Landpartie
Am Land wird immer so viel Auto gefahren, zur einen Wanderung, zum anderen See, in über Kreisverkehre gut erschlossenen Supermärkten am Rande zersiedelter Kleinstädte Proviant pickend, in Cafés dort Affogatos einnehmend. # Die Cafés neben den Einkaufszentren in den Randzersiedlungen gut besucht, aber auch im Zentrum der Kleinstadt gibt es nun eine neue Espresso-Bar, natürlich mit einem sauberen Affogato. # Eine 60jährige Friseuse starb, als ein 62jähriger Lastwagenfahrer seinen mit Schutt beladenen Wagen in ihr Geschäft fuhr; ein medizinischer Notfall wird vermutet. # Die burgenländische Firma, die Thermalwasser zum Beheizen von Gewächshäusern nützt, vertreibt vor Ort äußerst preiswertes und gutes Gemüse. # Aus einer Bäckerei wurde eine Nudelfirma, vielfältiger Werksverkauf mit angeschlossenem Museum inklusive historischer Nudelerzeugungsgeräte. # Man sagt hier “Nudeln”, nicht “Pasta”, aber die Geräte sind natürlich italienische Fabrikate. # Plaudrige Freundlichkeit. # Ich hatte nicht erwartet, dass eine Ausstellung über Blumen dermaßen viele Blicke auf das Phänomen werfen könnte, und dermaßen erhellend. Man genieße das digitale Begleitheft. # Im Bruseum der Neuen Galerie begleitend zu allerlei Exponaten von und um Günter Brus ein historischer Abriss österreichischer Niedertracht und Kunstfeindlichkeit: gehässige Leserbriefe, gewalttätige Wortspenden von 1968 bis 2024, auch von nun regierenden FPÖ-Landespolitikern verfasst. # Liu Xiaodong, Trees Growing Out of Swimming Pool, gemalt in Eisenerz während eines einmonatigen Aufenthals, 2012. # Regen bei Kastner & Öhler. # Schottische Fußballfans in der Stadt, die Herren bedauerlicherweise in kurzen Hosen und rocklos, “Heart of Midlothian.” # Hirschbirnen. # Nachts schreit immer noch der Pfau vom Nachbarn, aber auch das Fleckvieh gibt Laut. # Waldlichter und bemooste Rundfelsen. # Ein Schwumm im Stubenbergsee, dieses entspannt-belebte Gefühl im Anschluss an das Gleiten durch kühles, nicht übermäßig kaltes Wasser. # An die 100 fröhliche Frauen unterschiedlichsten Alters am Ausflugsschiff, alle mit Kopftüchern, sie sprechen eine Sprache, die eher nach Arabisch klingt als nach Türkisch. # Vom See aus sichtbar ein großes Abbaugebiet, es ist dies wohl der Talksteinabbau am Rabenwald, die größte österreichische Talksteinlagerstätte. # Der Golfplatz ist fleckig. # Wir machen einander auf die vielen Radfahrenden in Dörfern aufmerksam. Die ansässigen Radfahrenden, die Alltagsradfahrenden. Damals hätt’s des ned geb’n, bei uns, am Land, ist man ja sogar zum Bäcker mit dem Auto. # Frontlader, überall. # Die erste auf E-Bay versteigerte Barockkapelle wurde am Masenberg als Glückskapelle Masenberg neu aufgebaut und preist sich dort als selbige an. Man kann Weihwasser in Fläschchen erwerben. Sie liegen da zur entgeltlichen Entnahme, es wird auf Ehrlichkeit vertraut.# Die Votivtafeln in der Wallfahrtskirche Maria Fieberbründl, fast versteckt in einer Nische, auf denen von Wunderheilungen hoffnungsloser Krankheiten berichtet wird. # Grauhaarige Kampfradler, sehnige Neoprenkörper, versorgen sich mit wundertätigem Wasser. Vor der Kirche blitzt eine nigelnagelneue Radabstellanlage; die Steckdosen für das Aufladen von E-Rädern sind noch mit Plastikfolie umhüllt. # Käferbohnenaufstrichbrotmonster. # Uhudler Frizzante non-alcoholic, sehr trinkbar, aber, hey, 15 Euro die Flasche. # Im Reich des Blässhuhns. # Das Wort “Genuss” kannst du in der Steiermark irgendwann nicht mehr hören, freilich ist der Essig vom Gölles schon einfach auch verdammt gut. # Die Ausfahrt aus der Stadt im Sprühnebel eines Regengusses, die Einfahrt in die Stadt im Sprühnebel eines Regengusses.