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- 14 05 2026 - 08:58 - katatonik

Hier- und Dajima

Es gäbe in japanischen Schwimmbädern — die recht seicht sind — eigene Spuren für Aquawalking, das unter älteren Menschen sehr populär wäre, sagt A. Tatsächlich waren mir bei Online-Erkundungen der Zeiteinteilungen in diversen Schwimmbädern (nicht, dass ich wirklich dafür Zeit gehabt hätte) Slots für Aquawalking aufgefallen, ohne dass ich verstanden hätte, was damit gemeint ist.

Die Nachbarinsel heisst “Mukoujima”, so heissen anscheinend einige Inseln Japans. Ein generischer Name? “Mukou” heisst so viel wie “da drüben”. Die Insel da drüben. Korrekt liest man den in Kanji geschriebenen Namen, glaube ich, eigentlich “Mukaejima”, das wäre dann “die willkommenheißende Insel”, auch nicht schlecht, doch mir gefällt der Name “die Insel da drüben” mit seiner Relativität und Beiläufigkeit. Noch lieber würde ich auf einer Insel wohnen, die “die Insel im Dadrüben” heisst. # Zum Ort Naoshima, der 1954 vom Rang eines Dorfes in den einer Stadt erhoben wurde, gehören 27 Inseln, von denen (Stand 2010) nur drei bewohnt sind. Mukaejima zählte da 15 Einwohner*innen. # Mitsubishi Materials, James Bond und moderne Kunst (sehr viel von letzterer). # Witze darüber, dass Naoshima eine perfekte Bond-Insel wäre, werden von der Realität verschaukelt, dass es hier tatsächlich ein James-Bond-Museum gibt, da die Insel das Setting des Bondromans “The Man with the Red Tattoo” (2002) war.

Im Ryokan treffen abends die Gäste in bunten Yukatas zum Abendessen ein, die sehr verschiedene Muster haben. Eine Art Karneval der Selbstverständlichkeit. # Erinnerung an ein Abendessen im historisch restaurierten Städtchen Narai (Größe eher dorfig), ein Ryokan, wo abends alle Gäste in gleichfarbigen Yukatas an niedrigen Tischen zusammensaßen, geometrische Muster, Indigo auf weißem Grund. Ich als einzige Ausländerin, das war mir etwas unangenehm. Nicht, weil die Leute unfreundlich gewesen wären, ganz im Gegenteil, sondern weil das Gefühl, unter Beobachtung zu stehen, sich nicht ausblenden ließ und die ganze Unterhaltung sich um Aspekte meines Fremdseins drehte, so eine Art Konversationsgefängnis. # Erinnerung an Ausflüge mit Kolleg*innengruppen. Institutsausflüge mit Profs und Studis, auch auf Inseln, wo dann alle in gleichen Yukatas nach dem geschlechtergetrennten Gang ins heiße Bad an niedrigen Tischen unzählige Variationen von Meeresfrüchtegerichten mit viel Bier und Sake genossen, dazu evtl. auch Karaoke. Dasselbe auch nach einer Konferenz im Fachkreis, Regionalabteilung Westjapan. # Von den Inseln sahen wir damals nicht viel, es ging ums gemeinsame Baden, Essen, Trinken, Palavern und gelegentlich auch Singen, auch um das Aushandeln von Konflikten in einem geschützten Raum, abseits der offiziellen Instituts- oder Konferenzumgebung. # Die Muster der Indigo-Yukatas (für Männer gedacht), hier ein paar dekodiert. Man fand sie früher in jedem Hotelzimmer vor und konnte in ein Gefühl gediegener Leichtigkeit schlüpfen, spüren, wie die aufgeräumte Geometrie Anmut produziert. Auf dieser Reise in den Hotels mit Ausnahme des Inselryokans weiße Waffelpyjamas oder Nachthemden; sie blieben unbeschlüpft.