Go to content Go to navigation Go to search

- 14 09 2002 - 11:09 - katatonik

An evening with the Schnöselwösels

Nach zwei Minuten am Museumsquartier-Areal lief ich freundlichen Bekannten über den Weg, was zur Vermutung Anlaß gab, dass die Eröffnung des “Quartier 21” Freundlichebekanntentreffgelegenheit vor angenehmer Kulturhinterspülung werden würde. Das könnte ja reizvoll sein, durchaus.
Diese Vermutung stellte sich als falsch heraus, leider.
Es gab BreakDance-Vorführungen (kein Scherz), ungarische Volksmusik, Grandmaster Flash, viele schöne und schnöselig geschwenkte Wein- und Sektgläser und eine Unzahl von Wein- und Sektgläser schwenkenden Schnöseln und Schnöselinnen, denen die Schnöseligkeit nur so aus den Schnöselwöseln kröselte.
Die mitternächtliche Darbietung von “monochrom” war vor diesem Hintergrund ungemein erleichternd: antville-kompatible Kalauerei war tatsächlich das Beste, was einem kulturell in dieser betäubten Umgebung belangarmen Rumhüpfens und Belang vorspielender Schnöselei noch passieren konnte.
Ich habe viel und laut gelacht. Die um mich herum Stehenden haben gar nicht gelacht.
Das gab mir zu denken, aber nicht viel.


das find ich ja nett, dass wir hier erwaehung finden.
bzgl. "maturaball" in deiner anderen erwaehnung von "blutzoll im teufelsquartier". das unterschreibe ich ja sofort. hier gehoert jetzt ein smiley her - aber ich weigere mich einen smiley zu machen.
wobei wir aber tendenziell ja auch begriff wie "creative industy" und den umgang der tranzendenzgeilen linken aufdroeseln wollten. nur ein kleiner teil des dings war kulturestablishment bashing, am ehesten war das wohl begriffs- und zuschreibungsbashing. aber egal. wir scheinen ja irgendwie im hinterkopf haengengeblieben zu sein. mehr kann man sich ja gar nicht wuenschen.

grenzfurthner (Sep 21, 22:21) #


oh wie reizend, eine smileyfreie erwähntenrückmeldung!
mein langzeitgedächtnis bei dramatischen darbietungen weist leider etliche mängel auf, vor allem den seiner inexistenz. daher kann ich das "begriffs- und zuschreibungsbashing" jetzt im hinterkopf nicht mehr verbeispielen, obwohl da sicher was rumhängt. im hinterkopf.

naja, das äußert sich dann in einigen stunden vermutlich in fieberträumen von maturaballeröffnenden tanz-notebooks, die an der maturaball-kellerbar darüber jammern, wie sie vor lauter kreativität noch ihre letzte feststelltaste der transzendenz opfern. dann schenken sie sich stamperlweise bildschirmreinigungsflüssigkeit ein und kotzen apfelmännchen auf den flur, die auf mysteriöse weise zum leben erwachen und den abend retten. äh, wo war ich?

über die "transzendenzgeile linke" würde ich freilich gern mehr erfahren.

katatonik (Sep 21, 23:06) #


abgesehen davon, dass ich wieder mal feststellen musste, dass ich kurz nach vor-dem-fernseher-wieder-aufwachen keine google-recherchen machen und dann erst recht keine kommentare schreiben sollte (siehe: tippfehler- und grammatik-waterloos) freue ich mich ueber dies schnelle geposte.

ad t.g.l.
in den paar tagen vor q21 eroeffnung kam ja die staendige frage. "werdet ihr jetzt sesshaft?" das hat uns ja sehr beruehrt. und sogar "un/gebunden" kam da von der presse. „ungebunden“ ist ja mehr was fuer schwiegermuetter und firmengruenderinnen. es bedeutet, glaube ich, ein eigenes konto zu eroeffnen und im urlaub ab nach australien, neuseeland oder auch mal auf den mond, also wenn mensch das mal kann (dann aber nichts wie hin). „sesshaft“ ist ein begriffsmuschel, die das allgemeine 1000 plateaus-auch-kennen an den strand der debatte um das quartier21 gespuelt hat. wenn man ihn ans ohr haelt, hoert man sogar das weisse rauschen anderer beliebter begriffsbildungen des deleuzianischen immanenzdenkens: „nomadismus“, „organloser koerper“, „fluchtlinie“, „rosaroter panther“, „kafka“, „begriffsperson“ und die „wespe“, die so gerne eine „orchidee“ geworden wäre. naja. der immanenz als einzige revolutionäre perspektive ist es aber eigentlich egal, ob sie jetzt im museumsquartier aufgehängt ist oder im computer von dr. x.. sie ist das aktive vergessen – von dem nietzsche einst sang – des raumes, also des diskurses, also der handwerklich gut gemachten institutionskritik, also dem ganzen ddr-fernsehballett namens „widerspruechlichkeit“. nomadismus heisst ja nicht mit dem zelt zum campen an den klopeiner see fahren, und dort marshmallows roesten. auch, wenn die traditionell transzendenzgeile „linke“ (as in „widerstand heisst das gebot der stunde“ oder wie das heisst) das immer denkt, wahrscheinlich weil sie so naturfreunde sind, die gerne (ich meine das uebrigens immer noch symbolisch) wandergitarren zum feuerplatz schleppen und dort „skifahrn“ spielen. nomadismus bedeutet die permanente zerbroeselung von transzendenz.
jetzt schlaf ich wieder vor dem fernseher ein und morgen erinnere ich mich an nichts mehr.
was wurde eigentlich aus: mini bydlinski?

