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- 22 05 2001 - 09:41 - katatonik

Die Spuren der Lemuren

das bürgerliche zimmer der siebziger jahre
“Betritt einer das bürgerliche Zimmer der achtziger Jahre, so ist bei aller ‘Gemütlichkeit’, welche es vielleicht ausstrahlt, der Eindruck ‘Hier hast du nichts zu suchen’ der stärkste. Hier hast du nichts zu suchen – denn hier ist kein Fleck, auf dem nicht der Bewohner seine Spur schon hinterlassen hätte; auf den Gesimsen durch die Nippsachen, auf den Polstersesseln durch Deckchen mit dem Monogramm, vor den Fensterscheiben durch Transparente und vor dem Kamin durch einen Ofenschirm. Ein schönes Wort von Brecht hilft von hier fort; weit fort. ‘Verwische die Spuren!’ .... die neuen Architekten … schufen Räume, in denen es nicht leicht ist, eine Spur zu hinterlassen. “Nach dem Gesagten”, schrieb bereits vor zwanzig Jahren Scheerbart, ‘können wir wohl von einer ‘Glaskultur’ sprechen. Das neue Glas-Milieu wird den Menschen vollkommen umwandeln. Und es ist nur zu wünschen, dass diese neue Glaskultur nicht allzu viele Gegner findet.’”
Walter Benjamin, “Spurlos wohnen”.

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