zum Klinkenputzen im Jenseits. Der Traumschlaf nahm sein kaum überraschendes Ende im Erwachen.
Mal sehen, welche Metaebene der nächste Traumschlaf erklimmt.


Oh! Dann müssen Sie schnell einen Hack herbeiträumen, der dem Mordabsichtstypen ordentlich in den Arsch tritt.

gHack (Sep 17, 22:34) #


Ach, Sie wissen ja, so einfach geht das nicht. Diese Träume schwanken ja zwischen Film- und Therapieanspruch. Kaum versuche ich, einen Hack herbeizuträumen, der Typen filmgerecht tritt, kommt der Obertherapeut, unterbricht den Film und erklärt mir mit seiner ekligen Samtschleimstimme, nene, so ginge das nicht, ich müsse da schon selber treten oder sonstwas tun. Pffftttt.

katatonik (Sep 17, 23:03) #


Hihi. Ich zweifle auch keine Sekunde daran, dass Sie voll und ganz dazu in der Lage sind, selbst zuzutreten! Wer mit den Amnesty-Aggros vom Prater fertig wird, kann das!

gHack (Sep 17, 23:26) #


Ja, alles Quatsch. Es gibt eine Forschungsrichtung, die heisst "Lucid Dreaming" < http://www.lucidity.com/LucidDreamingFAQ2.html >, die auch lehrt wie man das macht.

Man kann:
- erkennen dass man traeumt
- Umgebung steuern
- Leute und Objekte morphen
- aktiv handeln (etwa fliegen)
- den Traum wechseln (wie fernseh zappen, konnte ich als Kind ganz gut)
- aufwachen

funzel (Sep 18, 08:03) #


Beim DeutschlandRadio:
Der Hirnforscher Gerhard Roth

Franz Fuchs (Sep 19, 04:40) #

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