grenzfurthner (Sep 22, 00:32) #


besser tippfehler- oder grammatik-waterloos als inhalt-robinsons. die sind immer so schnauzbärtig.
zu mini bydlinski könnte ich auch nur fieberhaft googeln. er feierte, so scheint's, am 3. august seinen 40. geburtstag, wozu ich nachträglich gratuliere. 2002 scheint das 20jährige jubiläum der "hektiker" gefeiert worden zu sein, wozu ich ebenfalls gratuliere, ebenfalls nachträglich. vielleicht läßt sich aus diesen informationen zahlenmystisch etwas gewinnen. vielleicht ist sogar "mini bydlinski" die antwort auf dieses trigonometrisch-geometrische rätsel. gewagt, ich weiß, aber wer nicht wagt, der nicht prothese.
wenn ich dich recht verstehe, was bei leicht fiebriger whiskykur nicht zu garantieren ist, geht es um falsch verstandenes, nämlich transzendentes, nomadisierungsgeschwurbel, das sich unter umständen schon gegen die beschreibung einer person als "gelegentlicher billa-einkäufer" unter verweis auf paragraph 1 des anti-essenzialismus-manifests verwehren würde. so drechsle ich das jedenfalls hin, um mich zuprostend an diesem gänzlich schnauzbartfreien inhalt erfreuen zu können. von deleuze habe ich keine ahnung, übrigens. jedenfalls nicht wissentlich.
weshalb sich der gegensatz immanenz-transzendenz zur beschreibung von marshmallow-nomadismus vs. nichtmarshmallow-nomadismus aufdrängt, verstehe ich allerdings nicht so recht, nicht einmal mit noch einem stamperl. hm.

katatonik (Sep 22, 01:08) #


es ist morgen und ich erinnere mich an manches.

bei "teufelsquartier" ging es um ein mitternachtskompatibles ueberaffimieren der schwarzmalerei, die ja von malmoe et.al. verbreitet wird (siehe t.g.l.). allzu zuversichtlich bin ich ja auch nicht was das q21 bringen soll, aber was da an paradigemenwechselgesuelze ankommt ... herrjeh. tendenziell hatten wir weniger den wunsch waldner-schimpfe auszuteilen (das koennen andere besser) als ein potpourri-pandaemonium moeglichen kreativ-/kultur-wirtschaftlichen scheiterns und szene-splittings (was der pinguin ja ernsthaft behauptet; also "die die drin sind" gegen "die die draussen sind") zu praesentieren.

schoen finde ich ja, dass du wahrscheinlich als einzige person im raum was mit "beiss in die wachskaulquappe" anfangen konntest. wir haben ja tatsaechlich vorher diskutiert ob ueberhaupt --irgendjemand-- das kennt.

grenzfurthner (Sep 22, 10:53) #


ich gestehe, die geschichte mit den wachskaulquappen hab ich auch erst im nachhinein ergoogelt. mir gefiel einfach der spruch als solcher.
im traum kamen heute übrigens leider keine notebooks vor, sondern nur zahnärzte, mit denen über filmrezeption an sich und ihre determinanten diskutiert wurde. der zahnarzt meinte, rezeption würde gänzlich vom rezipienten und seinem umfeld bestimmt, ich meinte hingegen, so irgendeine rolle würde der beschaffenheit des films selbst ja wohl auch zukommen, so einfach ginge das wohl nicht. der zahnarzt verschwand daraufhin und war fortan telefonisch nicht mehr erreichbar, obzwar eine fülle prä- und historischer telefonapparate verwendet wurden, um mit ihm kontakt aufzunehmen.
ich aber kaufte mir fünf sorten zahnpasta und mußte sie durch einen park nach hause bringen, in dessen bäumen indische riesenflughunde lauerten und schüler picknickten. eine herausforderung.
das also hat das "teufelsquartier" meiner hirnrinde angetan.

katatonik (Sep 22, 12:45) #


gern geschehen.

mir traeumte einst ich saesse an einem tisch, im anzug. andauern kommen personen, die mir pakete auf den tisch legen. ich nehme das verpackte material und werfe es in einen briefschlitz hinter mir. ich bemerke auf dem schreibtisch ein schild. „import/export”. das war beklemmend!
http://www.monochrom.at/traum/

grenzfurthner (Sep 22, 13:00) #


auch eine art des kulturtransfers, hähä, das mit den paketen. die humoresque ist übrigens entzückend.

hier wurde auch eher heftig geträumt. ohne riesenflughunde.

katatonik (Sep 22, 14:24) #


bzgl. der kabarettistInnen diskussion in deinem anderen forum (http://campcatatonia.org/index.php?id=1010) hat unser werter monochrom, der herr frank.apunkt.schneider@monochrom.at, angekuendigt seinen letzten text reinzuposten. der ist ziemlich lang. aber aeusserst sachdienlich.

grenzfurthner (Sep 22, 17:14) #


vorzüglich. nix wie her damit.

katatonik (Sep 22, 17:15) #


habe jetzt - wegen laenge und fussnoterei - eine seite auf unserem server angelegt. link im anderen forum: http://campcatatonia.org/index.php?id=1010

grenzfurthner (Sep 23, 00:17) #

  Textile Help