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- 15 08 2026 - 19:39 - katatonik

Elementarteilchen

Feistritz ist ein Ort in Kärnten. Das sehr bittere alkoholfreie Bier, das ich vor einigen Wochen im oberösterreichischen Gallneukirchen trank, war aber doch sicher nicht aus Kärnten, nein, es war kein Feistritzer, sondern ein Freistädter. Tagelang wundere ich mich hier, im Hinterkopf, weshalb ich Menschen ausgerechnet vom Feistritzer Bier vorgeschwärmt hatte, und niemand hatte mich korrigiert, dass das doch unmöglich sein könne, dass doch bitte in Oberösterreich niemals ein Kärntner Bier, und überhaupt. Der Algorithmus greift daneben, das Hirn greift auch daneben, und es macht oft einfach überhaupt nichts. Die Gurken wachsen ungehemmt. Die Büsche am Dach rauschen im Wind. Der Wein am Dach ist dieses Jahr über die Pergola gewachsen und rauscht auch im Wind. Es gibt Wind. Die Perseiden blitzen über den Himmel, nachdem der Mond die Sonne verfinstert hat. Die Nachbarn hatten eine SoFi-Brille übrig, die sie uns, den andern Nachbarn, die keine hatten, borgten, so ging also eine SoFi-Brille reihum, und wir sahen den Mond vor der Sonne, kurz, und freuten uns. Der Himmel bewölkt sich. Der Himmel bleibt blau. Die Tomaten werden mehr, und manche werden wieder rot. Es ist wieder, noch, möglich, abends zu schwimmen. Immer noch meßbar langsamer schwimmend als üblich gleite ich dennoch an einem muskulösen älteren Mann vorbei, der sich rasch und energisch bewegt, der auf das Wasser einschlägt, und ich denke, Baby, du machst viel zu viel, das Wasser belohnt so etwas nicht. Die Aroniabeeren sind sowas von üppig und zahlreich, und allmählich werden sie so unbitter, dass sie geerntet werden könnten. Aroniasirup? Aroniachutney? Der Sanddorn ist reif, aber es gibt dieses Jahr keine Rotschwanzküken, die die Beeren abfressen. Drei Amselküken sind da, hingegen, und sie sind seltsam zutraulich, als würden sie näher an uns heranrücken, weil es geboten ist. Ihre Schwanzfedern lugen aus Verstecken hervor, sie breiten ihr Gefieder in der Sonne aus, sie trinken, sie baden, sie picken, sie fressen, sie betteln gelegentlich vorbeikommende Eltern an, die sie nicht mehr füttern. Überschüssiges Gießwasser fließt durch die Regenrinne nach unten in den Hof, wo Pflanzen wurzeln. Der Gedanke ist mir noch nie gekommen, dass wir mit überschüssigem Gießwasser indirekt die Hofpflanzen wässern, aber da ist er nun, der Gedanke, und setzt sich dort fest, wo andere Gedanken allmählich entwurzelt abdriften. Menschen fehlen, immer noch, sowas schnürt den Hals ab, manchmal. Here we are, stuck by this river. Die Werte, die letzthin schlechter waren, sind jetzt besser. Organe verhalten sich unauffällig.