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- 26 04 2026 - 10:31 - katatonik

Umwuchten

Samstag nachmittags hat M. einen Vortrag von mir organisiert; ein etwas allgemeineres, programmatischeres Thema, mit dem einer gewissen Scientific Community rezente Entwicklungen vor Augen geführt werden, mit dem eine gewisse Forschungsrichtung in Japan gestärkt werden soll. Davor essen wir mittags gemeinsam mit ein paar Kollegen in unserem Hotelrestaurant, in dem sich zur gleichen Zeit ausschließlich größere Gruppen fröhlicher japanischer Frauen einfinden, mittleren und höheren Alters. Es ist ein Lachen und Flöten in höheren Stimmlagen um uns, ein Wuseln und Wirbeln. Die Frauen mittleren Alters trinken alle Sekt oder Prosecco, die älteren lassen das bleiben und sind einfach so fröhlich. Wir sind eine Gruppe von vier Männern und mir, das ist da so zwischen dieser Frauenfröhlichkeit dann doch recht spaßig. # Unter den 70 Personen, die meinem Vortrag Gehör schenkten, befand sich auch eine junge Frau aus Kasachstan, die erst in China, dann in Japan tibetisch-buddhistische Philosophie studierte. # Eifrige Studierende, die sich mir unbedingt vorstellen wollen. Ich sammle ihre Visitenkarten, die sie mir reichen, als wäre es 1990. In China verdutzte ich letztes Jahr jemanden mit der Übergabe meiner Visitenkarte; er hatte keine zu retournieren. In China scannen Menschen bei Bekanntmachung die jeweiligen WeChat-QR-Codes voneinander. # Am Bahnhof bei der Abfahrt aus Tokyo am Mitbringselstand für Süßigkeiten Produkte der Firma Butter Butler; über dem Logo die Tagline “Master, they are the ultimate butter sweets”. Küchlein und Kekse, auch mit Matcha. Auf den Abbildungen auf den Packungen zerfließt immer irgendwo ein Butterwürfel. Am Bahnhofsstand ein Wachsmodell von Butter Butler’s Chocolate Millefeuille, auf einem Teller ausgelegt. Auf zweien dieser scheibenförmigen Gebäcke zerschmilzt je ein kleiner Butterwürfel, hinter den ausgelegten Gebäcken steht ein beachtlicher wächserner Butterklotz. # Eine Taxifahrerin in Kyoto, die Haare hellbraun angefärbt, “chapatsu”, ein Stil, der während meiner Studienzeit hier als Zeichen jugendlicher Rebellion aufkam, heute jedoch unprätenziös weit verbreitet ist. # Dunkle, stille Seitengassen mit alten, niedrigen Häusern. Tanizaki-Lob-des-Schattens-Vibes. # Der Rückspiegel des Taxis ist kein Spiegel, sondern ein Monitor.