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- 22 02 2009 - 23:41 - katatonik

Amseln

Statt der zwei Amseln im Hinterhof waren es dann, allmählich im Lauf des sich zuschneienden Vormittags, sieben.

Es gab ein Futterzentrum: Ein bestimmtes Mauerstück, mit wildem Wein bewachsen, blattlos, mit getrockneten Beeren. Auch andere Mauerstücke sind beerenhaft bewachsen, aber dieses Mauerstück, da flogen die Amseln immer wieder hin. Sie hingen quer an den Weinranken, flatterten und ruderten in der Luft.

Sie jagten einander. Oder vielleicht war es auch nur die terrainverteidigende Amsel, die die anderen jagte, eine nach der anderen. Filmisch, Schnitte quer durch den Hof und seine Räume und Flächen: Links hinten läuft eine Amsel der anderen auf einem beschneiten Flachdach hinterher, dann wieder fliegt eine der anderen nach im Baum, von Ast zu Ast nach oben. Konfrontativ, aber ausweichend, und letztlich verhalten: Man hüpft und läuft und fliegt sich an den Gegner an, der weghüpft, wegläuft, wegfliegt, rhythmisch, das.

Das Verjagen ist das Ziel, und der, der verjagt werden soll, gewinnt, wenn er am Rand des Reviers nicht die Grenze respektierend darüber hinausfliegt, sondern einen Schlenker macht und wieder das Mauerstück anpeilt, das mit den Beeren. Schlaufen.

Aber auch viel Hocken als Kontrast: In den hohen Ästen des Baumes saßen sie herum, aufgeplustert gegen die Kälte, recht nach beieinander, ohne Kampf (ein Leo?).

Viel Slapstick.

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