Go to content Go to navigation Go to search

- 16 05 2002 - 17:29 - katatonik

nochmals jelinek

bodo schrieb einen ausführlichen kommentar zu meinen eindruckssprengseln ad elfriede jelinek. er formuliert aus, was ich nur als verdacht angedeutet hatte, nämlich die ähnlichkeit jelinekscher entwürfe mit theoretischen ansätzen marke foucault oder adorno. allerdings würde ich das insofern etwas anders sehen, als die jelineksche totalisierungsliteratur, die die verfaßtheit des menschen und der gesellschaft und der körper in ein gänzlich hoffnungsentleertes bild setzt, mir nicht wirklich als “kritik an modellen der aufklärung” zu verstehen scheint. vielleicht nicht einmal als “scheitern emanzipatorischer bewegungen”. so politisch konkret oder austheoretisiert scheint mir das denn doch nicht zu sein. am ehesten sowas wie pessimistische metaphysik. und irgendwo würde dann doch auch eine kleine fußangel stecken. wenn man davon ausgeht, dass kritik an der aufklärung auch an deren totalisierenden metanarrationen ansetzt, dann würde jelineks “aufklärungskritik” bestenfalls einer totalisierenden metanarration eine andere entgegengsetzen. oder?
dass der politische ausweg nicht mitformuliert würde, so bodo, könne man einer schriftstellerin nun wirklich nicht vorwerfen. das wollte ich auch nicht. aber es gibt zwei fragen, die dennoch offen bleiben und, denke ich, legitim sind: (1) welche art von politik kann eine autorin solcher texte in ihren politischen essays glaubhaft vertreten, wenn sie denn überhaupt eine art von poliitk vertreten kann? (2) wie kommt es, dass jelinek (ob nun vorwiegend als autorin literarischer texte oder politischer essays, kann ich nicht beurteilen, weiß auch nicht, ob das das publikum so trennt) von, glaube ich, doch nicht allzu wenigen leuten in österreich als politische autorin gelesen und wahrgenommen wird? mir geht es gerade darum zu fragen, wo sich hier ein politisches moment zeigt (oder verbirgt), und um welche art von politikverständnis es sich dann handeln kann.
zu der “herangehensweise an erkenntnisprozesse” (bodo), um die es bei jelinek ginge, und die ich ihrem muster nach mit radikalem kartesianismus verglichen hatte, vielleicht ein andermal mehr.





Vielleicht ist es eine Abwehrreaktion in Bedrängnis. Sie wird ihr eigener Idealtyp (Max Weber) und gerinnt dadurch in Werk und Leben ironischerweise zur formstabilen Marke.

Ha! Das hab' ich schön formuliert!

gHack (May 16, 22:56) #


kein gäste-eigenlob im kommentarbereich, wenn ich bitten darf. es reicht schon, wenn gäste mit spektakuläreren dentalen betäubungserlebnissen aufwarten können als ich. - auf so quasi-psychologische kategorien wie abwehrreaktionen möchte ich mich beim verständnis von literatur eigentlich nicht einlassen.

katatonik (May 17, 11:33) #

  Textile Help