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- 9 05 2026 - 14:51 - katatonik

Geile Systeme

Im Hotel in Hiroshima gab es ein Wartesystem für das Frühstück während der reisefreudigen Golden Week (im Restaurant ganz oben, im 14. Stock). Am Frühstücksticket dazu ein QR-Code, dessen Aufruf zu einer Wartelisten-Management-Website führte, wo man sich registrieren sollte. Es war etwas umständlich: E-Mail-Adresse eingeben, dann Bestätigungslink in der E-Mail klicken, dann die Anzahl der Personen eingeben, noch einmal klicken, dann hat man reserviert. Per E-Mail oder Benachrichtigung kommt dann die Nachricht, wann man sich in das Restaurant begeben sollen. Ich fand das anfangs recht blöd, dann bald superpraktisch. Besser vorher wissen, dass der Frühstücks-Zeitslot in 45 Minuten beginnt und dann aber sofort einen Tisch bekommen, wenn man dort aufkreuzt, als erst vor dem Restaurant herausfinden, dass es noch länger dauern wird.

Ein von vornherein geiles System ist Takkyubin: Transportunternehmen, die in Nullkommanix auch ganze Koffer versenden. Das wohl größte und bekannteste davon ist Yamato, das sind die mit der schwarzen Katze als Logo, die eine kleine schwarze Katze mit dem Mäulchen trägt, auf gelbem Grund. Man sagt auf Japanisch auch gern: “Schick mir das doch mit der Schwarzen Katze”, und dann weisst’, was los ist. Die Türkis bemalten Lieferwägen von Yamato fahren hier überall herum.

Während wir uns aus Hiroshima über mehrere Verkehrsmitteletappen auf eine Insel in der Inland Sea (Setonaikai) verfügen, mit leichtem Gepäck, reisen also die zwei Koffer mit Takkyubin bereits nach Tokyo voraus, wo sie uns zwei Tage später an einer Hotelrezeption erwarten werden. Ich hatte Sorge, dass die Koffer evtl. nicht in zwei Tagen in Tokyo sein könnten, es sind ja doch ca. 830 Kilometer. Derweil war die Sorge der Takkyubin-Mitarbeiterin eine ganz andere: Hotels nehmen Takkyubin-Sendungen für Gäste maximal einen Tag vor deren Check-in-Datum an. Sie befürchtete, die Koffer könnten eventuell zu früh in Tokyo ankommen, denn tatsächlich brauchen sie nur einen Tag. Es passte dann aber alles. Der Transport der beiden je an die 20 kg wiegenden Koffer kostete knapp 35 Euro. Insgesamt.

Das Ganze auch noch supertoll organisiert: In der Takkyubin-Zweigstelle eine laminierte Anleitung auf Englisch mit QR-Code, der führt mein Mobiltelefon auf eine Seite, wo ich das Hotel als Zieladresse eingebe — dessen Telefonnummer reicht aus, das System findet die Adresse automatisch. Dann noch ein paar Standardfragen durchklicken (auch kein Gefahrengut im Gepäck?), Optionen ankreuzen (fragil? Kühlgut? Im Transportauto stapelbar?), und das war’s. Am Ende kommt ein QR-Code raus, mit dem die Mitarbeiterin die Information ins System übernimmt, zack.

Was nicht funktionierte, aber grundsätzlich funktionieren sollte: Dass die Aufgabe der Koffer bereits an der Rezeption des Hotels gemacht wird, von wo aus man sie eben abschicken möchte. Das Hotel in Hiroshima wollte nicht garantieren, dass unsere Koffer während der Golden Week zeitgerecht in Tokyo ankommen würden. Yamato schickt normalerweise auch Fahrer zum Abholen vorbei, aber in Hotels machen sie das nicht, das müsste das Hotel handhaben. Man kann auch in Convenience Stores Takkyubin-Sendungen aufgeben, aber dort nimmt man sie nur bis zu einer gewissen Größe entgegen, die Koffer waren da drüber. Wir fuhren also mit dem Taxi zur Yamato-Zweigstelle, auch kein Drama (Taxis sind in Japan im Vergleich zu Wien sehr günstig), wiewohl der etwas betagte Taxifahrer Mühe mit den Koffern hatte und sich von uns nur teilweise helfen ließ. Man sieht hier übrigens nicht wenige Menschen in höherem Alter noch arbeiten, was wohl auch an weniger geilen Systemen liegt.