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- 12 08 2007 - 18:51 - katatonik

Katakombenheilige

“... Schon kurz nach der Wiederentdeckung der Katakomben setzte daher ein regelrechter Ansturm auf die Gebeine aus den unterirdischen Friedhöfen ein. Ein komplexes Antrags- und Bewilligungssystem sorgte dafür, dass Katakombenheilige nicht zum Massengut verkamen. Nur mit guten Beziehungen und viel Geld konnten Gebeine erworben werden. Die Schweiz besass über die päpstliche Garde hervorragende Kontakte zur Spitze der Kirchenhierarchie – deshalb gelangten auch besonders viele der begehrten Katakombenheiligen in die Eidgenossenschaft. Die erste Überführung erfolgte 1623, die letzte Mitte des 19. Jahrhunderts.
Oft brachten spezialisierte Händler die Gebeine über die Alpen, manchmal auch vermögende Privatleute, die ihrer Stadt einen Katakombenheiligen vermachen wollten. Waren die Knochen am Zielort angekommen, wurden sie – meist von Nonnen – sorgfältig zusammengesetzt, in Gazée gewickelt, in kostbare Kleider aus Samt und Seide gesteckt, reich geschmückt, mit einem Palmenzweig, dem Symbol der Märtyrer, in der knochigen Hand ausstaffiert und in einem gläsernen Schrein untergebracht. Oft blieben Teile der Knochen sichtbar, viele Leiber wurden aber auch in rekonstruierte Figuren aus Wachs oder Holz eingelegt.”

Handel mit heiligen Gebeinen (kath.ch)

Zwei Katakombenheilige befinden sich im barocken Stift Melk, Niederösterreich: Skelette, in kostbare Gewänder gehüllt, mit Edelsteinen verziert, teils von Gaze verhüllt, liegen in Vitrinen in etwa so lässig da wie der reclining Buddha von Wat Pho (hier zum Vergleich ein stehendes Exemplar à la façon de Centurio Nixalsverdrus). Drumherum Barockgold, pompöser Raum, mit Digitalkamera bewehrte Schwitzradfahrer, den Insektenhelm in der Hand haltend.


Wir haben im Gran Sasso mal eine Dorfkirche aus dem Barock besucht, in dem der junge Pfarrer uns die Gemeinde-Unterlagen zeigte. Darunter ein Zettel aus dem 19. Jahrhundert, ein Matrix-Vordruck (?), in dem irgendein Kardinal mit Hand ausfüllte, dass der heilige Knochensplitter No. Soundso authentisch war.

Das war ein Wisch von der Art:
“Seine Heiligkeit, Papst _______, bestätigt hiermit, dass Gebeinstück _________ Nr. ________ echt ist.
Gez. Kardinal __________”

War schon recht lapidar.

goncourt (Aug 12, 21:45) #


PS, ich hab’s, glaube ich, seit einiger Zeit mit Legasthenie – “Matrix” ist, ehm, falsch, oder?

goncourt (Aug 12, 23:17) #


“Ablassbriefe… Heiligungsformular nach § 5b… Weihwasser-Messgerät…”

micro_robert (Aug 13, 07:31) #


Jetzt wär ich gern eine westdeutsche Gitarrenband, da würd ich davon träumen, das Foto vom Pankratius für das Cover unserer ersten CD zu verwenden, falls es bis dahin noch so etwas gäbe. Auf die Rückseite käme dann ein Foto von Gerhard Richters neuen Fenstern im Kölner Dom.

züccaciye (Aug 23, 12:29) #

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