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- 6 11 2002 - 12:20 - katatonik

Schnipsel

“Das erste Zeitungsausschnitbüro wurde 1879 in Paris gegründet. Es fand rasch Nachahmer in anderen europäischen Metropolen, so auch in Berlin: dort belieferte beispielsweise das Büro für Zeitungsausschnitte von Dr. Max Goldschmidt oder das Zeitungsnachrichten-Bureau Adolf Schustermanns neugierige Interessenten mit Material. Unter den Abnehmern von Nachrichten aus diesem Papier-Recycling befanden sich auch einzelne Forscher. Die Sekukndärverwertung von Nachrichten ergänzte von nun an den gelehrten Zettelkasten oder das private Geheimarchiv, das im Hinblick auf eine nach der Emeritierung geplante Autobiographie angelegt wurde.
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Der Physiker Ernst Gehrcke sammelte eifrigst alle Zeitungsschnipsel, in denen sein Gegenspieler Albert Einstein vorkam – auch die theroetisch belanglosesten Dinge wie Karikaturen. Und die Sammlung des Technikhistorikers Franz Maria Feldhaus nahm beinahe größenwahnsinnige Dimensionen an. Nach später Zählung enthielt sie mehrere Zehntausende Karten, auf denen technikhistorische Fakten auf Zeitungspaperi aufgeklebt waren. Aus diesem Material sind schließlich, gleichsam durch ein Meta-Recycling von Informationen, rund 3000 Miszellen und Artikel für Tageszeitungen und Journale entstanden.”

Alexandre Métraux in der “Süddeutschen Zeitung” von 5.11.2002, anläßlich der Ausstellung “Cut and paste um 1900. Der Zeitungsausschnitt in den Wissenschaften” im Berliner Medizinihstorischen Museum. Ein gleichnamiger Begleitband ist in der Reihe “Kaleidoskopien” erschienen.

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