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- 18 11 2001 - 20:39 - katatonik

unlängst vorm abendessen

während in der küche ein curry köchelte die ersten 60 seiten von catherine millets “la vie sexuelle de catherine m.” gelesen (zu deutsch “das sexuelle leben der catherine m.”, erschienen bei goldmann). belustigte erinnerungen an und unprätenziöse berichte von unbekümmerten vögeleien mit sehr vielen männern und auch ein paar frauen, mal zugleich, mal nacheinander.
hängengeblieben: sie habe nie etwas initiiert, schreibt frau millet, über ketten und durch netze von männern sei sie von einem zum anderen gelangt, immer über vermittlung; das zufällige zusammentreffen und dann rumvögeln mit fremden etwa in zugtoiletten oder so liege ihr nicht.
auch die verführung als elaboriertes ritual, nach dem sex eigentlich nur noch enttäuschend erlebt werden kann, habe sie nie interessiert. “kumpelhaftigkeit” steht irgendwo, als etwas, was männer an ihr wahrnahmen und schätzten. auch, dass sie sich nackt vor männern sicherer gefühlt hatte als in bekleidung, in der bekleideten symbolwelt der sozialen zusammenhänge.
dass sie unterhaltungen bei gesellschaftlichen ereignissen bald langweilten, sie würde dann unkonzentriert und bald ihr bein in das eines nebensitzenden einschlagen oder so. die lustvolle begegnung mit oft fremden männern würde sie mehr interessieren als das ganze soziale brimborium. auch mehr als zweierbeziehungen. “flucht” steht in dem zusammenhang auch irgendwo.
“gefügigkeit” steht auch irgendwo, als etwas, deretwegen sie von männern immer geschätzt worden war. gefügigkeit im sinn einer sexuellen aufnahmebereitschaft, der bereitschaft, mit lust und aus lust heraus zu reagieren.
ganz nette lektüre. nett, sowas geradeheraus formuliert und sympathisch präsentiert zu lesen, ohne schon allfällige konsequenzen daraus mitserviert zu kriegen. über so sachen wie die gefügigkeit, ein verdammt enges (!) bild der frau beim sex und so kann man dann schon selber traurig sein. braucht man ja im buch nicht mitgeliefert zu bekommen, was man dann davon hält.
das curry war übrigens großartig. ob ich die restlichen 200 oder so seiten des buches lesen werde, weiß ich noch nicht.

dazu noch vom sofa: “die frau, die fickt. mutmaßungen über madame millet.” und vom guardian ein text über die sich in frankreich entsponnen habenden diskussionen darüber. um weitere hinweise auf intelligente texte zu diesem buch wird gebeten; finden konnte ich keine.

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