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- 26 05 2002 - 18:37 - katatonik

Klingt verdammt lange her

“Wenn man den Körper nicht politisiert, dann kann man doch einen Dialog führen, dann kann man sich miteinander in einem diskursiven Verhältnis verständigen. Wenn man den Körper politisiert, dann kann man sich nicht verständigen, denn man muß voraussetzen, daß, wer einen Körper hat, gemessen zu diesem Körper denkt. Und wer einen anderen Typ Körper hat, zu einer anderen Rasse oder zu einem anderen Geschlecht gehört, kann uns im Prinzip überhaupt nicht verstehen, kann nicht wie wir denken. Das heißt, der andere ist dialogunfähig geworden. Und wenn der andere dialogunfähig ist, dann hat nur die Gewalt etwas zu reden … alles, was zum Körper gehört, wird als Recht eingefordert”.

Damit wird die Trennung von öffentlichem und privatem Bereich aufgehoben, soziale Konflikte werden nicht mehr quantitativ ausgehandelt, sondern qualitativ erstritten: Wir bekommen Geld, weil wir diesen und jenen Körper haben.
“Es gibt überhaupt keine Bewegung in der Welt, über die man sagen könnte, daß sie in nichts recht hätte…man kann nie so lügen, daß man keine Wahrheit sagt, das ist unmöglich.”
... Der Zivilisationsprozeß ist ein kultureller und kein gerichtlicher Prozeß.


Zitate aus einem Interview mit Agnes Heller und Ferenc Féher aus einem Standard anno 1994, damals festgehalten; zusammenfassende Anmerkungen dazu von mir anno 1994. Hier ein ausführliches Interview mit Heller. Heller und Féher sind Autoren von “Biopolitik”, erschienen bei Campus anno 1995. Sehr lesenswert.


In der Tat: Interessantes Feld. Meine MA hab ich ja seinerzeit zum Thema "Cyborgs" gemacht. Da spielte das auch mit rein. Vielleicht ist die nächste Konsequenz ja die Auflösung des Körpers in Sub-Komponenten.

gHack (May 26, 19:19) #


die dann ihrerseits biopolitische gruppierungen bilden und für ihre rechte gegeneinander streiten? dachte immer schon, dass die interessen des geschmackssinns und der leber nicht, äh, dialektisch voneinander aufgehoben werden können. da steht wohl noch einiges bevor.

katatonik (May 26, 19:22) #


Naja, der Dünndarm hat's auch nicht so dicke. Und das Gehirn verbraucht immerhin 20% der Energie des gesamten Körpers. Da kann man als eher ventrales Organ schon milztrauisch werden.

gHack (May 26, 19:57) #


hehe. vermutlich wird sich dann auch die konfliktbeziehung zwischen artifiziellen existenzen wie cyborgs und menschen auf die ebene einzelner komponenten verlagern: die künstlichen hüftgelenke gegen die natürlichen. und die artifiziellen nervenzellen zucken mit den achseln und meinen, was wollt's, ihr natürlichen organg'fraster, besteht's ja eh nur aus wasser.

katatonik (May 26, 20:07) #

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