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- 24 03 2003 - 23:44 - katatonik

Wg. Videospielästhetik

(vgl. die üblichen Verdächtigen)
Wer hat eigentlich damit angefangen, Kriegen eine besondere Ästhetik zuzuschreiben?


weiß ich leider auch nicht. ich nehme aber an, dass ästhetische erwägungen ziemlich früh eine rolle spielten. schlachtordnungen und der ganze mumpitz, einschüchterungs-aussehen, you name it. und wenn man sich schlachtengemälde in den diversen nationalgalerien ansieht, ist da ja auch viel ästhetisierung am werke.
was den 2. weltkrieg betrifft kommt das auf jeden fall nicht selten vor. ernst jünger, der auf dem balkon steht, champagner nippt und das kriegsgehagelhimmelsleuchten goutiert. all so zeug.

praschl (Mar 25, 21:50) #


Könnte auch sein, dass das eher von der Strategie her kommt. So wie man als Schachspieler bestimmte Züge "schön" finden kann. Die "Ästhetik" von Kriegen wäre dann sowas wie eine Ästhetik der Gedanken, die hinter bestimmten Kriegsereignissen stecken - und hätte mit dem konkreten Gemetzel wenig zu tun. So wie "Kriegskunst" halt die "Kunst" ist, einen Krieg zu führen.

bov (Mar 26, 17:03) #


hm. wenn jetzt davon geredet wird, kriege hätten heutzutage so eine "videospielästhetik", scheint mir da etwas anders gemeint zu sein als die schönheit von zügen, strategien und manövern.
gegenüber früheren verbindungen von krieg und ästhetik (früher als jünger) liessen sich vielleicht unterscheidungen treffen. weiss aber noch nicht, welche.
denke in richtung verselbständigung einer ästhetischen betrachtung, ablösung von "einschüchterungs-aussehen" früherer ären, gleichzeitig vermutlich auch moralisierung ebenjener ästhetik (videospiel-ästhetik -> böse!)

katatonik (Mar 26, 23:38) #


guter einwand. man nimmt etwas als "ästhetisch" war (ein video auf einem presse-briefing, auf dem man sieht, wie eine lenkrakete ins ziel gelenkt wird), und dann wirft man denen, die das video zeigen, vor, sie würden den krieg mit einem videospiel verwechsen und statt seiner grausamkeit "ästhetik" zeigen. dabei wollten die video-vorführer nur zeigen, dass sie ihr ziel getroffen haben, ihre kriegsführung also effektiv ist und genau die schäden anrichtet, die angerichtet werden sollten.

die ästhetik dabei wird also eher der darstellung, abbildung, dokumentation oder wie immer man es nennen will, angelastet als dem krieg selbst. (in dem sinne: wenn man keine leichen sieht, aber sich ausrechnen kann, dass es leichen gegeben haben muss, ist es "ästhetik"). "ästhetik" ist dann das nicht-zeigen dessen, was krieg "ist" - nämlich die materiellen effekte.

vermutung: geht erst, wenn man kriegsführung in echtzeit überhaupt zeigen kann und zwar aus einer gewissen distanz, die es ermöglicht, die effekte auf menschen nicht mit zu zeigen. müsste also irgendwas mit luftkrieg zu tun haben.

ich kann mich dunkel an günter anders -passagen in der antiquiertheit des menschen erinnen, das irgendwann in den 60ern geschrieben wurde, in dem so ähnliche motive vorkommen, in zusammenhang mit den atombomberpiloten, die hiroshima und nagasaki bombardiert haben; mit einem davon hat anders damals eine ausführliche korrespondenz gehabt, die dann auch anlass eines eigenen buchs wurde. ich weiß aber nicht mehr, ob dort schon die rede von "ästhetik" ist, inhaltlich wird aber so ähnlich argumentiert wie bei den videospielästhetik-kritikern.

praschl (Mar 27, 23:40) #


fuck peinliche rechtschreibfehler----

praschl (Mar 27, 23:41) #


ach, diese weblog-rechtschreibfehlerästhetik.

katatonik (Mar 28, 00:19) #


was meinen die leute, die die videospielästhetik im munde führen? ich vermute, das spiel, der krieg soll möglichst unüberlegt, dumm und reflexhaft wirken. grundmodell ballerspiel: alle umnieten, wegrennen, nächster gegner. mehr taktik ist da nicht. es ist jedenfalls nichts ästhetisches gemeint, sondern eine masche.
weitere konnotationen: unrealistisch, vereinfacht, monadisch vs. reelle bedrohung. für mich klingt hier auch das element des bewussten verniedlichens mit, ein euphemismus, der bewusst gemacht werden soll.

LaTaiga (Mar 28, 23:08) #

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