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- 16 04 2001 - 12:07 - katatonik

Zwickmühlen im Geplowder

Sie hören eine behauptende Äußerung, die Ihnen gleich doppelt gegen den Strich geht: Sie halten die Behauptung selbst für unzutreffend und finden darüber hinaus, dass gewisse angesprochene Voraussetzungen, auf denen sie aufbaut, keineswegs Tatsachen darstellen, wie der Behaupter anzunehmen scheint, sondern bestenfalls Vermutungen, die anzuzweifeln Sie glauben, gute Gründe zu haben.
Sie haben die Wahl. Entweder Sie lenken die allgemeine Aufmerksamkeit auf besagte Voraussetzungen, drücken Zweifel aus und handeln sich den Ruf eines Erbsenzählers ein, was zu unliebsamen Erschütterungen im sozialen Gefüge führen kann. [Der Typ rechts hinten hebt schon sein Bierglas. Und zwar sichtlich nicht, um noch eins zu bestellen.]
Oder Sie ziehen erst einmal Humorgewinn aus der Behauptung selbst ab und schließen Berichtigungen derselben nach dem Abebben von tosendem Gelächter bei allen Umstehenden an. Das hat den Vorteil, dass Ihnen unter Umständen Recht gegeben wird, weil Menschen aus purer Dankbarkeit gerne denjenigen, die sie lachen machen, Recht geben. [Davon abgesehen haben Sie sowieso Recht. Daher können Sie auch ruhig fragwürdige Mittel einsetzen, um Recht zu bekommen.] Die Konzentration auf die Behauptung selbst und das Hinwegplappern über besagte Voraussetzungen hat aber den Nachteil, dass Ihnen bei nächstbester Gelegenheit unterstellt werden kann, Sie würden die Voraussetzungen, die Sie ja nicht ausdrücklich bezweifelten, für Tatsachen halten. Das ist gar nicht so unwahrscheinlich, weil Lachenmacherrechtgeber oft auch gleichzeitig glauben, alles, was nicht ausdrücklich bezweifelt würde, werde für wahr gehalten.
Sie können natürlich auch schweigen und Ihre rhetorische Energie der Lösung des Welthungerproblems angedeihen lassen, was Ihnen vermutlich den Ruf eines dogmatischen Predigers einhandeln wird. Aber wenn Sie von sich und von der Dringlichkeit des Welthungerproblems überzeugt sind, stört Sie das vermutlich nicht. [Sie haben sowieso Recht. Daher können Sie auch darauf verzichten, dass das irgend jemand bemerkt.] Vermutlich würden Sie dann sowieso nicht in besagte Situation kommen, weil ohnehin nur noch andere Welthungerproblembesprecher das Wort an Sie richten. [Nicht einmal der Typ mit dem Bierglas reagiert mehr auf ihre Suaden. Gratuliere: Sie haben erkannt, dass Penetranz und ein leicht irrer Blick der beste Schutz vor betrunkenen Gewalttätern sind.]
Oder Sie können das Gespräch auf die Metaebene lenken und die Gesprächssituation zu analysieren vorgeben. Damit erscheinen Sie vermutlich ebenfalls als Erbsenzähler, können aber durch gezieltes Plazieren einiger linguistischer, kybernetischer oder informationstheoretischer Bonmots an Image gewinnen, was Sie an Sympathie verloren. [Den Typ mit dem Bierglas blicken Sie einfach ein-, zweimal mit leicht irrem Blick an. Dann sind Sie ihn los. Achten Sie aber auf den Welthungerproblembesprecher gleich neben ihm. Der holt schon tief Luft, und das bedeutet selten Gutes.]
Wie gesagt, Sie haben die Wahl.


in der Zwickmühle von plauderern .

vielen menschen die selbst nicht die "hirnf...brachialität" mancher (semi)professioneller rhetoriker besitzen oder auch nicht besitzen wollen würde es meiner meinung nach besser tun wenn sie sich die ohren verstopfen und den rhetorischen machtmenschen aus dem weg gehen. informationen können auch vom individuum gezielt oder besser konzentriert aufgenommen werden, ohne sich dem geblabber von egozentrischen rhetorikern auszusetzen. da diese den gesprächsfluss kontrollieren und ihr ego dadurch in immer uneinholbarere ebenen bewegen und Mauern und Schießstände der linguistik um sich aufbauen, können oder wollen sie viele simple dinge durch ihre überhebliche verintellektualisierung nicht mehr wahrnehmen.

alle die da nicht mitmachen wollen (weil´s ja bekanntlich immer wieder die grossgoschadn anführer&Innen gibt die einem das leben schwermachen wollen) rate ich tief durchzuatmen und sich nicht den diktaten von dauerblabbernden menschen auszusetzen.und trotzdem offen zu sein für information, wissen und zumindest ein klein bisschen optimismus.

katha (May 19, 16:19) #

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