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- 21 05 2002 - 01:57 - katatonik

Erleichterung

Erleichtert nehme ich zur Kenntnis, dass auch andere Menschen Elektroträume haben.
Mir träumte unlängst, ich träfe während einer Zugfahrt auf zwei junge kanadische Eishockeyspieler, die beide reichlich vernarbte Gesichter hatten, so riesige Körperschutzpanzer trugen und auch ihre Hockeyschläger dabei hatten. Einer davon war äußerst freundlich, und ich schüttelte ihm die Hand, und mir wurde ganz anders.
Etwas später befanden wir uns alle, inklusive des üblichen Repertoires an herumlungernden Traumnebengestalten wie jauchzende Telefonbücher, auf Abruf bereit stehende Darth-Vader-Gestalten und murmelnde Panzerknacker, in einem etwas heruntergekommenen Gebäude.
Der freundliche Eishockeyspieler machte sich in einem Hinterzimmer an einem Computer zu schaffen. Der Rest der Belegschaft lungerte unaufgeregt rum. Da betrat plötzlich ein riesiges Schaleninsekt den Raum, so in durchschnittlicher Bürosesselgröße und höhe. Ähnlich, aber nicht so ekelerregend, wie eine Kakerlake. Es hatte Fühler und einen dunklen Panzer und eine weiße Brust. Der zweite Eishockeyspieler und ich machten uns sofort daran, es umzubringen. Es kam zu den üblichen Insektenkillerszenen. Da lag das Ding ganz flachgeschlagen da, und ich sehs an und weiß schon, das wird sich wieder rund machen und aufspringen. Und da macht es sich rund und springt auf.
Nach einigen erfolglosen Versuchen kommt der zweite Eishockeyspieler herbei. Unser Killerlärm hatte ihn offenbar von seiner Arbeit abgelenkt.
Mit sanfter Stimme macht er uns Deppen äußerst höflich darauf aufmerksam, dass es sich bei selbigem Insekt um den besten XML-Parser von überhaupt handelt, und dass es keine gute Idee wäre, den umzubringen. Der Parser demonstriert daraufhin seine Kenntnisse, indem er mit feinen Fühlern auf einer plötzlich erstehenden senkrechten grauen Nebelplatte hin
und herwuselt. So sieht das also aus, das Parsen.
Wir bösen Parserfastkiller gehen in uns und entschuldigen uns beim Parser, der aber mit Parsen zu beschäftigt ist um uns unsere Schuld abzunehmen. Ich denke mir noch grumbelnd, na toll, so krieg ich den reizenden Eishockeyknaben nie ins Bett, aber da wache ich natürlich schon auf.


ich hätte gerne noch den zweiten, nicht so netten eishockeyspieler charakterisiert. bitte legen Sie sich nochmal in trance.

stephan (May 21, 08:21) #


naja, es war ja nicht so dass er nicht so nett war. er war sogar ein verbündeter in der trottelhaftigkeit des gemeinsamen parserkillens. sowas soll man nicht unterschätzen, leute die in träumen gemeinsam mit einem selber dummheiten machen.

katatonik (May 21, 10:45) #


hast du dir schon mal überlegt deine träume als drehbücher zu verkaufen. dieser klingt nach dem zweiten teil von http://.../>starship troopers.

snvl (May 21, 12:43) #


ich dachte eher daran, daraus ein existenzialistisches französisches drama mit geekischer atmosphäre zu basteln. jules et jim auf xml oder so. mal sehen, ob sich das träumen läßt.

katatonik (May 21, 14:19) #


eine zeitgemäße interpretation von trio infernal?

snvl (May 21, 17:23) #


genau. möchtest du vielleicht produzent sein? oder eine tragende (?) rolle übernehmen?

katatonik (May 21, 17:39) #


darf ich die moderne variante der salzsäure spielen?
du mußt mir nur sagen wie ich was aufzulösen hab.

snvl (May 21, 18:40) #


hm. die eishockeyschläger könnten sich gut in auflösung machen. mit der symbolik kann man dann vielleicht auch noch ein paar psychoanalytisch geeichte filmkritiker zur abfassung begeisterter kritiken bewegen (phallische objekte zersetzt und so).

katatonik (May 21, 19:01) #


Well, ich habe letzte Nacht geträumt, ich sei auf Recherche in einem unangenehmeren Teil der Sowjetunion unterwegs. Szene in einem ultra-obskuren Supermarkt am Flughafen... Meine Ausrüstung fällt runter, verteilt sich klappernd auf dem unebenen, mit crèmefarbenen Fliesen ausgelegten Fussboden... Alles, alles wird geklaut. Die Menschen in dem Traum sind keine Menschen, sondern verdichtete Bedrohungen. In dem Traum kam ich lebend wieder raus. Das ist gut. Lässt auf intaktes Selbstvertrauen schliessen.

gHackDreamSimulator (May 21, 22:04) #


das klingt ja dann eh genauso wie der russensupermarkttraum. träumst ja wohl sehr wirklichkeitsnah.

katatonik (May 22, 00:19) #


oder auf merkwürdige sehnsüchte, induziert durch das superheimelige übersichere schweizer leben (so stell ich mir das eben so vor).

katatonik (May 22, 11:25) #


Sagen Sie das nicht. Bis ich im hauseigenen eidgenössisch geprüften Atombunker bin, hat mich schon längst die Gammastrahlung der von Mullah Abdullah über der hiesigen BWLer-Uni abgeworfenen Antiglobalisierungsbombe als vagen Schatten an die frisch gekalkte Wand gestrahlt. Denn Mullah Abdullah ist, wie alle ambitionierten Arschlöcher, ein Frühaufsteher und lässt zur Unzeit explodieren. Nämlich so um 05:30 Uhr NATO-Zeit. Ungefähr.

gHack(Bunkerwart) (May 22, 11:32) #


ich dachte immer, die schweiz IST ein atombunker, sodass sich der schweizer erst gar nicht in einen solchen begeben muß. und: was, in der schweiz, werden wände GEKALKT? illusionenpaläste krachen in sich zusammen.

katatonik (May 22, 11:40) #


Ich bin ja auch kein Schweizer, sondern ein Uuslandrr. Wir leben am Stadtrand. Aussenrum wohnen andere Uuslandrr, vor allem solche, die lustige Dinge tun, wenn die italienische Fussballnationalmannschaft ein Tor schiesst, oder ein Ferrari ein Autorennen gewinnt. In der Nachbarschaft haben wir eine Filiale von MIGRANT, der extraterritorialen Supermarktkette. Man geht in eine Filiale von MIGRANT, zeigt seinen Uuslandrr-Ausweis, darf den Verkaufsraum betreten, zu EU-üblichen Preisen einkaufen, aber muss die erworbenen Produkte noch in der Filiale in einer der Mikrowellen-Kochnischen zubereiten und verzehren; sie dürfen das schweizerische Staatsgebiet nur in bereits metabolisierter Form betreten. Nachts schwingt die Luft leise von den riesigen Luftschiffen, die aus der EU über gesicherte Luftkorridore einfliegen und den MIGRANT-Markt mit Nachschub versorgen. Container für Container. Manchmal schlachten sie die eingeflogenen Tiere noch direkt auf dem Verladedeck. Die Schreie der sterbenden Kühe hallen hart an die Wände der Betonsiedlung. Man sieht nichts. Sie haben Restlichtverstärker, wir nicht. Schweizerfahne knattert im Wind. Traumlose Gegend.

gHack (May 22, 11:51) #

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