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- 5 05 2026 - 14:49 - katatonik

Obanzai

Politischer Protest: Ein Poster der kommunistischen Partei gegen den weiteren Ausbau von Shinkansen-Routen, es wirbt mit einer Katze. Auf einem comicesken Poster trägt eine zornige junge Frau eine Fahne, darauf steht “Gegen das Hotel!” (oder “Gegen Hotels!”, zur Differenzierung bräuchte es mehr Kontext.) Das war übrigens für mich in Kyoto das einzige sichtbare, spürbare Anzeichen von Overtourism. Ich mied Orte, wo damit zu rechnen wäre, recht erfolgreich. # sclaundry, eine ehemalige Weberei in Kyoto, nun ein aufgeräumter Waschsalon, im Hinterhaus ein behaglich-nüchtern gestaltetes Café mit Bagels, in den oberen Geschossen gerade eine Ausstellung des Fotofestivals Kyotographie, zufällig vorbeigekommen. Vor dem Haus steht das weithin sichtbare gelbe Banner des Festivals. Die Ausstellung zeigt Ergebnisse beeindruckender, langwieriger Projekte mit Materialien und der Zerlegung fotografischer Prozesse: Da werden Zeitungen erst gestaltet, dann vielfach gedruckt und in Pakete gepackt, in Wasser gelegt, dem Wind ausgesetzt, mit Kunstharz epoxiert, Entwickleremulsion ausgesetzt, und so weiter. Ähnliches mit Steinen und Farbschichten (vielen übereinander). Prozesse, die insgesamt ein Jahr dauern, mit aufgerauhtem, aufgeräumtem Fabrikcharme präsentiert. Wir stehen mit einem der drei Fotokünstler da, und er erzählt uns die Objekte. Es stellt sich heraus, dass aus dem Fotografieprozess verschiedene Schritte heraus isoliert wurden, im ersten Stock stehen die Objekte für einen Teil davon, am Dach die Objekte für einen anderen, das ganze also auch räumlich projiziert, sehr anmutig. Der etwa achtjährige Sohn des Künstlers hopst um die Objekte herum. # Im buddhistischen Myōkakuji-Tempel, einer kleineren Tempelanlage neben dem Higashi-Honganji (die wohl letztlich auch zum Honganji gehört), findet ein Ritual statt, in einem Nebengebäude wieder eine Ausstellung, die mir zwar künstlerisch weniger sagt, aber ohne sie hätte ich diese Tempelanlage mit ihrer Ruhe inmitten bemooster Steine und Farne (Tempelfarne, yay!) nicht gesehen. Die Künstler natürlich auch wieder total sympathisch, freundlich, scherzend. Kinder hopsen von Stein zu Stein, niemand sagt “abunai!” oder anderes Warnendes. # Das Fuji-Rabbit-Gebäude aus 1925, ein Taisho-Gebäude, ein verspieltes Kulturdenkmal, im Erdgeschoß ein pfundiges Fastfoodrestaurant mit ordentlichem Negitorodon um knapp 6 Euro. Ein mehrsprachiges Automaten-Bestellsystem, wobei dann auch die die fertigen Gerichte ausrufende Automatenstimme die eingangs gewählte Sprache spricht, oha. # Es war, das kann man sagen, ein starker Reisetag. Der Shinkansen selbst nur von Kyoto bis Shin-Osaka sehr gut gefüllt, dann der Waggon recht leer. Die Bahnhöfe jedoch übergut gefüllt mit Menschen, was zu erwarten war: Golden Week, ein achttätiger Zeitraum mit vier Feiertagen, wo alle, die können, frei nehmen und rumreisen. Die Schlange vor dem Taxistand im total verregneten Hiroshima eine gute halbe Stunde lang. Der Taxifahrer lud uns sehr höflich und mit großem Bedauern in strömendem Regen 300m vor dem Hotel ab, da wegen des Hiroshima Flower Festivals kein Durchkommen war. # Mit Schirmen durch die Stadt, ein kleines, überaus freundliches Restaurant, das sein Essen Obanzai nannte.